Mögliche Rückkehr von Fans - Signale und Mahnungen

Anzeigetafel im Berliner Olympiastadion

Coronavirus-Pandemie

Mögliche Rückkehr von Fans - Signale und Mahnungen

Der deutsche Profifußball sieht positive Signale, andere Sportarten mahnen nach den Beschlüssen der Politik an, dass die Vorgaben zu schwammig seien.

Ab wann? Wie viele? Nur draußen? Unter welchen Bedingungen? Es gibt weiter viele offene Fragen, wenn es um die Rückkehr von Zuschauern im deutschen Profisport geht.

"Natürlich steht die Gesundheit weiter über allem. Aber es wäre schon wichtig, dass allmählich mal verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, mit denen man planen kann", sagte Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga am Freitag (28.08.2020).

Einen Tag zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit den Regierungschefs der Länder das weitere Vorgehen zur "Bekämpfung der SARS-Cov2-Pandemie" beschlossen.

"Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, sollen mindestens bis Ende Dezember 2020 nicht stattfinden", heißt es darin. Neu dabei ist lediglich der Zeitraum, denn diese Regelung galt bislang bis zum 31. Oktober.

Theoretisch wären also schon etwa zum geplanten Start der Fußball-Bundesliga am 18. September wieder Fans in den Stadien möglich. Allerdings hatten sich die Gesundheitsminister aus Bund und Ländern dagegen ausgesprochen, vor dem 1. November Zuschauer zuzulassen.

Explizit sehen die neuen Beschlüsse nicht vor, dass zumindest in den letzten beiden Monaten des Jahres wieder Fans in die Stadien und Hallen dürfen. Hoffnung macht etwa Hans-Joachim Watzke, dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund, aber ein weiterer Satz in den Beschlüssen: "Zum einheitlichen Umgang mit Zuschauern bei bundesweiten Sportveranstaltungen wird eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien eingesetzt, die bis Ende Oktober einen Vorschlag vorlegen soll."

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Dies wertet Watzke als "klares Signal von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten", sagte er der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: "Meiner Meinung nach sind die Beschlüsse ein Zeichen der Politik, dass man ab Anfang November mit Zuschauern spielen möchte."

Auch bei Lokalrivale Schalke 04 ist man weiterhin optimistisch, bald wieder Fans im Stadion begrüßen zu können. "Es hängt zwar insgesamt an den Infektionszahlen, aber ich glaube die Bundesliga hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie sehr sorgfältig mit dem Thema umgeht", so Sportvorstand Jochen Schneider.

S04-Sportvorstand Schneider: "Tun alles für die Rückkehr der Zuschauer" Sportschau 28.08.2020 00:29 Min. Verfügbar bis 28.08.2021 Das Erste

Schon Mitte Juli veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) einen "Leitfaden für die Konzepterstellung zwecks Wiederzulassung von Stadionbesuchern". Am 26. August gaben DFL und Deutscher Fußball-Bund (DFB) dann die überarbeitete Version des sogenannten Hygienekonzeptes heraus.

Die Konzepte der Fußballverbände wurden von der Politik ausdrücklich gelobt, sehen sie doch auch vor, dass Eintrittskarten personalisiert werden sollen, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Aus aktiven Fanszenen gibt es kritische Stimmen, denn in ihnen wird befürchtet, dass diese Regelung die Corona-Pandemie überdauert. Das neue Bündnis "Unser Fußball", das ausdrücklich für alle Fans offen sein will, möchte sich zu diesem Knackpunkt nicht äußern. Die Meinungen innerhalb des Zusammenschlusses seien zu divers, daher könne sich "Unser Fußball" nicht auf eine gemeinsame Sprachregelung einigen und enthalte sich daher des Themas, sagte ein Sprecher der Sportschau.

"Wünschen eine größere Verlässlichkeit

Der Fußball ist dank seiner Konzepte weiter als andere Sportarten, die noch daran arbeiten, die von der Politik geforderten Bedingungen zu schaffen. Wie Stefan Holz für den Basketball, äußerte auch Frank Bohmann als Geschäftsführer der Handball-Bundesliga Kritik an den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz: "Wenn wir ständig neue Rahmenbedingungen bekommen, dann arbeiten wir ins Leere hinein. Da würde ich mir eine andere Kommunikation wünschen und dass wir auch eine größere Verlässlichkeit bekommen."

HBL-Präsident Schwenker will an Saisonstart-Termin festhalten

Sportschau 27.08.2020 00:39 Min. Verfügbar bis 27.08.2021 ARD


Die Handball-Bundesliga plant ihren Saisonstart für den 1. Oktober. Es ist daher sehr zweifelhaft, ob Zuschauer in den Hallen sein werden, wenn der Arbeitskreis der Staatskanzleien erst "bis Ende Oktober" einen Vorschlag zur einheitlichen Regelung unterbreiten soll.

DEL begrüßt Arbeitskreis

Erst am 13. November will die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) in ihre neue Saison starten. Sie arbeitet derzeit an einem detaillierten Hygienekonzept. In einer Mitteilung "begrüßt" der Verband den Arbeitskreis, mahnt gleichzeitig aber an: "Von immenser Wichtigkeit wird es dabei sein, dass klar reguliert wird, wie sich kleine, mittlere und große Sportveranstaltungen definieren und auf dieser Basis eine klare Perspektive zu erarbeiten, die absolut dringend notwendig ist."

Corona und Eishockey - wie gefährdet ist die Zukunft der DEL? Sportschau 26.08.2020 17:09 Min. Verfügbar bis 26.08.2021 Das Erste

Dass es gerade für die Sportarten, die ihre Einnahmen hauptsächlich durch den Verkauf von Eintrittskarten generieren, wichtig sei, schnell wieder vor Zuschauern zu spielen, unterstrich auch Alfons Hörmann. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sagte, dass "jede Verlängerung der Einschränkungen im Sport eine wachsende Gefahr für Vereine, Verbände, Ligen sowie Veranstalter und damit für die Vielfalt von ganz Sportdeutschland darstellt".

red/dpa/sid | Stand: 28.08.2020, 12:30

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