MTV Stuttgart vor der neuen Volleyball-Saison: Das Finale ist das Ziel

Der MTV Stuttgart um Neuzugang Simone Lee jubelt.

Volleyball

MTV Stuttgart vor der neuen Volleyball-Saison: Das Finale ist das Ziel

Der MTV Stuttgart geht mit einem Mix aus jungen Talenten und erfahrenen Spielerinnen in die Saison 2021/2022 der Volleyball-Bundesliga. Bei den Neuzugängen wurde nicht nur aufs Sportliche geschaut.

So lief die vergangene Saison

Mit einer beeindruckenden Serie von sieben Spielen ohne Punktverlust startete das Team von Allianz MTV Stuttgart in die vergangene Spielzeit. Ausgebremst wurden sie damals nur, als das Team nach mehreren positiven Coronafällen kurz nach Saisonbeginn eine zweiwöchige Team-Quarantäne antreten musste.

Sportlich setzte es den ersten Dämpfer dann Ende November, als die Stuttgarter Volleyballerinnen im Pokalhalbfinale gegen den SC Potsdam rausflogen. Kurz darauf verließ Giannis Athanasopoulos, Meistertrainer von 2019, nach Unruhen in der Mannschaft auf eigene Initiative den Verein.

Auf ihn folgte der Norweger Tore Aleksandersen, der bereits von 2003 bis 2008 in Deutschland für den SSC Palmberg Schwerin tätig war. Zum Ende der Hauptrunde führte er das Team als Tabellenzweiter in die Playoffs, bei denen der MTV das Finale erreichte. Gegen den Dresdener SC zog sich die Entscheidung bis zum fünften Spiel, das der Verein mit 0:3 verlor und somit den zweiten Meistertitel der Vereinshistorie knapp verpasste.

Aleksandersen hat den Charakter im Fokus

Tore Aleksandersen bleibt auch zur kommenden Saison der Mann an der Seitenlinie des MTV Stuttgart. "Er ist ein authentischer Mensch mit viel Erfahrung und hat eine ganz klare Vorstellung davon, wie gespielt werden sollte", sagt Sportdirektorin Kim Renkema im SWR Sport-Interview über den 53-jährigen Trainer. Zusammen mit dem Trainer hat sie die Kaderplanungen vorangetrieben und zeigt sich glücklich über das neue Team: "Wir haben jetzt eine sehr kämpferische Mannschaft mit vielen extrovertierten Persönlichkeiten. Da ist richtig was los auf dem Feld."

Tore Aleksandersen erklärt die Transferstrategie des Vereins 00:45 Min. Verfügbar bis 30.11.2021

Kritik an mangelnder Professionalität

Nach den Unruhen innerhalb der Mannschaft aus der Vorsaison hatte Aleksandersen die mangelnde Professionalität einiger Spielerinnen kritisiert. Auch deshalb stand für ihn bei den Neuverpflichtungen nicht nur das Sportliche im Vordergrund: "Wir haben viel Wert auf den Charakter und die Einstellung der Spielerinnen gelegt. Man muss stolz sein, für den MTV Stuttgart zu spielen."

Mix aus Talenten und Routiniers

Resultiert ist ein Mix aus jungen, entwicklungsfähigen Talenten und routinierten Spielerinnen. Als größtes Versprechen für die Zukunft gilt die 18-jährige Zuspielerin Hannah Kohn. Um ihr Zeit für ihre Entwicklung zu geben, wurde eine Zuspielerin mehr in den Kader integriert. Das, sagt Sportdirektorin Renkema kurz vor dem Bundesliga-Start, wäre vielleicht gar nicht notwendig gewesen: "Sie schlägt sich bislang noch viel besser als erwartet. Vielleicht hätten wir gar nicht auf drei Zuspielerinnen setzen müssen. Sie ist schon sehr sehr weit."

Wir haben viel Wert auf den Charakter und die Einstellung der Spielerinnen gelegt.

Quelle: Tore Aleksandersen, Trainer MTV Stuttgart

Die Top-Verpflichtung des MTV ist aber Außen-Angreiferin Simone Lee. Die US-amerikanische Nationalspielerin war bereits 2020 kurzzeitig in Stuttgart aktiv, spielte aber zuletzt in der japanischen Liga. "Das war ein kleines Wunder, dass wir sie bekommen haben", sagt Renkema über Lee, die das Niveau der Stuttgarterinnen anheben könnte.

Noch wichtiger für den MTV ist aber nicht wer kommt, sondern wer bleibt: US-Amerikanerin und Kapitänin Krystal Rivers geht in ihre vierte Saison in Stuttgart. "Sie hätte woanders wahrscheinlich wesentlich mehr Geld verdienen können, fühlt sich aber hier bei uns wohl und verspürt eine gewisse Sicherheit", so die Sportdirektorin über die womöglich beste Diagonalangreiferin der Liga.

Der MTV will wieder oben angreifen

Kein Wunder also, dass der MTV mit dem verstärkten Kader wieder hohe Ziele anpeilt: "Wir haben letztes Jahr im Finale gespielt und es ist klar, dass wir dorthin nochmal möchten - das ist keine Frage", definierte Trainer Tore Aleksandersen kürzlich sein Ziel für das Team.

International wird der Verein trotz Vize-Meisterschaft nicht an der Champions League-Qualifikation teilnehmen, sondern im CEV Cup spielen. Der europäische Volleyballverband hat zur neuen Saison die Qualifikationsplätze an Länder verteilt, die bislang keine Startberechtigung in der Champions League hatten. Im CEV Cup trifft der MTV im Achtelfinale direkt auf den italienischen Vertreter Yamamay Busto Arsizio, der vor zwei Jahren noch im Halbfinale der Champions League stand. "Das ist natürlich ein hartes Los, wird aber gleichzeitig auch ein tolles Erlebnis. Schauen wir mal, ob wir da für eine Überraschung sorgen können", sagt Kim Renkema. Priorität habe für den Verein aber die Bundesliga.

Saisonstart gegen Erfurt

Und da geht es am kommenden Mittwoch (6.10., 19 Uhr) los. In seiner Heimspielstätte empfängt der MTV Stuttgart zum Auftakt Schwarz-Weiß Erfurt. Große Vorfreude herrscht vor allem, weil erstmals in einem Punktspiel wieder Zuschauer in der Halle zugelassen sind. "Das ist für uns eigentlich das Allerschönste", freut sich die Sportdirektorin Kim Renkema. Die etwa 2.000 Zuschauerplätze dürfen unter der Bedingung 3G vollständig ausgelastet werden.

SWR | Stand: 06.10.2021, 09:06

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