Kletter-WM macht Mut für Olympische Spiele

Jan Hojer

Kletter-WM

Kletter-WM macht Mut für Olympische Spiele

Zwei WM-Medaillen, eine davon in der für die Sommerspiele entscheidenden Disziplin Olympic Combined: Auf dem Weg nach Tokio 2020 sind die Aussichten für die deutschen Kletterer sehr gut.

Für eine Party nach der historischen Bronzemedaille war Jan Hojer viel zu kaputt. "Ich bin einfach nur platt und will ins Bett", sagte der deutsche Kletterer am Sonntagabend (16.09.2018). Seinen dritten Platz im letzten Wettkampf der Weltmeisterschaft in Innsbruck wird er in den nächsten Tagen mit Freunden nachfeiern.

Dazu hat er allen Grund: Hojer und zuvor Alexander Megos bescherten dem Deutschen Alpenverein nicht nur erstmals in der Historie zwei Männer-Medaillen bei einer WM. Vor allem Hojers Erfolg im Format Olympic Combined lässt das Team auf Tokio 2020 hinfiebern. "Das war ein tolles Zeichen", resümierte Bundestrainer Urs Stöcker glücklich.

Bei Tokio 2020 sind Allrounder gefragt

Weil die Kletterer bei ihrer Olympia-Premiere in knapp zwei Jahren nur im neu geschaffenen Mehrkampf aus den Disziplinen Lead, Bouldern und Speed Medaillen erringen können, sind Allrounder gefragt. Darauf trainiert Hojer, ein Boulder-Spezialist, seit dieser Saison intensiv hin. "Für mich ist das die Bestätigung, dass ich nichts falsch gemacht habe", sagte der 26-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Hojer hatte zwar in den Einzelwettkämpfen die Finale verpasst, in der Kombination der Resultate aber holte er einen von sechs Startplätzen für das Olympic Combined. Dort legte er als Schnellster im Speed den Grundstein für die Medaille, mit einem vierten Rang im Bouldern und trotz der schwächsten Vorstellung aller Finalisten im Lead reichte es für Edelmetall - Hojers zweites nach WM-Bronze im Bouldern 2014. Gold ging an den Österreicher Jakob Schubert vor Adam Ondra aus Tschechien. "Wir haben uns bei Jan klar auf das Combined eingeschossen", sagte Coach Stöcker. "Es ist hocherfreulich, dass es so aufgegangen ist."

Der richtige Trainingsmix als Schlüssel

Bis in knapp einem Jahr, wenn bei der WM in Tokio die ersten Tickets für Olympia vergeben werden, müssen die Kletter-Asse den richtigen Trainingsmix finden: Die vermeintlich schwächeren Disziplinen stärken, zugleich aber in den Parade-Kletterarten nicht nachlassen. Der Erlanger Alex Megos, WM-Dritter im Lead, muss etwa im Speed deutlich schneller und im Bouldern stabiler werden, forderte Stöcker.

Und auch an der Fitness gilt es zu arbeiten. Alle sechs Mehrkampf-Starter waren nach mehr als einer Woche WM extrem erschöpft, das war eine zentrale Erkenntnis am Sonntag. "Wer im Olympic Combined bestehen will, muss eine unglaubliche Substanz mitbringen, nicht nur körperlich, auch mental", sagte der Bundestrainer.

Wie das geht, hat Hojer gezeigt, der im Hinblick auf 2020 meinte: "Jetzt muss ich das nur noch wiederholen."

sid/dpa | Stand: 17.09.2018, 10:02

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