Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen im Austausch mit dem Team

Volleyball-WM der Frauen Nationaltrainer Heynen und die deutsche Wundertüte

Stand: 24.09.2022 17:23 Uhr

Nach erfolgreichen Jahren als Trainer der polnischen und deutschen Nationalmannschaft entschloss sich Vital Heynen zu einem Neuanfang. Seit Januar ist der Belgier Coach der deutschen Volleyballerinnen. Eine völlig neue Situation für den 53-Jährigen.

Von Raffael Reisdorf

So richtig traut sich Vital Heynen eine Prognose für die kommenden Wochen nicht zu. "Ich weiß es auch nicht", antwortete der Belgier im ZDF auf die Frage, was man denn von der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei der kommenden WM erwarten könne.

Raimo Hinsdorf, Sportschau, 24.09.2022 19:51 Uhr

An Erfahrung mangelt es dem Erfolgscoach aber nun wahrlich nicht. Bronze mit den deutschen Männern im Jahr 2014, vier Jahre später Gold mit Polen - die Erfolge sprechen für sich.

Frauen-Volleyball ist für Heynen aber ein ganz neues Gebiet. "Das ist meine erste WM mit einer Frauen-Mannschaft." Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich der Belgier so zurückhaltend zeigt.

Denn der langjährige Trainer sieht große Unterschiede zwischen seinen bisherigen Stationen. Weniger auf dem Spielfeld, dafür mehr im Kopf: "Frauen brauchen noch viel mehr Unterstützung in ihrem Glauben an sich selbst", stellte Heynen im Interview mit der "SZ" fest.

Eine Situation, die der Belgier von seinen vorherigen Trainerposten nicht kennt: "Männer denken zu wenig, Frauen denken zu viel – das bestätigt sich immer wieder. [...] [Sie] sind immer damit beschäftigt, sich zu verbessern, viel mehr als Männer."

Heynen warnt vor der Gruppe

Vor dem Beginn der WM dämpft Heynen im ZDF die Erwartungen an sein Team - eine Medaille hält der Bundestrainer nicht für wahrscheinlich: "Ich denke es nicht. Wir haben eine schwere Gruppe. Wenn wir da rauskommen, haben wir schon eine Riesensache gemacht."

Neben den Topfavoriten aus den USA und Serbien teilt sich Deutschland die Gruppe C mit Kasachstan, Kanada und Bulgarien.

Dabei macht die jüngst geglückte Generalprobe Hoffnung: Gegen den Olympia-Zweiten aus Brasilien gewannen die Frauen nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2.

Die Devise: Spaß und dreckiger Volleyball

"Vielleicht war das zu gut, das ist ja immer gefährlich", scherzte ein gut gelaunter Bundestrainer gegenüber dem ZDF. Vor dem Turnier will Heynen keinen Druck aufbauen. Das Ziel des Coaches: "Jeder, der guckt, soll Spaß haben mit unserer Mannschaft."

Doch ohne sportliche Ambitionen geht Heynen nicht in die WM. Von seinem Team fordert der 53-Jährige daher "dreckigen Volleyball". "Du musst den Punkt nicht so machen, das jeder sagt 'Wow!'. Ein kurzer Heber hinter die Linie, wo niemand an den Ball kommt, bringt auch einen Punkt."

WM als erster Schritt Richtung Olympia

Zwar will man beim Turnier in den Niederlanden die K.o.-Phase erreichen: "Die Gruppenphase zu überleben, das wäre ein Erfolg", so Heynen in der "SZ". Der Blick richtet sich aber schon jetzt auf ein anderes Vorhaben: "Das große Ziel bleibt immer Olympia, dafür muss man in der Weltrangliste unter die ersten zwölf kommen, dann ist man auf einem guten Weg."

Für die Deutschen startet die WM am Sonntagabend (19.00 Uhr) gegen Bulgarien. Vielleicht weiß der Bundestrainer danach, wohin die Reise geht.