Hilfe für die Profi-Klubs lässt Fragen offen

Eulen-Geschäftsführerin Lisa Heßler - "das schwierigste Spiel aller Zeiten" Sportschau 04.06.2020 04:41 Min. Verfügbar bis 04.06.2021 Das Erste

Konjunkturpaket der Bundesregierung für den Sport

Hilfe für die Profi-Klubs lässt Fragen offen

Von Jörg Strohschein

Das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket sieht auch Hilfen für Profisport-Vereine außerhalb des Fußballs vor. Der Umgang damit scheint Vereinen und Verbänden nicht ganz klar zu sein. Vor allem aber hätten sie sich eine Perspektive der Politik für das zweite Halbjahr gewünscht.

"Wir sind natürlich für jede Hilfe dankbar. Das ist auch unabdingbar, wir sind darauf angewiesen, um unsere Aufgaben, auch bei sozialen Aspekten, nachkommen zu können", sagt Lisa Hessler der Sportschau. Die Geschäftsführerin des Handball-Bundesligisten "Die Eulen Ludwigshafen" freut sich grundsätzlich über das Hilfspaket für den Sport, dass der Koalitionsausschuss im Bundestag am Mittwochabend (03.06.2020) beschlossen und Bundeskanzlerin Angela Merkel daraufhin verkündet hat.

Unter Punkt 13 heißt es dort: Zur "Sicherung der Existenz von kleinen und mittelständischen Unternehmen wird für Corona-bedingten Umsatzausfall ein Programm für Überbrückungshilfen aufgelegt. Das Volumen des Programms wird auf maximal 25 Milliarden Euro festgelegt. Die Überbrückungshilfe wird für die Monate Juni bis August gewährt. Die Überbrückungshilfe gilt branchenübergreifend, wobei den Besonderheiten der besonders betroffenen Branchen wie (...) Profisportvereinen der unteren Ligen (...) angemessen Rechnung zu tragen ist."

Lisa Hessler vertritt den Handball-Bundesligisten mit dem geringsten Etat der Liga (unter zwei Millionen Euro). Da können auch eher kleinere Finanzspritzen in schwierigen Corona-Zeiten weiterhelfen.

Liquidität bis zum 30. Juni gesichert

Die Hilfen sind allerdings an konkrete Voraussetzungen gebunden: "Antragsberechtigt sind Unternehmen, deren Umsätze Corona-bedingt in April und Mai 2020 um mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 rückgängig gewesen sind und deren Umsatzrückgänge in den Monaten Juni bis August 2020 um mindestens 50 Prozent fortdauern. Erstattet werden bis zu 50 Prozent der fixen Betriebskosten bei einem Umsatzrückgang von mindestens 50 Prozent gegenüber Vorjahresmonat. Bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent können bis zu 80 Prozent der fixen Betriebskosten erstattet werden. Der maximale Erstattungsbetrag beträgt 150.000 Euro für drei Monate."

Die Liquidität der "Die Eulen Ludwigshafen" sei auch ohne diese Hilfen bis zum 30. Juni gesichert. "Aber wir können ja noch gar nicht überblicken, was wir ab dem 1. Juli wieder benötigen. Das ist für uns die entscheidende Frage", so Hessler. Allerdings sei man es bei den Ludwigshafenern Handballer seit vielen Jahren zumindest sportlich gewohnt, unter Druck und mit dem Rücken zur Wand zu stehen, sagt Hessler.

Warten auf den Sportausschuss

Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga Gernot Tripcke

Für Gernot Tripcke, Geschäftsfüher der Deutschen Eishockey Liga (DEL), ist "jede Hilfe gut. Aber wir spielen derzeit gar nicht, deshalb ist ein Vergleich für uns schwer möglich." Allerdings sei die Beschreibung im Beschluss "Profisportvereine der unteren Ligen" noch erklärungsbedürftig. "Auf den ersten Blick ist das gar nicht an uns adressiert. Ich hoffe, dass man auf der Arbeitsebene noch eine Lösung dafür findet", sagt Tripcke.

Vor allem aber hätte sich der DEL-Geschäftsführer vielmehr eine perspektivische Aussage gewünscht. "Wir haben im Sportausschuss in Berlin ein Papier vorgelegt, das auch eine breite Unterstützung dort gefunden hat. Wir sehen damit Eishockey, Basketball, Handball, Volleyball auf dem richtigen Weg. Uns geht es vor allem darum, eine Basis für die nächste Saison zu schaffen", so Tripcke. Für die Eishockeyklubs, deren Geschäftsjahr am 1.Mai beginnt und die im Durchschnitt einem Etat von acht bis zehn Millionen Euro für eine Saison vorhalten, sind 150.000 Euro Maximal-Hilfen für drei Monate eher ein kleinerer Betrag.

Barthel: "Politik kämpft an vielen Fronten"

"Es ist wichtig, dass neben Fußball auch über andere Sportarten geredet wird. Dafür machen wir uns stark“, sagt Björn Barthel. Der Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten TSV Bayer Dormagen ist der Initiator der Allianz "Teamsport NRW", der sich 20 Vereine aus unterschiedlichen Sportarten angeschlossen haben und die sich für die Zukunftsfähigkeit der Klubs einsetzt. Für sein Arbeitsumfeld wäre der Maximalbetrag von 150.000 Euro Hilfen für drei Monate eine deutliche Entlastung. "Für jeden meiner Kollegen ist eine finanzielle Unterstützung hilfreich", sagt der Geschäftsführer.

Allerdings stellen sich für ihn auch noch konkrete Abrechnungsfragen, weil gerade in den kommenden Monaten eigentlich Sponsorengelder für die kommende Saison eingehen würden. "Da ist die Frage, wie die Berechnung und Antragstellung aussehen wird", so Barthel. "Ich hätte mir vielleicht auch eine perspektivische Antwort erwartet, auch wenn ich weiß, dass niemand in die Zukunft schauen kann. Aber die richtigen Probleme werden vermutlich erst im zweiten Halbjahr aufkommen", so Barthel. "Die Politik kämpft derzeit an vielen wichtigen Fronten und muss versuchen, es allen recht zu machen. Das ist sehr schwer. Natürlich möchten auch wir im Blickpunkt bleiben."

Breitensportvereine bleiben außen vor

Für die großen Breitensportvereine scheinen die beschlossenen Hilfen keine Relevanz zu haben. "Wenn einer der rund 90.000 Vereine im Deutschen Olympischen Sportbund einen Umsatzrückgang von 50 Prozent haben würde, könnte der sofort Insolvenz anmelden", sagt Boris Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Freiburger Kreises, der größte Kooperation von Sportvereinen auf Bundesebene.

"Uns wurde unter anderem mit der Kurzarbeiter-Regelung sehr geholfen", sagt Schmidt. Allerdings kämen "in der zweiten Jahreshälfte die größten Probleme auf die Vereine zu, da es in einigen Fällen immer schwerer vermittelbar wird, die strengen Hygienemaßnahmen einzuhalten, wenn an anderen Stellen diese keine oder nur noch eine sehr geringe Rolle spielen", so Schmidt, der deshalb eine Welle von Kündigungen der Mitgliedschaft erwartet. Er fordert: "Auf Länder und Bundesebene muss für die Breitensportvereine nachgesteuert werden."

Stand: 04.06.2020, 17:27

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