DFB-Pokalfinale 2001 - "Meister der Herzen", die doch noch jubeln dürfen

Jubel bei Schalke 04 nach dem Sieg im DFB-Pokalfinale 2001 gegen Union Berlin. Da klatscht auch der Bundeskanzler Gerhard Schröder (l.v.)

DFB-Pokalfinale Schalke 04 gegen Union Berlin

DFB-Pokalfinale 2001 - "Meister der Herzen", die doch noch jubeln dürfen

Von Tim Beyer

Sieben Tage war der FC Schalke 04 im Frühjahr 2001 vor allem eins: "Meister der Herzen". Doch dann das: DFB-Pokalfinale gegen Union Berlin, der linke Fuß von Jörg Böhme und Rudi Assauer, der lacht.

Als ich verstanden habe, dass eine Ewigkeit manchmal nur 278 Sekunden dauert, war ich in der 5. Klasse. Es war der 19. Mai 2001, der 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga und ich saß vor dem Radio und glaubte wie Millionen Menschen, dass Schalke 04 tatsächlich deutscher Meister würde. Ich glaubte das vier Minuten und 38 Sekunden lang, an den Rest erinnern sich Fußball-Fans im ganzen Land: Radio-Stimmen, die sich überschlagen, und die Nachricht, dass in Hamburg doch noch gespielt wird. Dass es Freistoß für die Bayern geben wird. Dass Oliver Kahn schießen möchte, aber nicht darf. Dass stattdessen Patrick Andersson schießt - und trifft.

Noch heute erinnere ich mich, wie Premiere-Moderator Rolf Fuhrmann vor dem Schalker Andreas Müller stand, der als Dankeschön an tapfere Hambuger schon ein HSV-Trikot trug. An Schalker, die den Rasen im Parkstadion stürmten, "königsblauen" Jubel und Andreas Möller, der Rudi Assauer in die Arme fiel. Und dann: Ernüchterung, auch Tränen. Kein Titel, nur "Meister der Herzen".

Ich war im Frühjahr 2001 kein Schalke-Fan, und ich werde nie einer sein. Und doch habe ich an diesem Nachmittag etwas verstanden: Die Sache mit der gefühlten Ewigkeit, na klar. Womöglich, so sehe ich das heute, haben mich Schalker, die erst jubelten und dann weinten, aber auch gelehrt, was der Fußball den Menschen bedeuten kann. Eine Woche später, als Schalke im DFB-Pokalfinale gegen Union Berlin spielte, war ich jedenfalls für Emile Mpenza, Ebbe Sand und Jörg Böhme, und nicht wie sonst oft für den Außenseiter.

Der doppelte Böhme

Man muss sich das ja noch einmal in Erinnerung rufen: Union Berlin, das war da noch kein Bundesligist, zu dem die Fans aus England wegen der tollen Stimmung pilgern. In der Saison 2000/01 spielte Union in der Regionalliga Nord, der Trainer hieß Georgi Vasilev und hatte einen gewaltigen Schnurrbart. Und die Spieler? Mancher wird sich noch an Daniel Texeira erinnern, den Torjäger aus Brasilien. Vielleicht auch an Hristo Koilov, den Spielmacher aus Bulgarien, oder an Ronny Nikol, den Linksverteidiger, den man wegen seiner gefärbten Haare, mal blond und im Finale sogar orange, gar nicht übersehen konnte.

Union spielte zunächst gar nicht schlecht, die Schalker hatten so ihre Probleme. Doch dann drehte der Mann auf, der drei Tage später unter dem Bundestrainer Rudi Völler sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft feiern sollte: Jörg Böhme. Erst traf er mit einem wunderbaren direkten Freistoß, dann verwandelte er einen Elfmeter. Zwei Tore in fünf Minuten - Schalke war fortan nicht mehr nur "Meister der Herzen", sondern auch DFB-Pokalsieger.

Ich fand das irgendwie gerecht - sicher auch, weil Union nicht ganz leer ausging. Weil Schalke schon für die Champions League qualifiziert war, durften die "Eisernen" als Zweitligaufsteiger in der kommenden Saison auch noch im UEFA-Cup ran.

Sportgeschichte - re-live bei sportschau.de

Es gibt von diesem Nachmittag einige Bilder, an die sich Schalke-Fans wahrscheinlich heute noch erinnern werden. Wie der verletzte Kapitän Tomasz Waldoch den Pokal in die Höhe hebt und einen Meter entfernt von ihm der Bundeskanzler Gerhard Schröder applaudiert. Fans in Schal und Trikot, die nach dem Pokal greifen, den Rudi Assauer gar nicht mehr loslassen möchte.

Mai 2001: Rudi Assauer freut sich über den DFB-Pokalsieg des FC Schalke 04

Mai 2001: Rudi Assauer freut sich über den DFB-Pokalsieg des FC Schalke 04

Auch auf dem vielleicht schönsten Bild ist Assauer zu sehen: Er sitzt im Zug, ihm gegenüber der Trainer Huub Stevens, zwischen ihnen der DFB-Pokal. Assauer trägt Sonnenbrille zum weißen Hemd, er raucht eine Zigarre und lacht.

Sehen Sie hier das kompltte Pokalfinale noch einmal:

DFB-Pokalfinale 2001 - Schalke 04 gegen Union Berlin Sportschau 28.03.2020 01:46:31 Std. Verfügbar bis 28.03.2021 Das Erste

Stand: 27.03.2020, 17:42

Darstellung: