Handball, Basketball, Eishockey - "Auf Dauer geht's nicht ohne Zuschauer"

Die leere Arena in Melsungen

Keine Zuschauer - so geht's weiter bei Handball, Basketball und Eishockey

Handball, Basketball, Eishockey - "Auf Dauer geht's nicht ohne Zuschauer"

Von Olaf Jansen

Keine Zuschauer im November - bei Handball-, Basketball- und Eishockey-Profis sorgt das für Entsetzen. Viele Vereine fürchten um ihre Existenz: "Die Luft wird dünner."

Amateursport wird ganz ausgesetzt, bei Profisportarten darf nur ohne Zuschauer gespielt werden. Die Entscheidung der Bund-Länder-Konferenz, angesichts der Corona-Erkrankungen auch das Sportleben im Land im November weitgehend einzuschränken, stößt vielerorts auf Unverständnis. Vor allem die Profiklubs im Handball, Basketball und Eishockey werden erneut hart getroffen.

Handball - weiter im Spielbetrieb, kleinere Vereine in Gefahr

"Das ist ein Schlag ins Kontor, aber unter Berücksichtigung der Gesamtsituation vielleicht auch nachvollziehbar", kommentiert Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga die Entscheidung von Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten. Er kritisiert aber auch: "Das ist aus meiner Sicht eine symbolische Entscheidung. Der Sport hat seine Hausaufgaben gemacht und trägt nicht zum Infektionsgeschehen bei."

Bohmann warnte angesichts der neuen EInschränkungen: "Das zerstört natürlich völlig die Geschäftsmodelle der Sportarten hinter dem Fußball." Für den Handball skizzierte er ein düsteres Bild. "Die Luft wird dünner. Ich hoffe, dass wir erstmal bis Weihnachten alle durchkriegen. Das kann ich mit Bestimmtheit aber heute noch gar nicht sagen."

Völlig überrascht von den Verschärfungen zeigt man sich bei einem der Branchenführer, dem THW Kiel: "Wir sind enttäuscht. Wir hatten eigentlich bewiesen, dass wir sichere Veranstaltungen durchführen können. Und jetzt werden Zuschauer wieder pauschal verboten, anstatt nach den Sicherheitskonzepten vor Ort zu entscheiden", sagt Viktor Szilagyi, Geschäftsführer des THW.

Die Bundesliga wird auch ohne Fans in den Hallen zunächst weitergehen. Die Frage ist, wie lange die Klubs den Spielbetrieb ohne Zuschauereinnahmen aufrechterhalten können. Kleinere Vereine, die nicht über Großsponsoren verfügen, könnten in die Bredouille geraten.

Jörg Föste, Geschäftsführer des Bergischen HC, appelliert daher an die Verantwortlichen, ihre Entscheidung so bald wie möglich rückgängig zu machen. Ansonsten sieht er Vereine wie den BHC in großer Gefahr: "Priorität hat die stabile Fortsetzung des Bundesliga-Spielbetriebs. Die Management-Aufgabe besteht darin, die jeweilige Klub-Organisation kurzfristig auch ohne Ticketeinnahmen aufrechtzuerhalten. Aus wirtschaftlichen und emotionalen Gründen gleichermaßen wird das im Handball nicht permanent gelingen können. Also: Für einen gewissen Zeitraum stimmen wir dem Betrieb ohne Zuschauer zu, auf Dauer nicht."

Christopher Monz, Geschäftsführer der finanzstärkeren Rhein-Neckar Löwen, sieht für seinen Verein hingegen keine veränderte Situation: "Da wir wohl als einziger Klub der Handball Bundesliga seit Saisonstart ohne Zuschauer spielen, ändert sich für uns zunächst einmal nichts. Durch den hohen Inzidenzwert in Mannheim von über 100 konnten wir leider auch nicht davon ausgehen, in den nächsten Spielen mit Zuschauern zu spielen."

