Rekordverkauf: Wie ein Züchter mit Brieftauben Millionär wurde

Taubenzüchter Joel Verschoot

Brieftaubenzucht

Rekordverkauf: Wie ein Züchter mit Brieftauben Millionär wurde

Wer Brieftaubenzüchter bisher belächelt hat, sollte Joel Verschoot kennenlernen. Der Belgier hat eine Taube für satte 1,25 Millionen Euro verkauft - und das soll erst der Anfang sein.

So richtig kann es Verschoot immer noch nicht fassen: Bei einer Onlineauktion im März hat ihm sein Schützling Armando den Millionenbetrag eingebracht. Verschoot ist Brieftaubenzüchter aus Belgien und Armando die bisher teuerste Brieftaube weltweit. Nun träumt der Rentner von weiteren Rekorden mit Hilfe des Nachwuchses seines einstigen Stars.

Bei Armandos Versteigerung hätten zwei Chinesen nicht aufgehört, sich gegenseitig zu überbieten - "in Schritten von 100.000 Euro", erzählt der 64-Jährige. Schließlich sei einer von ihnen bei 1,252 Millionen Euro ausgestiegen. "Wir hätten nie gedacht, dass es so hoch gehen könnte." Bis dahin hatte der höchste Verkaufspreis für einen von Verschoots Vögeln bei rund 400.000 Euro gelegen: Das Brieftaubenweibchen Nadine hatte für diese Summe einen neuen Besitzer gefunden, ebenfalls einen Chinesen.

Wettbewerbe mit Distanzen von hunderten Kilometern

Verschoot glaubt, dass auch der neue Rekordpreis kein Ausreißer ist, sondern in Zukunft weiter gebrochen wird. In Belgien hat die Brieftaubenzucht Tradition, es gibt fast 20.000 registrierte Züchter. Für die meisten von ihnen ist ihr Hobby vor allem ein Sport: Regelmäßig werden Wettbewerbe ausgetragen, bei denen es darum geht, welches der Tiere über Strecken von teils hunderten Kilometern am schnellsten unterwegs ist.

Verschoot lernte die Taubenzucht von klein auf, sein Vater trainierte ebenfalls Brieftauben zu Wettbewerbszwecken. 2015 ging Verschoot in Rente. Seitdem kann sich der ehemalige Schlachthofangestellte gänzlich seinen Vögeln widmen. Zehn Stunden am Tag verbringe er mit der Pflege und Wettkampfvorbereitung seiner Tauben, erzählt der 64-Jährige.

Sexuelle Entbehrung als Erfolgsrezept

Eine Brieftaube von Züchter Joel Verschoot

Eine Brieftaube von Züchter Joel Verschoot

Verschoots Paradedisziplin ist die Mittelstrecke (500 bis 700 km) - dabei verlassen die Tauben am frühen Morgen ihren Schlag, fliegen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 80 Kilometern pro Stunde eine festgelegte Strecke und kehren am Abend wieder zurück.

Sein Erfolgsrezept verrät der Belgier recht freimütig: Zwei Wochen vor dem Wettkampf trenne er den Wettkampfvogel von seiner Partnerin. Diese lange sexuelle Entbehrung motiviere den Täuberich, so schnell wie möglich wieder in den Schlag zurückzukehren. "Schnell, schnell, nach Hause zur Frau", scherzt der Taubenzüchter.

Große Nachfrage in China und den Golfstaaten

Mit Rekordtaube Armando gewann Verschoot seit 2017 einen Titel nach nach dem anderen. Die Krönung war der Sieg bei einem Wettbewerb im polnischen Posen, bei dem jedes europäische Land seinen besten Vertreter ins Rennen schickt - eine Art Champions League für Brieftaubenzüchter. Kurze Zeit später versteigerte Verschoot seinen Champion Armando.

Der Käufer, ein Bauunternehmer aus der Region Peking, der Brieftaubenwetten in China organisiert, möchte ihn wohl zur Zucht nutzen. Das große Geschäft mit Brieftauben ist erst mit Aufkommen des Online-Handels richtig aufgeblüht. Vor allem in China und den Golfstaaten ist die Nachfrage enorm. Auch die Preisgelder sind enorm, liegen bei bis zu einer Million Euro.

Kritik an "Professionalisierung" der Taubenzucht

Für Verschoot hat sich sein Hobby so zu einem äußerst lukrativen Geschäft entwickelt. Dass in den Nachkommen Armandos Potenzial steckt, glaubt auch er. "Einen Sohn und eine Tochter" des Rekordvogels habe er isoliert, damit sie miteinander für Nachwuchs sorgen. "Bald wird es Enkelkinder von Armando geben", die er für noch mehr Geld verkaufen werde, ist sich der Taubenzüchter sicher.

Andere Brieftaubensportler rümpfen über diese "Professionalisierung" ihres Hobbys die Nase: "Ein normaler Brieftaubenfreund würde sich nie nur aufgrund des Spermas für eine Taube interessieren", sagt Bernard Ancia vom belgischen Magazin "La Colombophilie" (Der Brieftaubensport). "Das jedenfalls hilft nicht, den Sport zu fördern."

afp/red | Stand: 09.09.2019, 12:34

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