Olympia und EURO - Diskussionen halten an

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Corona-Pandemie

Olympia und EURO - Diskussionen halten an

Absage von Olympia? Die Fußball-Europameisterschaft in nur einer Stadt? Die Diskussionen um die beiden sportlichen Großereignisse halten an. Noch stehen die Veranstalter öffentlich zu ihren Plänen.

Die Olympischen und Paralympischen Spiele 2021 standen am Montagmorgen (18.01.2021) im japanischen Parlament ganz oben auf der Tagesordnung. Japans Premier Yoshihide Suga stellte zum Auftakt einer Parlamentssitzung klar, dass das Olympia-Fest wie geplant vom 23. Juli bis zum 8. August ausgerichtet werde. Man werde die Pandemie "so bald wie möglich" unter Kontrolle bringen und die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele und Paralympics fortsetzen, bekräftigte Suga. Die Spiele würden als Beweis dienen, "dass die Menschheit das Coronavirus besiegt hat".

Vier Tage nach der Debatte im Parlament meldete sich die japanische Regierung erneut zum Thema Olympia zu Wort. "Wir weisen den Bericht vollständig zurück", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Manabu Sakai am Freitag zu einem Beitrag in der englischen Zeitung "The Times".

Das Blatt hatte unter Berufung auf ein nicht näher genanntes Mitglied der japanischen Regierungskoalition berichtet, es bestehe Einigkeit darüber, dass die bereits um ein Jahr verschobenen Spiele zum Scheitern verurteilt seien und abgesagt werden müssten. Ziel sei es nun, eine gesichtswahrende Form zu finden, die Absage anzukündigen und sich die Option offen zu halten, zu einem späteren Zeitpunkt Olympia-Gastgeber zu sein. Die nächste Möglichkeit dafür wäre im Jahr 2032.

"Das ist absolut unwahr", wies auch das IOC den Bericht der "Times" zurück.

Olympia: Japan weist Medienbericht zurück

Sportschau 22.01.2021 02:11 Min. Verfügbar bis 22.01.2022 ARD


IOC und Tokio-Organisatoren entschlossen

Zum wiederholten Male sah sich die japanische Regierung veranlasst, ihre entschlossene Haltung zu demonstrieren, mit der sie voll auf der Linie von IOC-Chef Thomas Bach und dem lokalen Organisationschef und Ex-Premier Yoshiro Mori liegt.

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Die neue Ansage von Japans Regierungschef im Parlament war wohl auch deshalb nötig, weil mit Taro Kono in der vergangenen Woche ein Minister aus Sugas eigenem Kabinett erstmals öffentlich die planmäßige Ausrichtung der Sommerspiele infrage gestellt hatte. Die Regierung werde alles tun, damit die Spiele stattfinden. Aber nichts sei auszuschließen, sagte Kono mit Blick auf die weiterhin andauernde Corona-Pandemie. "Es kann am Ende in beide Richtungen gehen", sagte Kono und schloss damit auch die Möglichkeit einer endgültigen Absage von Olympia ein - eine deutliche Abkehr vom offiziellen Mantra, die Spiele seien sicher und nicht gefährdet.

Japans Minister Kono über die Olympischen Spiele: "Alles kann passieren" Sportschau 18.01.2021 00:25 Min. Verfügbar bis 18.01.2022 Das Erste

Mit seiner nicht mehr uneingeschränkt zuversichtlichen Haltung gegenüber den Spielen zielt der Verwaltungsminister Kono, der als parteiinterner Widersacher des Premiers mit eigenen Ansprüchen auf den Chefposten gilt, auch auf die Stimmung in der Bevölkerung: Die Mehrheit der Japaner steht dem Großereignis schon länger mehrheitlich skeptisch gegenüber. 80 Prozent sind nach den neuesten Umfrageergebnissen für eine Absage oder eine erneute Verschiebung der Spiele - letzteres wiederum haben die Organisatoren mehrfach ausgeschlossen.

Zuletzt verhängte die Regierung für den Großraum Tokio sowie weitere Präfekturen erneut den Notstand, weil die Zahlen der Corona-Neuinfektionen auf neue Höchstwerte gestiegen waren.

Als Reaktion darauf zogen die Organisatoren nun eine Eröffnungs- und Schlussfeier mit weniger Teilnehmern in Erwägung. Nach einem Bericht der Zeitung Yomiuri Shinbun rechnet das Internationale Olympische Komitee mit 6.000 Teilnehmern für die am 23. Juli geplante Eröffnung. 11.000 Sportlerinnen und Sportler werden insgesamt zu den Spielen erwartet, hinzu kommen Funktionäre, Volunteers und Medienvertreter.

IOC spielt auf Zeit

Japans Regierung hat Verträge mit mehreren Impfherstellern abgeschlossen, 60 Millionen der 126 Millionen Bürger sollen bis Ende Juni geimpft werden, so das Ziel der Regierung. IOC-Präsident Bach hat eine Impfpflicht für die Aktiven ausgeschlossen, glaubt aber weiter daran, dass zu den Spielen auch wieder Zuschauer zugelassen werden könnten. Zuletzt äußerte sich mit Richard Pound aber auch ein hochrangiges IOC-Mitglied skeptisch, ob die Spiele angesichts der weiterhin weltweit wütenden Pandemie und der neuen Virus-Mutation wie geplant stattfinden könnten. Das IOC spielt auf Zeit, bislang steht die eher vage Ankündigung, dass eine endgültige Entscheidung im Frühjahr fallen soll.

Doch bei den aktuellen Entwicklungen und dem Fortschritt der Impfungen übersteigt es im Moment einfach die Vorstellungskraft vieler, wie im Sommer tatsächlich in Tokio das größte Sportereignis stattfinden kann, mit Olympia-Touristen aus aller Welt. Verstärkt werden die Zweifel noch durch die aktuell stattfindenden Turniere: Die Handball-WM zum Beispiel, bei der sich ganze Mannschaften wegen eines außer Kontrolle geratenenen Infektionsgeschehens selbst aus dem Turnier nehmen. Oder die Australian Open, wo auch Testungen im Vorfeld und eine streng geregelte, dezentral organisierte Einreise mit eigens gebuchten Fliegern nicht verhindern konnten, dass es Positivfälle an Bord gab und 72 Tennisprofis nun in verschärfte Quarantäne gehen mussten, inklusive 14 Tage Trainingsverbot.

EURO 2020 - viele Szenarien

Dies rückt auch mehr und mehr das zweitgrößte Ereignis im Super-Sportjahr nach den Olympischen Spielen in den Fokus: die ebenfalls aus dem Vorjahr verschobene Fußball-Europameisterschaft. Offiziell hält die UEFA am Format einer paneuropäischen EM fest. Doch nicht nur SPD-Gesundheitsfachmann Karl Lauterbach, der sich in der Politik als größter Kritiker von Sportereignissen während der Pandemie positioniert hat, hält es für schwer vorstellbar, dass die EURO 2020 wie geplant in elf verschiedenen Ländern ausgetragen wird. Mit dem Schweizer Verbandschef Dominique Blanc sprach sich auch ein europäischer Funktionär für ein Turnier an einem Ort aus.

Nach einem Bericht von RTL/n-tv, der am Donnerstag (21.01.2021) ist das eines von vier möglichen Szenarien, das derzeit vom europäischen Verband UEFA diskutiert werde. So soll auch Nordrhein-Westfalen als Region im Gespräch sein, die allein das Turnier ausrichtet. Offiziell äußerte sich der Verband nicht zu den neuen Spekulationen. Die UEFA hält nach außen hin an dem Plan mit zwölf Stadien in zwölf Ländern fest.

Verschiebung der EURO kaum vorstellbar

Eine erneute Verschiebung erscheint schon wegen des strapazierten Rahmenterminplans schwer vorstellbar, nach der coronabedingten Spielpause des Vorjahres. Das vorrangige Interesse der Klubs ist es zudem, die nationalen Ligen zu Ende zu spielen. Sonst könnten auch die Europapokal-Wettbewerbe 2021/22 nicht zusammengestellt werden - und auf diese Einnahmen sind die Klubs besonders angewiesen, aber auch die UEFA als Veranstalter. Auch im kommenden Jahr gibt es kaum größere, freie Zeitfenster ohne Spiele. Der Spielkalender für 2022 ist schon jetzt komprimiert, wegen der Fußball-Weltmeisterschaft, die im Winter in Katar stattfinden soll. Dieses Problem allerdings hat sich der Fußball selbst eingebrockt.

red/sid/dpa | Stand: 22.01.2021, 08:38

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