Basketball - trotz Hygienekonzepten "den Saft abgedreht"

"Aus unserer Sicht gibt es fachlich-hygienisch keine Gründe für den Zuschauerausschluss", findet Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga. "Es werden von uns Hygienekonzepte verlangt, für die wir viel Geld in die Hand nehmen und mit ausgewiesenen Experten zusammenarbeiten. Und obwohl die Testphase gezeigt hat, dass die Konzepte funktionieren, dreht man uns doch den Saft ab. Das ist bitter."

Dennoch ist man froh, dass man die Liga überhaupt starten kann. Am 6. November soll es mit dem ersten Spieltag losgehen. Im Basketball sind die Vereine wie im Handball und Eishockey deutlich stärker auf Zuschauereinnahmen angewiesen als im Fußball. Wäre es zu einem zweiten totalen Lockdown gekommen, hätten das zahlreiche Vereine wohl kaum überlebt. So können sie wenigstens ihre Sponsoren- und TV-Gelder einnehmen, was ihnen zunächst das Überleben sichert.

Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte außerordentliche Wirtschaftshilfe könnte auch dazu dienen, Verluste abzumildern. "Das müssen wir mal prüfen. Wir brauchen jeden Euro, der bereit gestellt wird", sagte Holz. Der Bund will Vereinen 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats zahlen, wenn sie von temporären Schließungen betroffen sind. Ob das auch für Profiklubs gilt, die zwar weiterspielen, aber keine Zuschauer in die Hallen lassen dürfen, ist jedoch offen.

Eishockey - droht sogar die Absage der gesamten Saison?

Den vergleichsweise härtesten Schlag erteilten die Politiker mit ihrer Entscheidung, die Corona-Regeln zu verschärfen, den Eishockeyprofis. Ein Spielbetrieb ohne Zuschauer rechnet sich in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht, dafür sind die Kosten für die Vereine an Spieltagen zu hoch. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hat schon mehrfach betont: "Die Vereine können ihre Heimspiele selbst bei 20 Prozent Zuschauerauslastung nicht mit einer schwarzen Null bestreiten".

Entsprechend verlegte die DEL ihren ursprünglich für den 6. September gelanten Saisonstart sukzessive nach hinten. Momentan hofft man, irgendwann im Dezember mit einer Spielrunde beginnen zu können.

Profis suchen Spielpraxis in der Provinz

Problemtisch wird das für die Profis nicht nur aus finanzieller Sicht. Ihnen fehlt nun seit Monaten schlicht auch die Spielpraxis. Daher gingen etliche Akteure in den vergangenen Wochen einen ungewöhnlichen Weg und heuerten bei niederklassigen Klubs in der zweiten Liga oder sogar noch darunter an. Denn dort sind die Kosten wegen kleinerer Hallen nicht so hoch, ein Saisobeginn steht dort unmittelbar bevor.

Patrick Reimer, Kapitän bei den Nürnberg Ice Tigers, spielt für den ESV Kaufbeuren, Moritz Müller, Kapitän der Kölner Haie, sowie sein Teamkollege Marcel Müller schlossen sich den Kassel Huskies an. Felix Schütz, Stürmer der Straubing Tigers, schnürt die Schlittschuhe in den nächsten Wochen für den EV Landshut.

Der frühere deutsche Eishockey-Nationalspieler Alexander Sulzer (36) hat derweil vor den fatalen Folgen einer Komplettabsage der DEL-Saison gewarnt. "Es ist existenziell wichtig, dass die Saison stattfindet - für die Zukunft des deutschen Eishockeys und für jeden einzelnen Spieler. Sollte der Spielbetrieb der DEL anderthalb Jahre lang auf Eis liegen, wäre es für alle Spieler schwierig, nach so einer langen Pause wieder reinzukommen", sagte der Geschäftsführer der neuen Eishockey-Spielergewerkschaft SVE im Interview der "Kölnischen Rundschau" und ergänzte: "Das würde auch für die Nationalmannschaft eine herbe Schwächung bedeuten. Der Nachwuchs wäre ebenfalls betroffen."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Steuert der Sport auf den nächsten Lockdown zu? Verfügbar bis 25.01.2021

Stand: 29.10.2020, 13:32

Darstellung: