Roy Keane - Irlands "Bad, bad Cop"

Ex-Nationalspieler ist Assistenztrainer seines Landes

Roy Keane - Irlands "Bad, bad Cop"

Von Frank van der Velden

Irlands Ex-Nationalspieler Roy Keane gilt als Fußball-Rüpel. Doch gemeinsam mit Coach Martin O’Neill hat er den "Boys in green" neues Leben eingehaucht. Und der hält große Stücke auf Keane.

Als Martin O’Neill kurz nach seiner Verpflichtung als Irlands Fußball-Nationaltrainer darum bat, ihm Roy Keane als Co-Trainer zur Seite zu stellen, da wird dem ein oder anderen Verantwortlichen im irischen Verband wohl die Kinnlade herunter gefallen sein.

Denn Keane ist der geborene "Bad Boy", ein Rüpel - und dieses Image pflegt er, wann immer er kann. Im und rund ums Nationalteam hat er schon als Spieler für jede Menge Ärger gesorgt. Doch da die irischen Fans den ehemaligen Kapitän der "Boys in green" lieben, erfüllten sie O'Neill seinen Wunsch.

Vertrag verlängert

Bereut haben sie es wohl nicht. Das Trainer-Duo führte die Iren zur Fußball-EM in Frankreich. Für das kleine Land ist es die dritte EM-Teilnahme. Am Montag (13.06.16) spielt das Team zum Auftakt der Gruppe E gegen Schweden. Kurz vor dem Abflug nach Frankreich hat der irische Verband die Verträge der beiden um zwei weitere Jahre verlängert. 2013 hatten sie die Auswahl  von Giovanni Trapattoni übernommen.

O'Neill über Keane: "Absolute Führungsfigur"

"In der Kabine ist er eine absolute Führungsfigur", sagt  O’Neill über seinen 45-jährigen Assistenten. Der trifft gegenüber den Spielern wohl den richtigen Ton. Hart zwar, aber wohl auch motivierend. Beide bilden jedenfalls ein sehr erfolgreiches Gespann. "Ich bin der Bad Cop - und er ist der Bad, Bad Cop", sagt O'Neill, der selbst nicht als sonderlich zimperlich gilt. Das Duo wird dafür gelobt, dem Team neuen Geist eingehaucht zu haben. "Er ist ein Phänomen, ein Idol und ich könnte nicht zufriedener mit ihm sein", sagt O’Neill über das enfant terrible.

Kluger Spielgestalter und eisenharter Abräumer

Keane war einer der besten Mittelfeldspieler seiner Zeit. Er war kluger Spielgestalter und eisenharter Abräumer in einer Person, scheute keinen Zweikampf, keinen Streit. Von seinem irischen Heimatverein Cobh Ramblers wechselte er schon im Alter von 18 Jahren in die englische Premier League zu Nottingham Forest. Danach ging es zu Manchester United, wo er in zwölf Jahren sieben Meisterschaften, vier FA-Cup-Triumphe und den Sieg in der Champions League feierte. 2006 ließ er seine Karriere beim schottischen Klub Celtic Glasgow ausklingen. Auch seine Karriere in der Nationalmannschaft beendete er damals - nach 67 Länderspielen. Gleich danach versuchte er sich als Trainer. Bei den englischen Zweitligisten AFC Sunderland und Ipswich Town war er jedoch wenig erfolgreich. Zwischenzeitlich war er auch Co-Trainer beim Premier-League-Klub Aston Villa.

"Du englische....."

Die "Strafakte" des Roy Keane ist lang. Abgesehen von der einen oder anderen Schlägerei schlug er auch verbal oft über die Stränge. So verpasste er die WM 2002, weil er im Trainingslager so stark mit Trainer Mick McCarthy aneinander geraten war, dass der ihn ausbootete. "Mick, du kannst dir deine WM in den Arsch schieben", ist als Kommentar von Keane überliefert. Schon ein Jahr zuvor war Keane gegenüber McCarthy wenig diplomatisch: "Du warst ein mieser Spieler, und du bist ein mieser Trainer. Der einzige Grund, warum ich mich mit dir abgebe, ist, dass du irgendwie der Trainer meines Landes bist. Und du bist nicht mal Ire, du englische ….", soll Keane gesagt haben - wobei sich die Anwesenden an die Tirade von Schimpfwörtern, die anschließend folgte, nicht genau erinnern können.

"Ein fauler Abwehrspieler"

Später zog er im hauseigenen TV-Sender des Klubs über seine Mitspieler bei Manchester United her. Rio Ferdinand sei "ein schwacher Verteidiger", Kieran Richardson "ein fauler Abwehrspieler", und Alan Smith, der "läuft hier rum, als hätte er sich verirrt". Seinem Trainer Alex Ferguson riet er: "Statt neue Spieler zu verpflichten, sollten wir einige rausschmeißen." Auch als Experte beim TV-Sender ITV gab Keane am liebsten den "Grumpy Old Man". Auch das Fernseh-Engagement machte ihn nicht glücklich, wie er später in seinem Buch "The Second Half" schrieb: "Ich habe den gleichen Bullshit erzählt wie die anderen."

Keane schonungslos - auch gegenüber sich selbst

In seiner ersten Biographie hatte Keane sich zuvor über sein schweres Foul an Alf-Inge Haaland ausgelassen, das auch die hartgesottenen englischen Fußball-Kommentatoren erschreckt hatte. Die üble Attacke, so Keane, sei volle Absicht gewesen. "Ich wartete bis fünf Minuten vor Schluss. Ich traf ihn sehr hart. Da! Nimm das", schrieb Keane. Hintergrund: Jahre zuvor hatte sich Keane bei einem harmlosen Zweikampf mit Haaland das Kreuzband gerissen und wurde vom Norweger als Schauspieler bezeichnet.

In seinem zweiten Buch outete Keane sich später als "Choleriker" und "tickende Zeitbombe" und berichtete von Tendenzen der Selbstzerstörung, Alkoholmissbrauch, einer Lebenskrise. Und das alles sei wahrscheinlich aus mangelndem Selbstbewusstsein geschehen, schrieb Keane - ausnahmsweise sich selbst gegenüber schonungslos.

O'Neill: "Die beste Entscheidung"

O'Neill ist das alles recht egal. "Er polarisiert oft, ja. Aber wir stehen alle an seiner Seite und sind sehr glücklich mit ihm", sagt der Nordire: "Keane zu holen war die beste Entscheidung, die ich getroffen habe."

Stand: 13.06.2016, 07:30

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