Tschechien setzt auf goldene Hände

Tschechiens Torhüter Petr Cech bei einer Parade

UEFA Euro 2016, Gruppe D: Tschechien - Kroatien

Tschechien setzt auf goldene Hände

Von Frank Menke

Nach der unglücklichen 0:1-EM-Auftaktpleite gegen Spanien steht Tschechien gegen Kroatien schon unter Druck. Die Osteuropäer setzen auf eine ganz spezielle Versicherung.

Tschechiens Versicherung heißt Cech, Petr Cech. Der inzwischen 34-jährige Torwart-Methusalem gilt immer noch als einer der besten seiner Zunft. Erst im März wurde er zum achten Mal in seiner Heimat zum Fußballer des Jahres gewählt. Seine Mitspieler schauen zu ihm auf, in Tschechien ist er ein lebendes Denkmal. Dort nennen sie ihn nur den "Mann mit dem schwarzen Helm und den goldenen Händen".

Biologische Uhr stehen geblieben

Schon die Spanier hatte er, zumindest bis Gerard Piqués Treffer in der 87. Minute, bei Tschechiens EM-Auftakt zur Verzweiflung getrieben. Die spanische Zeitung "El Pais" staunte denn auch über "einen tadellosen Cech, bei dem die biologische Uhr stehen geblieben ist". Mindestens genauso verblüffend aber war, dass Cech mehr Pässe spielte als alle seine Mitspieler, nämlich 36. Manuel Neuer ist eben nicht der einzige große Torhüter, der es versteht, sehr aktiv an einer Partie teilzunehmen.

Training mit Plastikflaschen

Cech lebt und atmet Fußball, ist noch immer so besessen wie in den Anfangszeiten seiner Karriere. Auf das vorentscheidende Spiel der EM-Gruppe D am Freitag (17.06.2016) gegen Kroatien hat sich der 34-Jährige, der seine vierte und wohl letzte EM spielt, sehr speziell vorbereitet. Er trainierte nochmal seine Reflexe, ließ dabei flache Fernschüsse kurz vor dem Tor von leeren Plastikflaschen abfälschen.

Der Unbezwingbare

Sein Spitzname sagt schon alles. Als "der Unbezwingbare" wird Cech nicht nur von den einheimischen Anhängern verehrt. Dem Schlussmann in Diensten des FC Arsenal gelang es, in 178 von 367 Premier-League-Spielen seinen Kasten sauber zu halten. Seit 2002 ist er Stammtorhüter der tschechischen Nationalmannschaft und mit 122 Einsätzen auch deren Rekordspieler. Neben Karel Poborsky ist er der einzige Tscheche mit mehr als 100 Länderspieleinsätzen.

Markenzeichen Rugbymütze

Tschechiens Torhüter Petr Cech beim Abschlag

Tschechiens Torhüter Petr Cech mit seiner berühmten Rugbymütze

Dabei wäre Cechs Karriere vor zehn Jahren fast schon beendet gewesen. Bei einem Zusammenprall mit Stephen Hurt vom FC Reading wurde Cech 2006 so schwer am Kopf getroffen, dass er sich eine komplizierte Schädelfraktur zuzog. Der Torhüter hatte sogar Glück, dass er den Crash überlebt hat. Seitdem spielt er zur Sicherheit mit einer Rugbymütze, die längst zu seinem Markenzeichen geworden ist.

Modric und Rakitic bändigen

Gegen die starken Kroaten um die Mittelfeldstars Ivan Rakitic vom FC Barcelona und Luka Modric von Real Madrid soll Cech wieder einmal die tschechische Lebensversicherung sein - neben dem anderen Oldie in der Mannschaft, Spielmacher Tomas Rosicky. Auch dem 35-Jährigen, den sein Trainer Pavel Vrba als "besten Spieler im Team" bezeichnete, kommt eine Schlüsselrolle zu - wenn er denn fit ist. Den Aktionsradius des kroatischen Traumduos einzuschränken beziehungsweise ihre Torschüsse zu entschärfen, dürften die entscheidenden Faktoren für einen Erfolg Tschechiens sein.

Kroatiens Trainer auf Partykurs

Unterdessen hat Kroatiens Trainer Ante Cacic seinen Spielern eine besondere Motivationshilfe offeriert. Im Fall eines Sieges, sprich: des Achtelfinaleinzugs, soll es kleine Party geben. "Das werden wir alle gemeinsam feiern. Wir werden uns betrinken. Naja, ich denke, zwei drei Bier würden dafür schon reichen", meinte er augenzwinkernd.

Necid: "Alles für den Sieg geben"

Cacic sagte aber auch: "Ich habe immer gesagt, dass ich mich vor dem Spiel gegen die Tschechen am meisten fürchte." Weil die, ähnlich wie ein angeschlagener Boxer im Ring, nun zu allem in der Lage seien. "Sie fühlen sich wohl sicher, weil wir verloren haben", sagte Tschechiens Angreifer Tomas Necid und ergänzte: "Wir werden aber alles für den Sieg geben." Anders ausgedrückt: Statt Partylaune soll bei den Kroaten mit Abpfiff Katerstimmung herrschen.

Cech sieht sich bei dieser EM auch als eine Art Steigbügelhalter für die nachstrebende Generation tschechischer Nationalspieler: "Es ist eine riesige Chance für alle unsere jungen Spieler. Wenn sie groß auftrumpfen, könnten sich viele Türen für sie öffnen."

Stand: 17.06.2016, 08:00

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