Olympic Combined - Der Weg zu den Olympischen Spielen

Sportkletterer Yannik Flohe

Olympia 2020 in Tokio

Olympic Combined - Der Weg zu den Olympischen Spielen

Von Jakob Halbfas

Sportklettern ist bei den Olympischen Spielen 2020 das erste Mal olympisch. Aus den Einzeldisziplinen Speed, Bouldern und Lead wird Olympic Combined, eine Kombination, die eigens für Olympia entwickelt wurde. Der Deutsche Alexander Megos konnte sich bereits beim ersten von drei möglichen Qualifikationsturnieren für Tokio qualifizieren.

Sportklettern ist endgültig im Leistungssport angekommen. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio kämpfen 20 Männer und 20 Frauen erstmals um olympische Medaillien. Aus den Einzel-Disziplinen Speedklettern, Bouldern und Lead entstand die Mehrkampfsportart Olympic Combined. Sportschau.de stellt die drei Einzel-Disziplinen kurz vor.

Speed

Speedklettern

Speedklettern

Beim Speedklettern entscheidet alleine die Schnelligkeit über Sieg oder Niederlage. An einer standardisierten Speedwand mit einer festen Abfolge von Griffen müssen die Athleten in zwei direkten Duellen so schnell wie möglich einen Buzzer, der am Ende der Route angebracht ist, auslösen. Die Zeit der beiden Durchgänge wird addiert - der Sieger ist eine Runde weiter. Beim Speedklettern ist vor allem Schnell- und Maximalkraft sowie eine hohe Greif- und Trittpräzision erforderlich. Dank der genormten Route sind somit auch Bestleistungen möglich. Den deutschen Rekord hält Jan Hojer mit 6,671 Sekunden.

Bouldern

Wenn vom ungesicherten Klettern in Absprunghöhe die Rede ist, spricht man vom Bouldern. Die Sportler müssen sogenannte Boulderprobleme lösen. Dabei befinden sich die Kletterer oftmals mit dem Rücken zum Boden - eine gute Körperbeherrschung und ausgeprägte Beweglichkeit sind beim Bouldern wichtig.

Sportklettern: Yannick Flohé will nach WM-Bronze zu Olympia Sportschau 15.08.2019 06:25 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 Das Erste

Lead

Die bekannteste und zugleich die älteste Disziplin im Sportklettern ist Lead- oder auch Schwierigkeits-Klettern. Die Sportler klettern, durch ein Seil gesichert, an 10 bis 20 Meter hohen Kunstwänden. Die Route ist den Kletterern vorher nicht bekannt. Ziel ist es, die Wand innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits möglichst sturzfrei zu bewältigen. Beim Lead sind vor allem Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer sowie technische und taktische Fähigkeiten gefordert.

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Megos schon qualifiziert

Sportklettern wird nicht nur international, sondern auch in Deutschland immer populärer und beliebter. Mit Yannik Flohé, Jan Hojer und Alexander Megos kämpfen drei deutsche Kletterer um das Ticket für Olympia. Megos konnte sich diesen Traum bereits erfüllen - bei der WM in Japan, schaffte es der 26-Jährige in die Finalrunde des Olympic-Combined-Wettbewerbs und qualifizierte sich somit direkt für Olympia 2020. In der Finalrunde musste Megos allerdings verletzungsbedingt aufgeben

Der Weg nach Tokio

18 der 20 Startplätze für Olympia werden bei insgesamt drei Qualifikationsturnieren vergeben. Dabei dürfen maximal zwei Athleten aus einer Nation an den Start gehen. Gastgeberland Japan darf zusätzlich einen Kletterer nominieren. Um die Vielfalt zu fördern, vergibt zudem das IOC einen Startplatz.

Die ersten sieben der 18 Startplätze, die sportlich verteilt werden, erhalten die besten sieben Kletterer der Finalrunde bei der WM in Japan (21.08.2019). Da aber unter den acht Finalisten vier Japaner standen und jede Nation nur zwei Teilnehmer zu Olympia schicken darf, erhalten die Plätze neun und zehn ebenfalls einen der begehrten Olympiaplätze. Somit verpasste der elftplazierte Yannick Flohé nur hauchzart die direkte Qualifikation.

Für Flohé ist vor allem die neue mediale Aufmerksamkeit eine ganz neue Erfahrung: "Durch die olympische Teilnahme der Sportart haben wir viel mehr Möglichkeiten. Wir haben zwei festangestellte Trainer und größere finanzielle Möglichkeiten. Auch in den Medien wird der Sport viel mehr wahrgenommen. Zeitungsinterviews oder ähnliches gab es vorher gar nicht, weil niemand auf dem Schirm hatte, dass es ein cooler Sport ist", sagte der 19-Jährige, der bei der WM in Japan überraschend Bronze im Bouldern gewann.

Nächste Chance im November

Für Flohé und seinen deutschen Teamkollegen Hojer, der den Olympic Combined-Wettbewerb im japanischen Hachioji auf Rang 17 beendete, gibt es im November bei einem Qualifikationsturnier in Toulouse die nächste Chance. Dann werden weitere sechs Startplätze für Olympia vergeben. Auch 2020 werden bei fünf Kontinentalmeisterschaften noch einmal insgesamt fünf Tickets für Tokio vergeben.

Nicht alle sind begeistert

Dass bei Olympia die drei Einzeldisziplinen in einem Wettbewerb ausgetragen werden, wird von einigen Kletterern kritisiert. So fordert der Tscheche Adam Ondra, einer der weltbesten Fels- und Indoor-Kletterer, olympische Wettbewerbe in allen drei Einzeldisziplinen. Laut Ondra sei sei das aktuelle olympische Wettkampfformat zu lang und kompliziert: "Das dauert ja bis zu dreieinhalb Stunden."

Bereits bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris könnte es zu einer entscheidenden Änderung kommen: Neben dem Olympic Combined in einer neuen Form, nur bestehend aus Lead und Bouldern, könnte Speed als eigene Disziplin ausgetragen werden.

Stand: 21.08.2019, 16:43

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