Sport in Zeiten von Covid-19 - die Angst vor dem Zusammenbruch

Alba Berlin

Steigende Infektionszahlen

Sport in Zeiten von Covid-19 - die Angst vor dem Zusammenbruch

Die Infektionszahlen mit Covid-19 steigen überall auf der Welt, natürlich erkranken auch Sportler. Das hat Folgen: Spiele werden abgesagt, die Durchführung von Wettbewerben ist fraglich. Der Sport sucht nach Lösungen, die auch die Politik gerne hätte.

Eigentlich würden sich die Basketballer von Alba Berlin in diesen Stunden intensiv mit denen von Baskonia Vitoria beschäftigen, doch in Berlin haben sie gerade andere Sorgen. Das Euroleague-Spiel am Donnerstagabend (22.10.2020) wurde abgesagt, weil es bei den Berlinern mittlerweile sechs positiv auf Covid-19 getestete Teammitglieder gibt. Die betroffenen Akteure sind in Quarantäne - ob es sich um Spieler, Trainer oder Betreuer handelt, hat Alba nicht bekanntgebeben.

Den ersten positiven Test hatte Alba am Sonntag (18.10.2020) öffentlich gemacht, wenige Stunden nach der Rückkehr aus Moskau. Dort hatten die Berliner zuvor überraschend in der Euroleague gegen ZSKA Moskau gewonnen. Doch darüber sprach schon wenige Stunden später niemand mehr. Alle Beteiligten, die die Reise nach Moskau angetreten hatten, befinden sich nun in einer vierzehntägigen Quarantäne - das trifft beinahe auf das komplette Team zu.

Alba-Manager Baldi zu Corona-Infektionen und Spiel-Ausfällen: "Sehr bedrückend"

Sportschau 21.10.2020 01:59 Min. Verfügbar bis 21.10.2021 Das Erste Von Jakob Rüger


Basketball - eine Blaupause für den Zustand des Sports?

Eine halbwegs erfreuliche Nachricht hat dann aber auch Alba in diesen Tagen erhalten. Am Montag (19.10.2020) hat das für die Belange der Euroleague zuständige ECA Shareholders Executive Board eine Regeländerung verkündet. Wenn eine Mannschaft wegen positiver Coronatests nicht auf acht gesunde Spieler kommt oder sich das Team in Quarantäne befindet, kann eine Begegnung dreimal verschoben werden - sofern der Terminkalender das zulässt. Ist dies nicht der Fall, wird das Spiel gegen die Mannschaft gewertet, die für die Umplanung verantwortlich gemacht wird.

Es könnte durchaus dazu kommen, dass dieser Passus noch wichtig werden wird für die Wertung eines Wettbewerbs. Denn die Taktung im Basketball ist derart eng, dass eine einzige Spielabsage oft weitreichende Folgen hat. Man sieht das am Beispiel der Berliner: Wie die Basketball-Bundesliga am Mittwoch (21.10.2020) bekanntgab, wird das Finalturnier um den Pokal wegen der Entwicklungen bei Alba auf unbestimmte Zeit verschoben. "Ich habe es ja gesagt: Wir kommen nicht unbeschadet durch die Saison", sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz. "Nun hätte es nicht zwingend am ersten Wochenende sein müssen. Gerade im eng getakteten Pokal ist es so, dass wir den Zeitplan nicht halten können."

Es ist das Ende der vermeintlichen sportlichen Normalität in einer Sportart, deren Protagonisten von einem Event zum nächsten hasten, und dabei in Zeiten von Covid-19 einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Und womöglich ist das, was gerade im Basketball passiert, gar eine Blaupause für den gesamten Sport.

Der Sport sucht Lösungen, die auch die Politik gerne hätte

Im Frühjahr hatten die Verantwortlichen in den unterschiedlichen Sportarten nach Möglichkeiten gesucht, um Wettkämpfe auch in Zeiten einer Pandemie zu ermöglichen. Es war dann die Fußball-Bundesliga, die reiche Fußball-Bundesliga, die es vorgemacht und ein sogenanntes Hygienekonzept vorgelegt hat, das später oft kopiert worden ist. Im Sommer, als das gute Wetter die Menschen an die frische Luft trieb und die Infektionszahlen sanken, wurde in vielen Sportarten wieder gespielt, wenn auch oft ohne Zuschauer und mit erheblichem organisatorischen Mehraufwand.

Doch der Sommer ist endgültig vorbei, es ist Herbst und das ist in diesem Jahr wirklich keine gute Nachricht. Die Infektionszahlen steigen dramatisch an, in Deutschland werden immer mehr Städte zu Risikogebieten erklärt - und überall wird nun wieder nach Lösungen gesucht, auch im Sport. Es stellen sich einige Frage, zum Beispiel diese: Wie kommt der Sport durch Herbst und Winter? Kommt er durch Herbst und Winter?

AZ Alkmaar hat 13 positiv gestetete Fußballer

Kürzlich hat der niederländische Fußballklub AZ Alkmaar für Schlagzeilen gesorgt. Am Dienstag (20.10.2020) teilte der Verein mit, man habe bei einer Testreihe acht neue Infizierungen mit Covid-19 festgestellt, damit sind nun insgesamt 13 Spieler erkrankt. Einen Tag später twitterte Alkmaar ein Bild, das Fußballer in Trainingsanzügen zeigt, sie sitzen in einem Flugzeug und tun, was Fußballer gerne tun: in die Kamera grinsen, auf das Handy schauen, Normalität simulieren. Dazu schrieb der Klub: "See you in Italy."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Ganz im Süden von Italien, in Neapel, soll Alkmaar am Donnerstagabend in der Europa League spielen. Laut den Vorgaben der Europäischen Fußball-Union (UEFA) kann ein Spiel nämlich nur dann verlegt werden, wenn einem Team weniger als 13 gemeldete Spieler zur Verfügung stehen. AZ Alkmaar hatte zuvor erklärt, mit 17 gesunden Spielern ins Flugzeug steigen zu wollen. Bislang hat sich die UEFA strikt an diese Regel gehalten. Maccabi Tel Aviv etwa hatte elf positive Corona-Fälle im Kader, musste aber trotzdem in der Champions-League-Qualifikation gegen Salzburg spielen - und verlor prompt Hin- und Rückspiel.

Gnabry infiziert - was bedeutet das für die Bayern?

Der FC Bayern ist lange von Covid-19-Infektionen verschont geblieben, doch nun hat es Serge Gnabry erwischt. Beim Champions-League-Spiel am Mittwochabend (21.10.2020) gegen Atlético wird Gnabry fehlen, er befindet sich in Quarantäne. Tags zuvor hatte der Nationalspieler noch mit der Mannschaft trainiert, theoretisch könnte er dabei weitere Spieler angesteckt haben. Es sollen weitere Tests folgen, um das auszuschließen.

Viel Zeit bleibt den Bayern dafür nicht mehr. "Die Mannschaften und getesteten Personen müssen sicherstellen, dass die UEFA rechtzeitig Zugang zu den individualisierten negativen Testergebnissen erhält", heißt es im Corona-Protokoll der UEFA. Die Ergebnisse müssen "bis spätestens sechs Stunden vor der Anstoßzeit (Ortszeit am Spieltag)" vorliegen.

In Mannheim greift das Gesundheitsamt ein

Kurz zuvor war bereits das Auftaktspiel des zweimaligen deutschen Handball-Meisters Rhein-Neckar Löwen in der European League abgesagt worden. Das Gesundheitsamt Mannheim untersagte die Austragung des Duells mit RK Trimo Trebnje, weil ein Teammitglied der Slowenen positiv auf Covid-19 gestestet worden war. Ob und wann das Spiel nachgeholt wird, steht noch nicht fest.

Hamburgs Zweitliga-Handballer müssen aufgrund positiver Befunde bereits ein zweites Mal binnen weniger Wochen in Quarantäne. "Natürlich sind auch wir von den im ganzen Land steigenden Infektionszahlen betroffen, das überrascht uns nicht. Wenn die Pandemiezahlen weiter so rasant steigen, wird es auch eine Durchlässigkeit im Profisport geben. Das zeigt das Beispiel von Serge Gnabry im Fußball genauso wie infizierte Spieler im Basketball oder bei uns. Und wir wissen nicht, wo als nächstes eine Infektion von Spielern einschlägt. Aber wir planen weiter, den Regelbetrieb durchzuführen.", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem SID. Ein gutes Zeichen sei es aber, "dass unsere Systeme absolut zuverlässig funktionieren", sagte Bohmann. Am Dienstag erst habe es eine Runde mit den Chefs der Staatskanzleien gegeben, "in der die aktuellen Konzepte des Fußballs und Handballs sehr gelobt worden sind."

Im Falle eines zweiten gesellschaftlichen Lockdowns würden aber auch diese Konzepte zur Makulatur. Die Modernen Fünfkämpfer sagten ihre am Wochenende in Neuss vorgesehenen Titelkämpfe ebenso ab wie die Eisschnellläufer ihre in der kommenden Woche in Inzell angesetzten Wettbewerbe.

Es sind nur einige Beispiele von vielen, man könnte hier auch über den ungewissen Saisonstart in der NBA berichten und über die sogenannte "Bubble" im Profitennis und die Kritik daran. Was letztlich alle Sportarten eint, ist ihr Bemühen, einer Pandemie zu trotzen - und mögen die Chancen dafür noch so gering sein. Es geht schließlich um Existenzen: um die ganzer Sportarten, die nicht der Fußball sind und um die vieler Vereine, denen ohne Zuschauer große Summen fehlen, die sie fest eingeplant hatten. Und um die vieler Menschen, die ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt mit dem Sport verdienen, und die ohne Wettkämpfe in eine ungewisse Zukunft blicken.

Barthel: "Gehe das Risiko ein, um dem Basketball zu helfen"

Der Basketballer Danilo Barthel hat vor einigen Tagen genau über solche Sorgen gesprochen. Am Freitagabend spielt er mit seinem neuen Klub Fenerbahce in der Euroleague gegen seinen alten Verein Bayern München, das zumindest ist der Plan. Doch gerade beschäftigen Barthel noch ganz andere Dinge. Im Podcast "Abteilung Basketball" hat Barthel gesagt, ihm als Profisportler sei natürlich klar, dass auch er sich mit Covid-19 infizieren könne. Er sagte: "Ich gehe das Risiko gerne ein, um dem Basketball irgendwie zu helfen, um meinen Job zu sichern."

tbe mit Material von sid und dpa | Stand: 21.10.2020, 12:11

Darstellung: