Anti-Doping-Kampf: Alternativen in Coronazeiten gesucht

Dopingkontrolle bei einem Fußballspiel

Anti-Doping-Kampf: Alternativen in Coronazeiten gesucht

Die nationale Anti-Doping-Agentur NADA will die Arbeit in Zeiten der Coronavirus-Pandemie so gut es geht fortsetzen. Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA will die sauberen Athleten schützen. Aber wie?

Die NADA arbeitet derzeit unter anderem an Alternativen zur klassischen Blut- und Urinkontrolle unter unmittelbarer persönlicher Aufsicht. Die Agentur geht davon aus, diese "zeitnah" anbieten zu können, heißt es in einer Mitteilung vom Montag (23.03.2020). Dazu würden bereits initiierte Forschungsprojekte verstärkt vorangetrieben.

Athletinnen und Athleten sollen daher auch weiterhin ihren Aufenthaltsort angeben. Workshops zum Thema Prävention fänden nun online statt. Sonstige Aktivitäten wie Ermittlungen und laufende Dopingverfahren würden wie gewohnt fortgesetzt.

WADA ändert Richtlinien

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte schon am Samstag (21.03.2020) mitgeteilt, trotz der Coronavirus-Pandemie die sauberen Athleten so gut es geht zu schützen. Aus diesem Grund hat die WADA ihre Richtlinien der Ausnahmesituation angepasst.

 Witold Banka während einer WADA-Konferenz

WADA-Präsident Witold Banka

"Die WADA wird weiterhin mit den Anti-Doping-Organisationen zusammenarbeiten und Führung und Unterstützung bieten, damit die die Integrität des Anti-Doping-Systems so weit wie möglich gewahrt werden kann", sagte WADA-Präsident Witold Banka. "Es wird entscheidend sein, dass das System so schnell wie möglich wieder seine volle Leistungsfähigkeit erlangen kann, sobald die Beschränkungen aufgehoben sind."

Noch nie dagewesene Situation

Die Sportwelt sei mit einer noch nie da gewesenen Situation konfrontiert. "Covid-19 hat alle Akteure im Bereich der Dopingbekämpfung, einschließlich der WADA, gezwungen, die Art und Weise, wie die tägliche Arbeit durchgeführt wird, anzupassen", sagte der Pole. "Aber diese Angelegenheit geht weit über die Dopingbekämpfung und den Sport hinaus - es handelt sich um einen globalen Notstand - und unsere erste Priorität muss die öffentliche Gesundheit, Sicherheit und soziale Verantwortung sein."

Die Zeit der "schwarzen Schafe"?

Um den sauberen Sport sorgt sich beispielsweise der zweimalige Ironman-Weltmeister Patrick Lange. "Mich würde mal interessieren, wie es mit den Dopingkontrollen weitergeht? Die Grenzen werden geschlossen, wir werden sozial isoliert. Ich habe auch Angst, dass schwarzen Schafen jetzt Tür und Tor geöffnet ist", sagte der 33 Jahre alte Hesse in einem Interview der "Frankfurter Rundschau". Das sei zwar ein sportspezifisches Problem, aber ansprechen wolle er es: Denn auch die Kontrolleure könnten nicht reisen.

Lange: Kontrollprogramm deutlich heruntergefahren

In Österreich, wo der gebürtige Bad Wildunger Lange sein einiger Zeit lebt (Salzburg), gibt es ebenfalls Einschränkungen: "Das Dopingkontrollprogramm wurde deutlich heruntergefahren und fokussiert auf hohes Dopingrisiko beziehungsweise entsprechende Verdachtslagen." Langes Befürchtung: "Es könnte Sportler geben, die sich diese Situation mit Betrug zunutze machen könnten. Ich habe mir kürzlich beim Radfahren vorgestellt, dass der komplette Leistungssport gerade ohne Kontrollen dasteht."

Dopingtests nur dort, wo es angemessen und möglich ist

Die aktualisierte Richtlinien decken laut WADA eine Reihe von Bereichen ab, die von der Coronakrise betroffen sein können. Dazu gehören die Bereitstellung von Informationen über die Erreichbarkeit der Athleten für Kontrollen, die Entnahme von Proben und deren Transport zu den Labors, die Analyse oder das Ergebnismanagement. Die WADA wolle aber noch auf spezifische Bedenken von Athleten eingehen und dazu in der nächsten Woche Stellung beziehen, hieß es in der Mitteilung.

Umfangreiche Behinderungen

Die strengen Maßnahmen, die die meisten Länder gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergreifen, wirkten sich auch auf das Anti-Doping-System aus. Grenzschließungen, obligatorische Quarantänen oder Isolationen, Flugstreichungen, Einschränkungen der sozialen Bewegungen, Büroschließungen und die Absage von Sportveranstaltungen behinderten die Arbeit der an der Dopingbekämpfung Beteiligten. Deshalb werden laut WADA die Dopingtests nur dort fortgesetzt werden, wo es angemessen und möglich sei, hieß es.

dpa/red | Stand: 23.03.2020, 17:45

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