US-Sportler reagieren entsetzt auf Ereignisse in Washington

Die Basketballer der Phoenix Suns und Toronto Raptors nahmen sich bei der Nationalhymne in die Arme

"Unser Land wird in der ganzen Welt ausgelacht"

US-Sportler reagieren entsetzt auf Ereignisse in Washington

Trotz der Vorkommnisse in Washington fanden in der Nacht die Spiele in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA statt. Trainer und Spieler haben dabei klargemacht, dass sie den Sturm vieler Anhänger von Donald Trump auf das Kapitol verurteilen. Auch aus anderen Sportarten meldeten sich die Stars.

Die NBA-Trainerlegende Doc Rivers (Philadelphia 76ers) hat das Verhalten der Sicherheitsbehörden bei den Ereignissen in Washington, bei denen es auch Todesfälle gegeben hatte, kritisiert. Im Gegensatz zur Absicherung der Regierungsgebäude im Sommer wegen der Demonstrationen unter dem Motto "Black lives Matter" habe er weder die Armee noch die Nationalgarde gesehen, sagte Rivers nach Angaben von US-Medien vor dem Heimspiel gegen die Washington Wizards. "Das ist in vielerlei Hinsicht ein Beweis für ein privilegiertes Leben", so der 59-Jährige: "Können Sie sich heute vorstellen, was passiert wäre, wenn das alles Schwarze gewesen wären, die das Kapitol gestürmt hätten?"

Rivers' Trainerkollege von den Orlando Magic, Steve Clifford, sieht in dem Aufstand ein weiteres Beispiel dafür, dass seine Heimat aktuell ein erschreckendes Bild abgebe. "Unser Land wird in der ganzen Welt ausgelacht. Angefangen damit, wie wir mit der Pandemie umgegangen sind, bis zu dem jetzt (...) es ist ein trauriger Tag für jeden", sagte der 59-Jährige.

Spieler positionieren sich in einem Statement

Die Basketball-Profis der Boston Celtics um Nationalspieler Daniel Theis und von Vizemeister Miami Heat knieten beim Abspielen der Nationalhymne vor der Partie. Diese Geste ist seit Jahren das Zeichen für den Protest gegen diskriminierende Gewalt.

Zudem veröffentlichten die Spieler eine gemeinsame Stellungnahme: "Der drastische Unterschied zwischen dem Weg, wie Demonstranten im vergangenen Frühjahr und Sommer behandelt wurden, und der Ermunterung für die Demonstranten heute, die illegal gehandelt haben, zeigt, wie viel mehr Arbeit wir zu erledigen haben."

Proteste in der NBA Sportschau 07.01.2021 00:31 Min. Verfügbar bis 07.01.2022 Das Erste

"Wir spielen die heutige Partie mit einem schweren Herzen nach der gestrigen Entscheidung in Kenosha (ein weißer Polizist, der den Schwarzen Jacob Blake mehrfach in den Rücken geschossen hatte, wird nicht angeklagt, Anm. d. Red.) und im Wissen, dass die Demonstranten im US-Kapitol unterschiedlich von der politischen Führung behandelt werden, je nach dem welcher Seite sie angehören", hieß es in dem Statement. Vor Beginn der Partie waren beide Mannschaften bis zwanzig Minuten vor dem Spielbeginn erst gar nicht zum Aufwärmen auf dem Court erschienen.

Trump "ist ein Verbrecher"

Auch nach der Partie war nicht das sportliche Geschehen das Hauptthema, sondern die Vorkommnisse in Washington. "Es gibt zwei verschiedene Amerikas. In einem wirst du erschossen, weil du in deinem Auto schläfst, Zigaretten verkaufst oder im Garten spielst. Und im anderen Amerika kannst du das Kapitol stürmen - und es gibt kein Tränengas und keine Massenverhaftungen. Wir haben jetzt 2021 - aber es hat sich nichts geändert“, sagte Celtics-Star Jaylen Brown.

Klare Worte gab es von Kyle Lowry, Spieler der Toronto Raptors, direkt an Trump. der in etwas weniger als zwei Wochen seinen Platz für Biden räumen muss. "Der Mann, der Präsident war, hat dazu angestachelt. Der Mann ist ein Verbrecher. Er sollte vor Gericht gestellt werden", sagte der 34-Jährige.

Zahlreiche Teams protestieren mit Kniefall

Die Spieler der Milwaukee Bucks und der Detroit Pistons gingen nach dem Sprungball auf ein Knie und wiederholten die Geste nach dem Wechsel des Ballbesitzes ein zweites Mal. Die Phoenix Suns und die Toronto Raptors hakten sich bei der Hymne in einem großen Kreis unter, vor dem Duell der Golden State Warriors mit den Los Angeles Clippers gingen die Teams ebenfalls auf ein Knie.

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Auch Stars aus anderen Sportarten üben Kritik

Turnerin Simone Biles, die "bestürzt, angewidert, traurig, wütend, sprachlos - aber nicht überrascht" sei, und US-Fußballerin Megan Rapinoe teilten mehrere Tweets, die das Verhalten der Sicherheitskräfte im Vergleich zu deren Umgang mit den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt kritisierten. Der Quarterback der Seattle Seahawks, Russell Wilson, appellierte, die USA "müssten als Nation zusammenkommen".

Die ehemalige Nummer 1 im Damen-Tennis, Martina Navratilova, griff wie NBA-Spieler Lowry persönlich Trump an. "Was im Kapitol passiert ist, liegt an Ihnen. Alles liegt an Ihnen", sagte sie und forderte ein Ende der Amtszeit des 74-Jährigen noch vor dem offiziellen Ausscheiden am 20. Januar. "Trump muss des Amtes enthoben werden", so Navratilova.

dpa/sid | Stand: 07.01.2021, 09:47

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