Re-Start der Bundesliga wirft viele Fragen auf

Mark Uth bei einem Eckstoß im Geisterderby

Coronakrise

Re-Start der Bundesliga wirft viele Fragen auf

In der Bundesliga könnte bald wieder vor leeren Rängen gespielt werden, sagen Politiker wie Armin Laschet oder Markus Söder. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Viele Fragen bleiben weiterhin offen. Ein Überblick.

Ab wann könnte wieder gespielt werden?

Die Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) haben am Montag (20.04.2020) als möglichen Termin für einen Re-Start den 9. Mai genannt. "Voraussetzung ist, dass es ein durchdachtes Konzept gibt", sagte Laschet. "Das, was die DFL in diesen Tagen vorgelegt hat, lässt erkennen, dass es Schutzvorkehrungen gibt." Stunden zuvor hatten bereits die Sportminister der Länder mitgeteilt, dass sie Geisterspiele "nach derzeitigem Diskussionsstand" ab Mitte oder Ende Mai für vertretbar hielten.

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In den "Tagesthemen" sagte Söder am Dienstagabend dann: "Letztlich muss das Robert Koch-Institut und der Bundesgesundheitsminister da sein Go geben. Er hat - so habe ich das vernommen - gesagt, er hält es für möglich. Wenn das Robert Koch-Institut beziehungsweise der Bundesgesundheitsminister das für vertretbar halten, wenn die Gesundheitsämter vor Ort das für vertretbar halten. Dann würde ich es auf Bewährung wagen." Einen Blankoscheck für den Fußball werde es nicht geben, so Söder weiter.

Welche Schutzvorkehrungen gibt es im Training und im Spielbetrieb?

Seit knapp zwei Wochen dürfen die Bundesligisten wieder in Kleingruppen trainieren, doch nicht alle Klubs tun das. Dabei sind die Spieler angehalten, sich streng an die Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen zu halten, heißt: Zweikämpfe und Körperkontakt sollen vermieden werden.

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Sportschau 21.04.2020 03:43 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 ARD Von Guido Ringel

Sollte tatsächlich im Mai wieder gespielt werden, ließen sich die Maßnahmen nicht aufrechterhalten: Fußball ist ein Kontaktsport, eine Abstandsregel wird es auf dem Platz nicht geben. Inzwischen gibt es nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" konkrete Vorschläge der Task Force der DFL: Bei möglichen Geisterspielen sollen maximal ca. 300 Personen im Stadion anwesend sein. Das Papier enthält demnach auch Informationen zur "häuslichen privaten Hygiene" und weist alle Beteiligten nochmal auf die Vorbildfunktion der Spieler und Verantwortlichen bezüglich der Hygiene- und Isolationsmaßnahmen hin.

Was geschieht im Falle einer Corona-Infektion eines Spielers?

Der Plan der DFL sieht vor, dass es dazu gar nicht erst kommt. Für den Fall, dass sich doch einer oder mehrere Spieler infizieren, sieht das Papier der Task Force einen Maßnahmenkatalog vor.

Die infizierte Person sollte sofort isoliert werden, die dokumentierten Kontaktpersonen sollten getestet werden. Zudem: "Beruhigung und Aufklärung des Teams über den Sachverhalt (keine Panik, strategische Ausrichtung des Teams, Kontrolle der Hygienemaßnahmen, etc.)."

Die Vereine sollen zudem positive Fälle nicht automatisch der Presse melden, "da Krankheitsverifizierung sowie die klare Dokumentation der vermutlichen Übertragungswege im Vordergrund stehen". Die Klubs sollen darüber hinaus präventiv "frühzeitig für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen".

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Wird es regelmäßige Corona-Tests bei den Spielern geben?

Geisterspiele in der Bundesliga können nur dann stattfinden, wenn die Spieler, Trainer und Mitglieder der Funktionsteams umfangreich auf Corona getestet werden. Offenbar plant die DFL, solche Tests alle drei Tage durchzuführen. Nach Informationen der Bild-Zeitung von Donnerstag (23.04.2020) rechnet die DFL angeblich mit einem Bedarf von 25.000 Coronavirus-Tests für den gesamten Profi-Fußball. Dem Bericht zufolge ergeben sich in mindestens neun bis zehn Wochen Spielzeit 21.600 nötige Tests für die Beteiligten in den 36 Clubs. "Nach Reserve-Aufstockung kommt man auf knapp 25 000 Tests für die restliche Spielzeit", steht laut "Bild" in der Präsentation der DFL-Kommission "Fußball".

Nicht alle finden das angemessen. So fragen sich Kritiker, ob die knappen Tests für das Luxusgut Fußball verwendet werden sollen. "Wir sind derzeit nicht mal in der Lage, jeden zu testen, bei dem es medizinisch sinnvoll sein könnte, geschweige denn jeden Verdachtsfall", sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

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Die Antwort der DFL darauf gab es am Dienstagnachmittag in einem Pressestatement: "Das derzeit diskutierte Konzept der DFL erfordert weniger als 0,5 Prozent der aktuellen Testkapazität. Hinzu kommt: Die bestehenden Kapazitäten werden laut ALM nicht ausgeschöpft. Völlig klar ist aber auch: Sollte es durch künftige Entwicklungen – z.B. eine zweite Corona-Infektionswelle – tatsächlich Engpässe geben, wird die DFL die Versorgung der Bevölkerung selbstverständlich nicht beeinträchtigen."

Mit welchem Spieltag ginge es weiter?

Eigentlich sollte der 26. Spieltag der Bundesliga Mitte März stattfinden, er wurde dann aber wegen Covid-19 verlegt. Sollte die Bundesliga tatsächlich ihren Spielbetrieb wiederaufnehmen dürfen, könnte es also mit diesem Spieltag weitergehen. Doch bestätigt ist das nicht. Insgesamt sind noch neun Spieltage auszutragen. Dazu steht noch das Nachholspiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt an.

Welche wirtschaftlichen Interessen stecken hinter einem schnellen Re-Start?

Zuletzt hatte man viel darüber lesen können, dass womöglich 13 der 36 Erst- und Zweitligaklubs in ernsthafte wirtschaftliche Nöte geraten würde, würde die Saison aufgrund der Covid-19-Pandemie abgebrochen. In diesem Fall würde die vierte TV-Geld-Tranche ausbleiben - doch auf das Geld, es geht um insgesamt knapp 300 Millionen Euro, sind die Vereine angewiesen.

Corona erzwingt wirtschaftliches Umdenken bei Vereinen Sportschau 18.04.2020 05:24 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Wie stehen die Fans zu einem möglichen Re-Start?

Die Fußballfans, das sollte man wissen, gibt es nicht. Doch es ist davon auszugehen, dass sich viele Menschen in Deutschland über einen Re-Start freuen würden. Für die organisierte Fanszene gilt das allerdings nicht unbedingt. Ein Beispiel: Die Fan-Organisation "Unsere Kurve" schreibt in einem am Dienstag (21.04.2020) veröffentlichten Statement, der Fußball habe noch nie so sehr um die "Akzeptanz seines Geschäftsmodells in der Gesellschaft gerungen wie in der aktuellen Situation."

Weiter heißt es in dem Statement: "Wenn der Fußball ein Teil der Gesellschaft sein will, kann er nicht losgelöst von der gesamtgesellschaftlichen Situation handeln. Er muss diese stetig in seinem Handeln und seinen Gedankenspielen berücksichtigen. Wirtschaftliche Interessen müssen sich den aktuellen Rahmenbedingungen anpassen, nicht umgekehrt."

Wer ist für einen Neustart, wer dagegen?

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagt: "Es ist falsch, zehntausende Tests für Geisterspiele zu verbrauchen, während in den Pflegeheimen und bei Lehrern noch nicht ausreichend getestet werden kann." Auch Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, hat sich gegen umfangreiche Corona-Tests bei Bundesliga-Profis ausgesprochen. "Ich denke, man sollte die Tests dort anwenden, wo es medizinisch sinnvoll ist", sagte Schaade.

Gesundheitsexperte Lauterbach reagiert auf DFL-Mitteilung Sportschau 21.04.2020 01:53 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 Das Erste

Und im Bundesinennministerium sind sie dagegen, schon jetzt einen Termin für die Wiederaufnahme der Bundesliga zu nennen. In einem Schreiben vom Dienstag heißt es, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder zunächst bis zum 3. Mai vereinbarten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gälten "uneingeschränkt" auch für den Sport. Vor einer Entscheidung über die Durchführung von Geisterspielen seien erst "die weiteren Entwicklungen der Pandemie in Deutschland und die noch nicht bekannten Konzepte des Deutschen Fußball-Bundes e. V. (DFB) und der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) abzuwarten", heißt es weiter.

Kritische Worte in Richtung Fußball gab es auch von Carsten Linnemann, dem Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsunion von CDU/CSU: "Es ist auch eine sensible Angelegenheit, wenn Profi-Clubs 20.000 Corona-Tests binnen weniger Tage durchjagen könnten, damit die Saison zu Ende gespielt wird, für die Bevölkerung aber solche Tests fehlen", meint Linnemann in der "Rheinischen Post".

Dass man bei der DFL ganz anders über einen möglichen Re-Start denkt, ist nicht überraschend. "Das sind positive Signale, die ausgesendet wurden. Das gibt beiden Ligen eine wichtige Perspektive", so DFL-Chef Christian Seifert. Zu den Befürwortern eines Re-Starts gehört auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: "Geisterspiele sind besser als nichts. Viele Deutsche freuen sich auf die Fußballübertragung. Ich auch", erklärte der CDU-Politiker der "Bild".

red mit dpa/sid | Stand: 23.04.2020, 11:47

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