Corona-Krise und US-Sport: Historischer April in Nordamerika

Das leere Golden 1 Center in Sacramento

No Sports wegen Corona

Corona-Krise und US-Sport: Historischer April in Nordamerika

Von Heiko Oldörp

Die Coronavirus-Pandemie hat die USA überrollt. Das wirkt sich auch auf den Sport aus. Ob Basketball, Eishockey, Baseball oder Soccer - überall sind die Hallen leer, die Arenen verwaist. Denn es gibt Wichtigeres. Vor allem in New York.

Der April gilt in Nordamerika als besonderer Monat. Der Winter ist endlich vorbei, der Frühling da - und der Sportkalender so prall gefüllt. Vom Finale der prestigeträchtigen College-Basketball-Meisterschaft, "March Madness", über die Playoffs in NBA und NHL, das Masters der Golfer in Augusta, den historischen Boston Marathon, die Talentebörse (Draft) in der National Football League, tägliche Spiele der Major League Baseball bis zu den Partien der Major League Soccer - den Fans erstreckt sich ein Schlaraffenland an Spannung, Spaß und Spektakel.

Einzige Hoffnung NFL-Draft

Doch wegen der Coronavirus-Pandemie bleiben diesmal die Hallen verschlossen, die Arenen verwaist und die Stars und Sternchen zu Hause. Dieser April 2020 ist ein historischer - erstmals seit 1883 wird es in den USA in diesem Monat keinen Profisport geben. Die einzige Hoffnung der Fans ist, dass zumindest der NFL-Draft vom 23. bis 25. April tatsächlich stattfindet.

Allerdings würde die Verteilung der Nachwuchstalente auf die 32 NFL-Klubs in Zeiten von Social Distancing nicht vor tausenden Zuschauern abgehalten werden, und die Spieler bekämen auch nicht von Liga-Commissioner Roger Goodell feierlich auf einer Bühne das Trikot ihres neuen Klubs überreicht. Diesmal wäre es eine virtuelle Veranstaltung, bei der die Spieler daheim per Livestream erfahren, ob ihr NFL-Traum in Erfüllung geht oder nicht. Doch ob die NFL tatsächlich am Termin festhalten kann, ist noch unklar. Denn der Höhepunkt der Pandemie wird in den USA erst in zwei bis drei Wochen erwartet.

Der US-Sport in der Corona-Krise

Sportschau 04.04.2020 03:27 Min. Verfügbar bis 04.04.2021 ARD Von Katrin Brand

1.169 Tote innerhalb von 24 Stunden

Bereits jetzt ist Amerika, mit New York als Epizentrum, von dem Virus überrollt worden. Von Mittwoch (01.04.2020) auf Donnerstag sind in einem Zeitraum von 24 Stunden nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 1.169 Menschen verstorben. Mittlerweile ist die Gesamtzahl der Toten auf mehr als 6.000 gestiegen. Bei knapp 250.000 war der Test auf Covid 19 positiv. Unter ihnen 14 Spieler von sieben NBA-Klubs. Der Bekannteste: Superstar Kevin Durant von den Brooklyn Nets. "Seid alle vorsichtig, passt auf euch auf, geht in Selbstquarantäne. Wir werden es schaffen", meinte Durant gegenüber "The Atlantic". Auch in der NHL haben sich Spieler mit dem Virus infiziert und in der NFL war New-Orleans-Saints-Trainer Sean Payton positiv getestet worden.

In Edmonton verfolgt Leon Draisaitl gespannt die täglichen Entwicklungen. Der deutsche Eishockeystar der Oilers war auf dem besten Weg, NHL-Topscorer zu werden. Er führt das Ranking nach 71 von 82 Vorrundenspielen mit 110 Punkten klar vor Teamkollege Connor McDavid (97) an - und galt auch als Favorit für die Auszeichnung zum "wertvollsten Spieler der Saison" (MVP). Ursprünglich hätten die Oilers ihre letzte Vorrundenpartie am Samstag bei den Calgary Flames spielen sollen. Doch seit dreieinhalb Wochen sitzt Draisaitl tatenlos daheim. "Wenn es einen Posterboy für den Einfluss von Covid-19 auf die NHL-Spieler gibt, könnte es Leon Draisaitl sein", schrieb die "Edmonton Sun" in dieser Woche.

Draisaitl: "Gibt derzeit Wichtigeres als Eishockey"

Draisaitl selbst sieht die Sache pragmatisch. "Wir wollen alle wieder Eishockey spielen. Aber derzeit gibt es in der Welt einfach wichtigere Dinge - und das müssen wir akzeptieren", meinte der Kölner vor wenigen Tagen in einem Video-Chat mit Journalisten. In der NHL gibt es Gerüchte, wonach die Liga erst im August ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen könnte. Die NBA hofft, im Juni wieder spielen zu können.

Doch es gibt auch Stimmen, die derartige Gedankenspiele angesichts der erschreckenden Zahlen und Szenarien vor allem in New York derzeit für komplett unangebracht halten. So meinte die Tageszeitung "Boston Globe", es sei Zeit, "für NBA und NHL die Spielzeiten abzusagen". Niemand in New York, so heißt es weiter, könne sich derzeit vorstellen, in "drei, vier oder fünf Wochen in eine volle U-Bahn zu steigen, zum Madison Square Garden zu fahren, um die Knicks oder Rangers spielen zu sehen".

In der Millionen-Metropole sind bereits etwas mehr als 2.500 Menschen am Coronavirus gestorben, mehr als 93.000 damit infiziert. Im Central Park, knapp zweieinhalb Kilometer vom Madison Square Garden entfernt, steht ein riesiges Notaufnahmelager. "Leute sterben", schrieb der "Boston Globe". "Genug. Nicht mehr. Stellt den Betrieb ein."

Stand: 03.04.2020, 14:21

Darstellung: