Für die Türkei wird es jetzt haarig

Frisuren-Debatte - und gegen Spanien droht das Aus

Für die Türkei wird es jetzt haarig

Von Christian Hornung

Für die Türkei wird das Spiel gegen Spanien am Freitag (17.06.16) eine haarige Angelegenheit. Eine Niederlage könnte schon das Aus bedeuten – und in der Heimat schlägt ein Frisuren-Skandal Dauerwellen.

Ozan Tufan ist derzeit bei Youtube, Twitter und Facebook ein gefeierter Mann. Mit einer einzigen nur rund zwei Sekunden währenden Handgreiflichkeit im Spiel gegen Kroatien hat es der defensive Mittelfeldspieler von Fenerbahce zum Dauerthema in den sozialen Netzwerken geschafft.

Alle Kameras auf Ozan Tufan

Dabei hat Ozan Tufan niemandem etwas getan. Die Handgreiflichkeit galt seinen eigenen Haaren, deren korrekten Sitz er kurz überprüfte und dann mit viel Gefühl und Hingabe nachhalf, vermutlich, um einfach wieder besser zu sehen oder auszusehen.

Es war Pech, dass genau in dieser 41. Minute sämtliche Kameras genau auf ihn gerichtet waren, weil ein paar Meter vor ihm der Kroate Luka Modric zum Volleyschuss ansetzte und den Ball haarscharf an Ozan Tufan vorbei zum 1:0-Siegtor drosch.

"Die Frisur sitzt. Der Ball auch."

Seitdem kursieren überall diese Videos von dem 21-Jährigen, der den Lauf des Balles erst wieder wahrnahm, als dieser 20 Meter hinter ihm im Netz hing. "15.40 Uhr, Paris. Die Frisur sitzt. Der Ball auch", wurde gezwitschert, und es gibt nun auch Fotomontagen vom türkischen Trainer Fatih Terim, wo dieser als Friseur auftritt und Ozan Tufan die Haare abrasiert, oder wo der Spieler mit einem Spiegel in der Hand auf dem Spielfeld posiert.

Auch die türkischen Zeitungen widmete sich ausgiebig dem "Frisuren-Checker", der seine eigene Schönheit vor das Wohl der Mannschaft und damit indirekt vor das des ganzen Landes gesetzt habe. Tufan hat sich inzwischen "beim türkischen Volk" entschuldigt, sich aber auch ein wenig gewundert: "Ich finde es nicht nachvollziehbar, wie ein einziger Moment, in dem ich mir die Haare richte, auf die Tagesordnung der gesamten Türkei kommt und wichtiger als das Spiel angesehen wird."

"Den Hunden zum Fraß vorgeworfen"

Das sieht auch sein Vereinsboss Aziz Yildirim so und poltert gegen Fatih Terim und die türkische Öffentlichkeit: "Es darf nicht sein, dass man ein junges Talent den Hunden zum Fraß vorwirft. Ozan war gegen Kroatien der einzige Spieler, der dagegengehalten hat und viel gelaufen ist. Wenn es Verantwortliche für die Niederlage gibt, dann sind es das Trainerteam, die Spieler und der türkische Fußballverband!"

In der Tat lenkt die Haardebatte schön davon ab, dass die Türkei für die Wende gegen Spanien eigentlich ganz andere Zöpfe abschneiden müsste. Hakan Calhanoglu aus Leverkusen beispielsweise war auf der rechten Seite gegen Kroatien völlig deplatziert. Arda Turan vom FC Barcelona durfte ebenfalls nicht zentral ran und blieb auf links wirkungslos. In der Spitze war Cenk Tosun von Besiktas ein Fremdkörper, die ganze Offensivabteilung wirkte schlecht ausbalanciert. Und irgendwie pomadig.

Stand: 16.06.2016, 18:55

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