Baseball aus Asien - Hype in den USA

Schaufensterpuppen auf der Tribüne des International Baseball Stadium in Taiwan am 2. Mai

Corona-Pandemie

Baseball aus Asien - Hype in den USA

In der Major League Baseball ist kein Start der verschobenen Saison in Sicht, die amerikanischen Fans richten ihren Blick daher verstärkt in Richtung Asien.

Baseball ist die uramerikanische Sportart. Doch wegen der Corona-Pandemie sitzen auch die Baseball-Fans in den USA auf dem Trockenen, der für März vorgesehene Start der neuen Saison ist weiterhin auf einen ungewissen Termin verschoben.

Die Verzweiflung mancher US-Fans darüber ist so groß, dass sie sich nun offenbar verstärkt anderen Ligen zuwenden, um zumindest etwas von ihrer Lieblingssportart zu sehen. In Taiwan läuft die Baseball-Saison seit Mitte April wieder. Mit weniger als 500 bestätigten Erkrankten und bislang nur sechs nachgewiesenen Todesfällen durch Covid-19 bei 23 Millionen Einwohnern hat der Inselstaat das Virus besser im Griff als viele andere Länder. In den Stadien der Chinese Professional Baseball League (CPBL), so der Name der Baseball-Liga Taiwans, sind inzwischen sogar bis zu 1.000 Zuschauer pro Spiel zugelassen. Zuvor waren auf den Tribünen nur Zuschauerattrappen aus Pappe zugelassen - und Roboter, die die Fantrommeln schlugen.

Baseball aus Taiwan - Hype in den USA

Gerade einmal vier Klubs hat die höchste Baseball-Liga in Taiwan. Doch seit deren Spiele im Internet mit englischem Kommentar gestreamt werden, wächst die Fangemeinde Tag für Tag, vor allem in den USA. Vorgeprescht waren die Rakuten Monkeys, mit dem auf dem globalen Sportmarkt mächtigen japanischen Marketingkonzern im Rücken. Der Klub aus Taoyuan hatte die Idee, alle Spiele im Netz auch auf Englisch zu übertragen.

Mit ungeahntem Erfolg: Die ersten fünf Begegnungen verzeichneten fast fünf Millionen Zugriffe. Wenig später zogen die Chinatrust Brothers nach und erreichten an nur einem Tag mehr als eine Million Views, der Großteil davon aus den USA.

Sehnsucht nach Baseball

"Viele Leute in den USA warten sehnsüchtig darauf, dass der Sport zurückkehrt. Sie suchen verzweifelt etwas, das sie sich anschauen können", sagte Ryan Carpenter gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der Pitcher der Rakuten Monkeys, der in der MLB mal für die Detroit Tigers spielte, war bis vor wenigen Wochen höchstens Experten ein Begriff, nun schauen ihm Millionen Fans bei der Arbeit zu.

"Das hier ist die größte kleine Liga der Welt - und von der noch nie jemand gehört hat", sagte Rob Liu, der ein Statistik-Portal über die CPBL führt, auf Englisch. Die Zugriffszahlen auf die Seite haben sich laut AFP zuletzt verzehnfacht. Fast alle Besucher kommen aus den USA oder Kanada.

Und natürlich haben auch US-Wettanbieter die Liga aus Taiwan längst in ihr Angebot aufgenommen. Dabei hatte die CPBL 2009 unter einem Wettskandal gelitten, die Zuschauerzahlen sanken dramatisch. Für Taiwan war das ein kleiner Schock. Baseball wurde schon vor 100 Jahren von den Japanern auf die Insel gebracht, heute ist der Sport die klare Nummer eins des Landes. Zuletzt stiegen die Zuschauerzahlen wieder, vor allem nach dem kurzen Gastspiel des MLB-Stars Manny Ramirez 2013.

ESPN überträgt Baseball aus Korea

Auch im Mutterland des Baseballs wird der Hype um Taiwan befeuert: Der im US-Sport beliebte Online-Kanal SB Nation legte den Fans der Kansas City Royals via Twitter die Livestreams aus Taiwan ans Herz. Und der große US-Sportsender ESPN will noch mehr Baseball aus Asien zeigen: ESPN hat einen Deal mit der Korean Baseball Organization abgeschlossen und überträgt jede Woche bis zu sechs Spiele live, die nach amerikanischer Zeit meistens irgendwann im Morgengrauen beginnen. "Es ist vielleicht nicht das Optimale", kommentierte "USA Today". "Aber es ist Live-Baseball. Das ist alles, was zählt."

red/dpa/sid | Stand: 09.05.2020, 15:03

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