Sport ist Politik in Aserbaidschan

Der Schriftzug "I love Baku" ist vor dem von Zaha Hadid Architects entworfenen Haydar Aliyev Center platziert.

WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Baku

Sport ist Politik in Aserbaidschan

Von Marcus Bark

Finale der Europa League, Formel 1, Fußball-Europameisterschaft, zwischendurch dann mal eine Weltmeisterschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik: Aserbaidschan ist mit seiner Hauptstadt Baku Gastgeber bedeutsamer Sportveranstaltungen. Dadurch wird Politik gemacht in dem Staat am Kaspischen Meer, wie Hugh Williamson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch im Gespräch mit der Sportschau sagt.

Die Fédération Internationale de Gymnastique (FIG) hat über ihre nationalen Verbände wie den Deutschen Turner-Bund etwa 50 Millionen Mitglieder. Der Youtube-Kanal des Weltverbandes hat mehr als 400.000 Abonnenten. So wird dann auch eine Weltmeisterschaft zu einem beachteten Ereignis, die in Deutschland am Rand der Randsportarten angesiedelt ist.

Alles fest in Familien-Hand

In Baku findet die WM in der Rhythmischen Sportgymnastik statt. "Der künstlerische Teil der Eröffnungsfeier heißt ‚Orientalisches Märchen‘. Ich lade alle Zuschauer zur Eröffnungsveranstaltung ein“, zitiert die staatliche aserbaidschanische Nachrichtenagentur „Azertac“ Mariana Vasileva, die Trainerin der Athletinnen des Gastgeberlandes.

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev und seine Gattin Mehriban Aliyeva.

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev und seine Gattin Mehriban Aliyeva.

Die prächtige Halle, in der das Märchen aufgeführt wird, fasst 9.000 Zuschauer. Sie liegt an der "Heydar Aliyev Avenue“, benannt nach dem ehemaligen Präsidenten des Staates am Kaspischen Meer. Sein Sohn Ilham ist der aktuelle Präsident, schon seit 2003. Dessen Frau Mehriban ist die Vizepräsidentin. So geht das im "Land des Feuers“, wie es in einem Werbefilm des Internationalen Turnverbandes heißt.

Die Öl -und Gasvorkommen haben die Autokratenfamilie und wenige andere reich gemacht. Mit dem Geld, das die Rohstoffe trotz des Preisverfalls bei Öl bringen, holt sich der Staat den sportlichen Glamour ins Land.

Sport und Menschenrechtsverletzungen im Fokus

Die ersten Europaspiele fanden 2015 in Baku statt. Die Judoka kürten 2018 ihre Weltmeister in Baku. Seit 2016 röhrt die Formel 1 jedes Jahr über den Kurs in der Hauptstadt. Im Mai 2019 spielten zwei Mannschaften aus London, der FC Arsenal und der FC Chelsea, den Sieger der Europa League in Baku aus.

Menschenrechtler über Aserbaidschan: "Keine Verbesserungen durch Sportveranstaltungen" Sportschau 16.09.2019 06:01 Min. Verfügbar bis 23.09.2020 Das Erste

Für wenige Tage rückte Aserbaidschan daher in einigen Ländern Westeuropas in den kritischen Fokus. Es wurden Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, Staatsgewalt, Inhaftierungen Oppositioneller thematisiert, die Verwicklung eines immer noch aktiven Fußballnationalspielers in den mysteriösen Todesfall eines Journalisten aufgerollt.

Auch im Fußball-Sponsoring eine große Nummer

Der Präsident kann damit leben. Die Bilder vom Endspiel der Europa League, die ihn zwischen der Gattin und Aleksander Čeferin auf den besten Plätzen der Ehrentribüne zeigen, sind wichtiger. Čeferin ist der Präsident der UEFA, dem europäischen Fußballverband. Sponsor der UEFA ist Socar.

Der staatliche aserbaidschanische Energiekonzern ist einer von sechs Großsponsoren für die Euro 2020. Drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale werden beim paneuropäischen Fußballturnier in Baku ausgetragen. Das ist der Clou des Regimes, das Human Rights Watch als Diktatur bezeichnet.

Europa League - Schatten über Aserbaidschan Sportschau 28.05.2019 12:34 Min. Verfügbar bis 28.05.2020 Das Erste

Stand: 17.09.2019, 06:00

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