Darts-EM - Hopp wird vom Talent zum Konkurrenten

Max Hopp

Darts-EM - Hopp wird vom Talent zum Konkurrenten

Mit dem Halbfinaleinzug bei der Darts-EM in Dortmund hat Max Hopp seinen Reifeprozess eindrucksvoll unterstrichen.

Nach drei vergebenen Matchdarts weinte Max Hopp am Sonntagabend (28.10.2018) bittere Tränen der Enttäuschung. Zu diesem Zeitpunkt realisierte der 22-Jährige noch nicht, dass er mit seinem Halbfinaleinzug bei der Europameisterschaft ein weiteres Kapitel deutscher Darts-Geschichte geschrieben hatte. "Ich hatte drei Darts in der Hand, 40 Punkte Rest, ich muss das Match einfach für mich entscheiden", sagte der Idsteiner mit zittriger Stimme.

Potenzial abgerufen

Das gesamte Wochenende über hatte Hopp in der Dortmunder Westfalenhalle sein Potenzial abrufen können, ehe ihm im Halbfinale gegen den Engländer und späteren Turniersieger James Wade die acht Millimeter große Doppel 20 zum Verhängnis wurde. Acht Millimeter, die den ersten deutschen Halbfinalteilnehmer eines Majorturniers der Professional Darts Corporation (PDC) vom Finaleinzug und dem ganz großen Wurf trennten. "Ich habe mental den Fokus verloren, James ist einfach ruhig geblieben. Vielleicht war ich im Kopf einen Schritt zu weit", erklärte Hopp, der für sein junges Alter ein gesundes Maß Selbsteinschätzung an den Tag legt.

Noch im Moment der Trauer wichen die Tränen dem Gedanken daran, was er bei den European Darts Championship (EDC) Sensationelles für den deutschen Dartssport geleistet hatte. "Wenn ich morgen aufwache, werde ich anders über das Turnier denken. Ich habe mich selbst in eine gute Position für die Zukunft gebracht", meinte Hopp. Darauf hoffen die deutschen Dartsfans seit Jahren. Der ganz große Durchbruch wollte dem "Maximiser" zuletzt nie gelingen, in Fachkreisen war der große Hoffnungsträger als Talent verschrien, das über diesen Status nicht hinauskam.

Angetrieben vom Publikum

Dies hat sich im Verlauf des Jahres geändert. Aus dem ewigen Talent wird ein ernstzunehmender Konkurrent, der es mit der Weltspitze des Sports aufnehmen kann. "Ich bin sehr selbstbewusst und kann mithalten, wenn ich meine Form abrufe", sagte Hopp mit entschlossenem Blick. Schon im April hatte er mit dem Turniersieg bei den German Darts Open in Göttingen, dem ersten eines deutschen Profis bei der PDC überhaupt, bewiesen, dass ihn ein guter Lauf durch ein gesamtes Turnier tragen kann. So war es auch in Dortmund.

Bis zu den schmerzhaftesten drei Fehlwürfen seiner Karriere überzeugte Hopp mit soliden Checkouts und hohen Finishes. Angetrieben wurde er dabei stets vom enthusiastischen Dortmunder Publikum, das jedoch nicht nur mit grandioser Stimmung glänzte, sondern auch immer wieder durch unfaire Pfiffe gegen Gegner deutscher Starter auffiel. Dieses für den Dartssport untypische Verhalten zog sich durch die gesamten vier Turniertage, erst zum Halbfinale wurde es besser. "Die Zuschauer waren trotzdem klasse. Sie spielen eine große Rolle, dass ich so weit gekommen bin", sagte Hopp.

Nächstes Ziel WM

Er wird sich vor allem an die bis zu 7.000 grölenden Kehlen pro Session erinnern, die voller Inbrunst und Leidenschaft seinen Namen sangen. Der deutsche Darts-Sport wartet noch immer auf große Erfolge und den endgültigen Durchbruch eines Spielers. Große Titel gehen regelmäßig nach England, Schottland, Australien oder in die Niederlande. Die Sehnsucht der Fans nach Trophäen ist groß, nach Hopps Aus und während des Endspiels war am Sonntagabend von den tausenden Fans jedenfalls kaum noch etwas zu hören. Ob der Engländer Wade oder der Australier Simon Whitlock gewinnt, das schien dann auch schon egal.

"Ich will mein Bühnenspiel noch verbessern. Ich glaube, da geht noch viel, viel mehr", gab Hopp als Ziel aus. Seine nächste Aufgabe ist, erstmals unter die besten 32 der Weltrangliste zu springen, am besten recht bald. Dann wäre er bei der WM in London (ab 13. Dezember) gesetzt - und könnte Top-Gegner wie Europameister Wade in seinem  Auftaktmatch meiden.

sid/dpa | Stand: 29.10.2018, 12:33

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