Österreich - die Angst vor der Euro-Blamage

Gegen Island hat Österreich ein "Endspiel"

Österreich - die Angst vor der Euro-Blamage

Von Olaf Jansen

Bei Österreichs Fußballfans liegen die Nerven blank. Gewinnt Team Austria nicht gegen Island, ist es schon Aus mit dem EM-Traum. Dabei hatte man sich doch als Turnier-Geheimfavorit gesehen.

Im Diskussionsforum der österreichischen "Kronen"-Zeitung laufen die Fußballfans der Alpenrepublik in diesen Tagen regelrecht heiß. "Stellt ihn endlich dort hin, wo er es gelernt hat: Bringt ihn als Außenverteidiger", wird gefordert, oder: "Am besten wär's, er gäbe seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Dann wär endlich Ruh", schreibt ein anderer. Es geht um David Alaba, den vermeintlichen österreichischen Starspieler bei dieser EM. Der allerdings bislang überhaupt nicht gespielt hat wie ein Star. Sondern eher rätselhaft schwach. Wie fast das ganze Team von Coach Marcel Koller.

Was ist los mit Team Austria? Das fragen sich nicht nur die Fans, sondern auch die Experten. Schon als "Wundertruppe" beschrieben, als nach einem laut "Krone" "heroischen" 4:1-Auswärtssieg in Schweden schon frühzeitig die EM-Qualifikation feststand, hatte man Hoffnung, dass die Jungs um Alaba, Marko Arnautovic und Aleksandar Dragovic die Rolle des Geheimfavoriten übernehmen könnten.

"Lassen wir die Kirche im Dorf"

Herbert Prohaska, ehemaliger Teamchef, traute dem Team zum Beispiel einiges zu: "Die Gruppenphase ist sicher zu überstehen. Danach ist alles möglich." Und Koller, der nach neun Siegen und einem Unentschieden in der Qualirunde schon als "Nationalheld" gefeiert wurde, musste Fragen nach den Chancen auf den EM-Titel mit "Lassen wir die Kirche im Dorf" beantworten.

Seine Zweifel scheinen berechtigt, mit einem derart lausigen Start ins Turnier hatte aber selbst der Coach wohl kaum gerechnet: Zwei Spiele sind absolviert, nach dem 0:2 gegen Ungarn zum Auftakt kam Österreich gegen Portugal nur zu einem extrem schmeichelhaften 0:0, das man vor allem Keeper Robert Almer zu verdanken hatte. Gegen Island steht die Mannschaft vor einem "Do or die"-Match. Nur ein Sieg lässt die Hoffnungen auf ein Weiterkommen am Leben.

Wer soll bloß treffen?

Und es stellt sich die österreichische Fangemeinde die bange Frage: Wer von den bislang Erfolglosen soll bloß gegen die abwehrstarken Isländer treffen? Marko Arnautovic vielleicht? Der fordert: "Wir müssen das Herz in die Hand nehmen und durchgehen! Wir müssen zeigen, was wir draufhaben!"

Da Torjäger Marc Janko nach langer Pause nicht richtig fit ist und der Stuttgarter Martin Harnik bei der EM bislang zweimal enttäuschte, könnte viel von Arnautovic abhängen. Der frühere Bremer hat bislang zwar auch noch nicht geglänzt, an Selbstvertrauen hat es ihm aber noch nie gemangelt. "Ich werde es gegen Island in die Hand nehmen", versprach der 27-Jährige von Stoke City.

Alaba außer Tritt

Unterstützung könnte er vor allem gut von Alaba gebrauchen. Doch der scheint bei der EM überhaupt nicht ins Rollen zu kommen. Schon nach dem 0:2 gegen Ungarn sprach Marcel Koller von leichten Problemen bei Alabas Rollentausch. Während er beim FC Bayern in der Defensive eingesetzt wird, sollte er im Team Österreich im Mittelfeld die Fäden ziehen. Gegen Portugal lief er sogar hinter der Spitze auf.

Es wurde zum Waterloo für Österreichs Fußballer des Jahres. Nur eine Passquote von 59 Prozent und eine regelrecht beschämende Zweikampfquote von 27 Prozent stellten ihm ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Koller hatte nach 65 Minuten Mitleid und nahm Alaba vom Feld. Etwas befremdlich, dass Alaba nach dem Spiel meinte, er könne seinen Austausch "nicht nachvollziehen".

"Haben es noch in der eigenen Hand"

Neben Alaba sind allerdings ein paar weitere Schlüsselspieler auf der Suche nach ihrer Form. Arnautovic ließ gegen Portugal eine Chance aus, ebenso wie Marc Janko gegen die Ungarn, wahrscheinlich, weil er nach seiner Verletzung noch nicht die 100-prozentige Fitness erlangt hatte. Aber auch der gegen Portugal gesperrte Aleksandar Dragovic hat nach seiner Knöchelverletzung noch nicht sein gewohntes Niveau erreicht. Von der in der Qualifikation wunderbar funktionierenden Achse bringen nur Robert Almer und Julian Baumgartlinger bislang gewohnte Leistungen.

Während in Österreich flächendecken Alarm gegben wird, versucht Koller die Nation zu beschwichtigen. "Das ist eben ein Turnier, das Niveau ist hoch, aber wir haben es noch in der eigenen Hand", sagt der Schweizer.

Stand: 22.06.2016, 08:00

Darstellung: