Letztes Gruppenspiel - Irland ist jedes Mittel recht

Irlands Co-Trainer Roy Keane

UEFA Euro 2016, Gruppe E: Vorbericht Italien - Irland

Letztes Gruppenspiel - Irland ist jedes Mittel recht

Von Frank Menke

Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Italien hauen die Iren verbal schwer auf die Pauke und verbreiten martialische Stimmung. Die Italiener zeigen sich unbeeindruckt.

Bei seinen zwei EM-Teilnahmen 1988 und 2012 hatte Irland die Vorrunde nicht überstanden. In Frankreich soll der historische Coup nun ausgerechnet beim letzten Gruppenspiel gegen Italien am Mittwoch (22.06.2016) endlich gelingen. Um die letzte Chance aufs Achtelfinale wahrzunehmen, ist den Iren offenbar jedes Mittel recht. "Du musst alles tun, was du kannst, um das richtige Ergebnis zu erzielen. Und wenn es ein Foul sein muss, dann foul ihn. Das ist kein Verbrechen", sagte Co-Trainer Roy Keane martialisch. In Sachen Matchplan legte das frühere Spieler-Raubein nach: "Du musst Opfer für deine Mannschaft bringen. Wir sind nicht hier, um uns Freunde zu machen. Dafür sind unsere Fans da."

Die Voraussetzungen für das Erreichen der K.o.-Runde sind allerdings nicht gerade günstig. Alles andere als ein Dreier gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Italiener wäre zuwenig für die "Green Army". Der bislang letzte irische Erfolg bei einer EM datiert von 1988. Damals feierte man einen süßen 1:0-Sieg gegen England.

Tardelli schießt zurück

"Mut und Eier", fordert Keane ein für die Schlacht gegen Italien. Marco Tardelli, bis vor drei Jahren an der Seite von Giovanni Trapattoni Keanes Vorgänger als Co-Trainer, hat da so seine Bedenken, dass das ausreicht. Er nämlich hält die irischen Spieler, salopp formuliert, für Dummköpfe: "Sie haben Probleme, das Spiel taktisch zu verstehen. Sie kapieren nicht, dass Fußball auch eine intellektuelle Angelegenheit ist."

Deutschland als Inspiration

Shane Long bejubelt das 1:0 Irlands gegen Deutschland in der EM-Qualifikation

Inspiration: das legendäre 1:0 gegen Deutschland

Die Iren setzen aber nicht nur auf ein, vorsichtig formuliert, robustes körperliches Auftreten. Als besonderer "Scharfmacher" dient eine Partie gegen Deutschland. Am 8. Oktober 2015 bezwang der Außenseiter "La Mannschaft" in der EM-Qualifikation mit 1:0 und schaffte dadurch die Teilnahme an den Playoffs. "Es war außergewöhnlich, ein großartiger Moment. Daraus haben wir die Inspiration gezogen, uns in den Playoffs gegen Bosnien durchzusetzen. Daraus ziehen wir auch jetzt unsere Inspiration", sagte Trainer Martin O'Neill.

Verzichten müssen die Iren dabei aller Voraussicht nach auf Jonathan Walters. Der Angreifer war nach seiner wieder aufgebrochenen Achillessehnenverletzung im ersten Spiel beim 1:1 gegen Schweden ausgewechselt worden. "Er hat nicht trainiert und ist sehr fraglich für das Spiel", sagte O'Neill.

Italien mit neun Neuen?

Im italienischen Lager nimmt man das Ballyhoo der Iren gelassen. Kein Wunder, die besten Azzurri müssen sowieso nicht befürchten, von der "Green Army" attackiert zu werden. Italienischen Medienberichten zufolge dreht Nationaltrainer Antonio Conte ganz heftig am Rotationsrad. Demnach wird der Coach gegen Irland neun neue Spieler bringen.

Italiens Ciro Immobile

Italiens Ciro Immobile

Nur Abwehrspieler Andrea Barzagli und Alessandro Florenzi auf der linken Außenbahn sollen in der Startelf bleiben. Demnach stehen der Ex-Dortmunder Ciro Immobile im Sturm und Thiago Motta von Paris St. Germain im Mittelfeld vor ihrem Startelf-Debüt. Auch der erkältete Torhüter Gianluigi Buffon wird wohl geschont. Für den 38-Jährigen soll Salvatore Sirigu, beim französischen Meister Paris Saint-Germain Konkurrent des deutschen Torwarts Kevin Trapp, zwischen den Pfosten stehen.

Ramponierter Rasen ein Vorteil für die Iren?

Irlands Trainer O'Neill überrascht das italienische Bäumchen-wechsel-dich nicht: "Das ist Turnierfußball. Keiner weiß besser als die Italiener, wie wichtig es ist, den Spielern eine Pause zu geben, wenn es möglich ist." Und womöglich spielt nicht nur die italienische B-Elf den Kampf-Iren in die Karten. Der ramponierte Rasen im Stade Pierre Mauroy in Lille wird zwar ausgetauscht, aber erst nach dem irischen "Endspiel" gegen die Italiener.

Stand: 22.06.2016, 08:00

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