Sportler auf Europatour - fliegen wie die Fußballer

Julia Behnke (R) von FTC-Rail Cargo in Aktion gegen Nora Moerk von Vipers Kristiansand in Budapest

Europapokal in der Corona-Pandemie

Sportler auf Europatour - fliegen wie die Fußballer

Von Marcus Bark

Der Fußball erntet viel Kritik für seine Reisen quer durch Europa, um die internationalen Wettbewerbe zu spielen. Auch andere Sportarten wie der Handball halten daran fest, obwohl es enorme Probleme und viele Entscheidungen am grünen Tisch gibt.

RB Leipzig und der FC Liverpool treffen sich in Budapest, um ein Spiel im Achtelfinale der Champions League auszutragen, genau wie Borussia Mönchengladbach und Manchester City. Auch in der Europa League wird in Budapest Fußball gespielt: Der österreichische Klub Wolfsberger AC empfängt Tottenham Hotspur.

Die zusätzlichen Reisen der Fußballer zu Zeiten der Pandemie und der Furcht vor mutierten Coronaviren haben viel Kritik hervorgerufen: in der Politik, in den Medien und auch bei Fans. Tenor: Die ohnehin privilegierten Fußballer sollen froh sein, dass sie in ihren nationalen Ligen spielen dürfen und so die oft üppigen Fernsehgelder kassieren.

Handball in Budapest

Andere Sportarten fliegen - auch bei diesem Thema - gerade in Deutschland unter dem Radar. Dabei wird auch dort geflogen, und auch in Budapest gespielt. Am Mittwoch (10.02.2021) trafen in der ungarischen Hauptstadt Vipers Kristiansand und Rostov-Don aufeinander. Champions League, Handball: Die Russinnen gewannen gegen die Norwegerinnen mit 24:23.

Etwa zwei Stunden vor dem Anwurf hatte der europäische Handballverband EHF eine Mitteilung herausgegeben. Es sei schwierig, den Europapokal zu organisieren, da sich sich die Bedingungen wegen Infektionen, Einreise- und Quarantänebedingungen "fast täglich" ändern würden, wurde Verbandspräsident Michael Wiederer zitiert.

Daher wurde entschieden, dass sowohl in der Champions League der Herren als auch bei den Frauen sämtliche 16 Mannschaften aus der Gruppenphase die erste K.o.-Runde erreichen. Dort soll es über Kreuz mit Hin- und Rückspiel weitergehen: Der Erste der Gruppe A gegen den Achten der Gruppe B, der Zweite der Gruppe A gegen den Siebten der Gruppe B und so weiter.

Von der Coronabestimmung profitierte auch die SG BBM Bietigheim. Der Bundesligist wäre als Achter der Gruppe A mit nur drei Punkten normalerweise ausgeschieden. So darf er nun gegen Györi ETO KC antreten, die Ungarn gewannen die Gruppe B ohne Niederlage. Das Hinspiel ist für den 6. März im nördlich von Stuttgart gelegenen Bietigheim angesetzt.

Entscheidung nach "Verursacher-Prinzip"

Im Gegensatz zu den Frauen läuft bei den Herren noch die Gruppenphase in der Champions League. Ausgefallene Spiele und solche, die noch ausfallen werden, müssen bis zum 26. Februar nachgeholt werden. Ansonsten wird die EHF am grünen Tisch nach dem Verursacher-Prinzip werten. Heißt: Es verliert die Mannschaft, die für den Ausfall verantwortlich ist, sei es durch eine angeordnete Quarantäne der Mannschaft oder durch Einreisebestimmungen.

Norwegen etwa hat seine Grenzen weitestgehend dichtgemacht. Wenn keine Ausweichhalle im Ausland gefunden wird, verbunden mit erheblichen Kosten, wird ein Spiel gegen norwegische (oder andere betroffene) Mannschaften gewertet. Von einer solchen Wertung profitierten etwa die Frauen von Borussia Dortmund. Weil der rumänische Verein SCM Ramnicu Valcea sechs positiv getestete Spielerinnen meldete, wurde die anstehende Partie abgesagt und mit 10:0 für den Tabellenführer der Bundesliga gewertet.

Tabelle eine Farce

Die Tabelle der Champions League der Herren, die den Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt als Zweiten ausweist (Stand: 16.02.2021, 14 Uhr) ist eine Farce. Zwei Mannschaften haben elf von 14 geplanten Spielen ausgetragen, der Letzte Vardar Pro Skopje erst sieben. Flensburg holte aus den bisherigen neun Spielen 15:3 Punkte. Sollten sie ihren zweiten Platz halten, müssten sie zwei Partien mehr bestreiten als ursprünglich vorgesehen, denn die beiden Gruppenbesten waren zunächst schon für das Viertelfinale qualifiziert. Dennoch sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke: "Das ist die fairste Lösung unter den aktuellen Bedingungen."

Auch Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi bezeichnete die Entscheidung der EHF als "faire Lösung". Weiter sagte er: "Sie nimmt ein wenig den Druck aus der Situation, denn wir wissen nicht, wie viele der ausgefallenen Partien noch nachgeholt werden können." Der THW, der nach einem Coronafall Anfang Februar in Gruppenquarantäne musste, hat auch erst neun Spiele bestritten.

Jeden dritten Tag ein Spiel

Auf ihn kommen wegen der zusätzlichen Nachholspiele in der Bundesliga 43 Spiele in 127 Tagen zu, Flensburg hat 39 Spiele in 134 Tagen zu absolvieren. "Das ist natürlich ein Wahnsinn", sagte Kiels Mannschaftsarzt Detlev Brandecker im "Sportclub" des NDR. "Das ist im Grunde genommen aus medizinischer Sicht nicht verantwortbar."

Was passiert, wenn in den K.o.-Runden Spiele ausfallen, ist noch nicht geklärt. EHF-Sprecher Thomas Schöneich sagte der Sportschau, dass die Probleme sich derzeit verlagerten: Die Infektionen in verschiedenen Mannschaften würden sinken, dafür machten Einreisebestimmungen mehr Sorgen: "Besonders, wenn es um Spiele zwischen Mannschaften aus einem EU- und einem Nicht-EU-Land geht."

Absage im Eishockey schon im Oktober

Anders als die europäischen Verbände in Handball, Basketball und Volleyball, die an ihren internationalen Wettbewerben festhielten, wurde die Champions Hockey League (CHL) im Eishockey schon im Oktober 2020 abgesagt. Wie die Dinge lägen, sei es aus organisatorischer und wirtschaftlicher Sicht nicht möglich, die CHL in der Saison 2020/21 zu spielen, sagte Peter Zahner. Er ist Präsident der CHL, die als Unternehmen strukturiert ist, an dem der Weltverband IIHF und Klubs, darunter auch aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) Anteile halten.

Stand: 16.02.2021, 14:00

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