Europaspiele in Weißrussland - Fairplay als Floskel

Europaspiele in Weißrussland - Fairplay als Floskel Sportschau 21.06.2019 02:09 Min. Verfügbar bis 21.06.2020 Das Erste

Kommentar

Europaspiele in Weißrussland - Fairplay als Floskel

Von Robert Kempe

Die Europaspiele in Weißrussland zeigen einmal mehr, dass die vom Sport so oft benutzten Worte von Fairplay, Zusammenhalt und Humanität nichts weiter als Floskeln sind. Ein Kommentar von Robert Kempe.

Europaspiele. Deren sportlichen Wert zweifeln Athleten und Trainer aktuell selbst an. Und für das Europäische Olympische Komitee sind sie ohnehin ein Ladenhüter. Zu unlukrativ und zu teuer. Keine Stadt wollte die Spiele ausrichten. Einzig Minsk bot sich an. Die zweiten Europaspiele finden nun in Weißrussland statt. Die Spiele - einzig anziehend für Autokraten.

Imagepflege durch Sport

Gastgeber ist Präsident Alexander Lukaschenko. Dem wurde vor Jahren der Beiname "letzter Diktator Europas" verpasst. Weißrussland regiert er mit harter Hand. Es gibt weder Presse- noch Meinungs- noch Versammlungsfreiheit. Die Opposition wird massiv unterdrückt. Weißrussland - das einzige Land in Europa, in dem noch die Todesstrafe verhängt wird. Die Organisatoren in Minsk machen keinen Hehl daraus, dass es ihnen vor allem um eins geht: ein besseres Image. Und: Europas Sport ist in der Rolle des willfährigen Helfers geübt.

Erinnern wir uns: Als vor vier Jahren bei der Eröffnungsveranstaltung der ersten europäischen Spiele in Aserbaidschans Hauptstadt Baku Lady Gaga sang, lauschte auf der Ehrentribüne unter anderem IOC-Präsident Thomas Bach. Gleichzeitig saßen an die 100 politische Gefangene in Aserbaidschans Kerkern. Manche festgenommen nach Kritik an eben jenen Europaspielen, denen der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach fröhlich beiwohnte. Der Sport lässt sich bei seiner Sause ungern stören.

DOSB stellt sich nicht dagegen

Und auch in Weißrussland hat man das Spiel mit dem Sport verstanden. Staatspräsident Alexander Lukaschenko, der als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees auch zur Sportfamilie gehört, setzt auf schöne Bilder und Fotos mit Medaillengewinnern. Auf den schweigenden Sport kann er sich verlassen.

Auch auf den Deutschen Olympischen Sportbund, der die Spiele zwar jetzt als alternativlos bezeichnet, sich bei der Vergabe damals aber auch nicht dagegen stellte. Die Spiele in Minsk zeigen einmal mehr, dass die vom Sport so oft benutzten Worte von Fairplay, Zusammenhalt und Humanität nichts weiter als Floskeln sind.

Stand: 21.06.2019, 15:22

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