Snooker-WM - Zweifel am Zuschauer-Konzept

Der englische Snooker-Spieler Ronnie O'Sullivan

Snooker-WM in Zeiten der Corona-Pandemie

Snooker-WM - Zweifel am Zuschauer-Konzept

Von Jo Herold

Ronnie O'Sullivan ist der Star der Snookerszene. Doch am Konzept der am Freitag (31.07.2020) beginnenden Snooker-WM äußert nicht nur der Engländer heftige Kritik. Denn es sind Zuschauer zugelassen. Dabei ist Großbritannien massiv von der Corona-Pandemie betroffen.

Der fünfmalige Snooker-Weltmeister Ronnie O'Sullivan zögerte, als er seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2020 bestätigen sollte. Denn die Sessions sollen 250 bis 350 Zuschauer im berühmten Crucible Theater in Sheffield verfolgen dürfen. Nicht nur in O'Sullivans Augen ein Unding.

"Man behandelt das Event und uns wie Laborratten, aber was sollen wir tun?", fragte der 44-jährige Engländer im Vorfeld der 17 Tage dauernden WM. Das traditionsreiche Turnier war als eine der Sportveranstaltungen ausgewählt worden, um die Zulassung von Zuschauern bei derartigen Events zu testen. Großbritannien ist mit etwa 45.000 gestorbenen Patienten der am stärksten betroffene europäische Staat. Die Zahl der Neuinfektionen lag Ende Juli bei etwa 700 pro Tag (Quelle: tagesschau.de, Zahl für den 29.07.20).

Mit Mund- und Nasenschutz, aber nur bis zum Platz

Die Fans nehmen das Angebot, die WM live und vor Ort mitverfolgen zu können, bislang nur zögerlich an. Laut der Internetseite der WM sind nur sechs der insgesamt 78 Sessions bislang ausverkauft. Offenbar sind auch die Fans skeptisch. Maximal vier Personen aus bis zu zwei Haushalten dürfen zusammensitzen - zwischen den Vierergruppen soll es im Zuschauerraum Abstand geben. Und nur einer der vier darf die Karten buchen.

So soll verhindert werden, dass völlig Fremde beieinander sitzen. Bis zum Erreichen des Sitzes - ähnlich der Regelung in deutschen Restaurants - muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden, die dann abgelegt werden kann. Der Raum ist geschlossen, die Sessions gehen teilweise über mehrere Stunden. Das ist nicht nur Ronnie O'Sullivan zuviel.

"Nehmen wir an, eine Person wird krank und stirbt. Es wäre eine Person, die ohne Grund gestorben wäre, nur zur Unterhaltung", sagte Anthony Hamilton, Nr. 48 der Weltrangliste, und begründete damit seine WM-Absage. Hamilton leidet an einer Asthma-Erkrankung. Das gefiel dem Chef der World Snooker Tour (WST), Barry Hearn, gar nicht. Er kritisierte die späte Entscheidung des 49-Jährigen: "Durch seine Qualifikation hat er verhindert, dass jemand anderes teilnehmen kann."

Favoriten sind alte Bekannte

32 der weltbesten Spieler treten bei der WM gegeneinander an, 16 waren gesetzt, die zweiten 16 konnten sich qualifizieren. Beim Blick auf die Namen der Favoriten fällt auf: Es sind die "alten Bekannten". Weltmeister Trump, dazu Selby, Murphy, Robertson, Bingham, Ding. Und natürlich O'Sullivan, der allerdings auch mal rabenschwarze Tage erleben kann. Der schillernde Spieler steht wie kein Zweiter für eine Art "Hurra"-Billard, die für Begeisterungsstürme bei den Zuschauern sorgen, oder ihn selbst und seine Fans tief in den Abgrund jagen kann.

Große Ehre: Marcel Eckardt leitet Finale

Bei all der wichtigen Diskussion über Sinn und Unsinn von Veranstaltungen mit Zuschauern in diesen Zeiten fällt ein deutscher Rekord fast hinten runter. Denn Marcel Eckardt aus Berlin wird der jüngste Referee sein, der jemals ein Finale der Snooker-WM geleitet hat. Der 30-Jährige wähnt sich am Ziel seiner Träume: "Das wird ein gewaltiger Moment für mich sein, es ist das Spiel, das du als professioneller Schiedsrichter machen willst", sagte er der World Snooker Tour.

Und noch ein Novum wird es geben: Mit Alexander Ursenbacher hat sich erstmals ein Spieler aus dem deutschsprachigen Raum für die WM qualifiziert. Der Schweizer muss in seiner ersten Runde gegen den starken Engländer Barry Hawkins ran. Gespielt wird in der ersten Runde nach dem Modus "Best of 19" (Erster mit zehn gewonnenen Frames gewinnt), bis zu "Best of 35" im Finale. Der Sieger darf sich über 500.000 britische Pfund freuen (555.000 Euro), insgesamt werden 2,2 Millionen Pfund ausgespielt.

Stand: 31.07.2020, 07:00

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