Die Schweizer auf der Suche nach einem Torjäger

Vor dem Spiel gegen Rumänien

Die Schweizer auf der Suche nach einem Torjäger

Von Benedikt Brinsa

Der Start der Schweizer in die Europameisterschaft verlief holprig. Trotz Überzahl und zahlreicher Torchancen zitterten sie sich zum 1:0-Sieg gegen Albanien. Ein Problem: Es fehlt ein Torjäger.

Es ist die 66. Minute. Schweiz gegen Albanien. Die Eidgenossen kontern. Breel Embolo bedient mit einem sehenswerten Pass durch die Schnittstelle der Innenverteidiger den gestarteten Haris Seferovic. Der Stürmer von Eintracht Frankfurt läuft alleine auf das Tor zu, scheitert im Eins-gegen-Eins aber an Albaniens Schlussmann Etrit Berisha. Eine Szene mit Symbolcharakter.

Die Schweizer spielten bei ihrem Turnierstart über weite Strecken gut nach vorne und hatten Torchancen für zwei bis drei Spiele. Das Problem lag eben im Abschluss. Ein Blick auf die Statistiken aus der vergangenen Saison der vier Offensivakteure, die gegen Albanien in der Startelf standen, zeigt die ungeschönte Wahrheit: Xherdan Shaqiri traf für Stoke in der Premier League drei Mal in 27 Spielen, Blerim Dzemaili für Genua in der Serie A ebenfalls drei Mal in 27 Spielen, Admir Mehmedi für Leverkusen in der Bundesliga zwei Mal in 28 Spielen und Haris Seferovic für Frankfurt drei Mal in 29 Spielen. Statistiken von Torjägern sehen anders aus.

Seferovic vergibt, Schär trifft

Und auch am Samstagnachmittag gegen Albanien klappte es nicht so richtig. Allein Haris Seferovic hatte mehrere super Einschussmöglichkeiten, scheiterte entweder wie in Minute 66 am albanischen Keeper oder an seinen Nerven. Symptomatisch, dass mit Fabian Schär ein Innenverteidiger in der fünften Minute den einzigen Treffer des Tages erzielte. "Wir haben es uns heute selbst schwer gemacht, wir müssen unsere Chancen besser nutzen", ärgerte sich der 24 Jahre alte Hoffenheimer. Am Ende des Tages mussten sich die Schweizer beim glänzend spielenden Torhüter Yann Sommer bedanken, dass die Abschlussschwäche nicht noch bestraft wurde. "Er ist ein überragender Torhüter. Ein starker Sommer ist nichts Neues", lobte Trainer Vladimir Petkovic.

Mit anderem Personal gegen Rumänien?

Glaubt man den Statistiken, sind die beiden treffsichersten Offensivakteure im Kader Breel Embolo und Eren Derdiyok. Beide standen gegen Rumänien nicht in der Startelf. Während Embolo, der derzeit bei RB Leipzig ganz oben auf dem Einkaufszettel steht, nach knapp einer Stunde für Mehmedi ins Spiel kam, musste der Ex-Leverkusener Derdiyok die Partie komplett von draußen verfolgen. Dabei sind die Werte im Vergleich zu den Teamkollegen vielversprechend: Der 19-jährige Emporkömmling Embolo netzte für Basel in dieser Saison immerhin zehn Mal in 27 Spielen ein, Derdiyok für Kasimpasa in der Türkei 13 Mal in 31 Spielen.

Der Trainer kritisierte nach der Partie in erster Linie die Einstellung seines Teams, bezeichnete sie als „überheblich.“ Alles in allem war es dann aber doch ein erfolgreicher Start in die Europameisterschaft. "Wir haben die drei Punkte und die kann uns keiner mehr nehmen. Jetzt können wir auf diesem wichtigen Erfolg aufbauen." Der Gegner im zweiten Gruppenspiel heißt Rumänien. Keine einfache Aufgabe für die Alpenrepublik, die sich auf jeden Fall steigern muss. Vor dem Turnier galten die Schweizer als eine Art Geheimfavorit light. Diesen Status haben sie durch den ersten Auftritt sicherlich verloren, aber ein treffsicherer Stürmer könnte die Nati wieder ganz schnell zurück in die Spur schießen. Embolo oder Derdiyok hätten sicher Lust.

Stand: 14.06.2016, 17:01

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