Olympia und das Grübeln - Familie, Beruf, Masterarbeit

Ringerin Aline Rotter-Focken und Hockeyspieler Tobias Hauke

Sommerspiele in Tokio erst 2021

Olympia und das Grübeln - Familie, Beruf, Masterarbeit

Von Marcus Bark

In zwei Wochen wäre die Sportlerkarriere beendet, doch wegen der verschobenen Olympischen Spiele dauert sie nun noch ein Jahr und zwei Wochen. Oder doch nicht? Ein Blick auf grübelnde Athletinnen und Athleten.

Tobias Hauke überlegt weiter. Er überlegt schon seit Monaten. Er überlegt, ob er dieses eine Jahr dranhängt. Er überlegt zusammen mit seiner Frau. Er überlegt zusammen mit seinen Eltern. Eine Tendenz gibt es auch schon. "Ich will es machen, ich gehe es auch an", sagt er zur Sportschau. Aber er sagt auch: "Ich will mir die Tür ein bisschen offen lassen."

Stichtag Olympia: Noch ein Jahr warten auf die Spiele

Sportschau 23.07.2020 00:59 Min. Verfügbar bis 23.07.2021 ARD Von Kathrin Erdmann

In vier Wochen soll die Entscheidung fallen: Olympia in Tokio ja oder nein? Es wären die vierten Olympischen Spiele für einen der besten Hockeyspieler der Geschichte. Zweimal, 2008 und 2012, gewann er mit der deutschen Mannschaft die Goldmedaille, 2016 in Rio de Janeiro war es Bronze. Die Spiele in Tokio sollten der krönende Abschluss einer glanzvollen Karriere sein. Vielleicht wird es auch so kommen, aber dann erst 2021.

Olympia-Verschiebung: Gleicher Zeitplan, erschwerte Umstände

Sportschau 23.07.2020 03:01 Min. Verfügbar bis 23.07.2021 ARD Von Kathrin Erdmann

Etwa in den Stunden, in denen Hauke mit der Sportschau spricht, ist es noch genau ein Jahr bis zur Eröffnungsfeier 2021. So sieht es jedenfalls der Plan des Internationalen Olympischen Komitees vor. Sollte es die Corona-Pandemie erlauben, werden die Spiele vom 23. Juli bis 8. August 2021 in der japanischen Hauptstadt ausgetragen. Falls es in jenem Zeitraum nicht geht, werden sie ersatzlos gestrichen. Dieses Szenario beschäftigt Tobias Hauke noch. Was, wenn er die Strapazen der Dreifachbelastung - Familie, Beruf, Hochleistungssport - nochmal auf sich nimmt, aber Olympia ausfällt?

Wunsch nach weiterem Kind

Tobias Hauke ist Vater einer Tochter. Er überlegt vor allem auch wegen der Frage, ob er seine Frau noch ein weiteres Jahr mit der Erziehung "mehr oder weniger allein lassen" solle, wie er dem "Hamburger Abendblatt" sagte. Außerdem wünsche sich die Familie zumindest ein weiteres Kind.

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Seine Frau habe jedoch Verständnis, wenn er dieses eine Jahr noch dranhängen wolle, und seine Eltern sowieso: "Die haben mich als Kind zum Hockey gebracht und sind heiß auf einen Sommerurlaub in Tokio." Haukes Eltern führen ein Unternehmen, in dem der einzige Sohn von vier Kindern als Sales Director angestellt ist. Ab Januar 2021 sollte er in die Geschäftsführung aufrücken. Das würde bei einer Entscheidung für Olympia verschoben.

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Verschoben ist auch der Wunsch der Familie Rotter-Focken, ein Kind zu bekommen. Für Aline soll es aber vorher noch die erste Olympia-Medaille geben. Bei Weltmeisterschaften holte die Ringerin schon vier davon, 2014 sogar die goldene. Als Kontaktsport wegen der Corona-Verordnungen in Baden-Württemberg noch verboten war, genoss Rotter-Focken den Vorteil, mit ihrem Mann Jan trainieren zu dürfen. Vielleicht war auch das ein Grund dafür, dass sich die gebürtige Krefelderin schnell entschied, bis zu den Spielen in Tokio weiterzukämpfen.

Teilzeitarbeit der Frau ermöglicht Rauhe sechste Spiele

Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe hingegen grübelte. "Es hat lange gedauert, das für mich abzuwägen und einzuordnen. Aber jetzt ist es klar: Ich mache weiter", sagte der 38 Jahre alte Potsdamer. Somit könnte er nun doch noch seine bereits sechsten Olympischen Spiele erleben.

Das Wichtigste sei in den vergangenen Wochen seit der Olympia-Absage gewesen, zu regeln, dass sich seine Frau Fanny um die beiden kleinen Kinder kümmern kann und nicht Vollzeit arbeiten müsse, wenn er in den Trainingslagern weilt. Auch Sponsoren-Verträge wären in diesem Jahr ausgelaufen, weil er geplant hatte, nach den Spielen im August seine Laufbahn zu beenden. "Jetzt ist das alles geregelt", sagte Rauhe. Der Vertrag bei der Bundeswehr läuft weiter, und auch sein Hauptsponsor habe sein Engagement vorzeitig verlängert, berichtete der je 16-malige Welt- und Europameister.

Masterarbeit vorher fertig

Zunächst, so Kim Bui, sei die Verschiebung der Olympischen Spiele ein Schlag für sie gewesen. "Wie eine Schockstarre" habe sich das angefühlt, sagte die Turnerin dem SWR. Auch für sie sollte die Karriere nach dem Großereignis beendet sein.

Nun hängt sie ein Jahr dran und nutzt die Zeit der Vorbereitung auch, um ihre Masterarbeit zu schreiben. Bui forscht am Institut für Zellbiologie an neuen Formen der Krebstherapie. Nach einem erfolgreichen Abschluss habe sie dann wirklich den Kopf frei, um sich auf die Spiele zu konzentrieren.

mit dpa | Stand: 23.07.2020, 13:59

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