Krieg der Worte - Bale legt sich mit England an

Der Star von Wales sucht den Infight

Krieg der Worte - Bale legt sich mit England an

Von Christian Hornung

Um mit diesen Provokationen klarzukommen, brauchen die Engländer ihren berühmten Humor. Wales-Superstar Gareth Bale neckt den großen Bruder vor dem Duell gleich auf mehreren Ebenen. Dabei hat England genug mit sich selbst zu tun.

Angst vor großen Namen hat dieser Gareth Bale jedenfalls nicht. Muss er auch nicht. Er muss sich im Vereinsalltag neben einem Ronaldo seinen Raum schaffen, und das gelingt ihm durchaus respektabel. Warum sollte er also vor England einknicken? Bale denkt gar nicht daran.

"Kennen ihre Schwächen"

Also packt er den Gegner vom Donnerstag (16.06.16) einfach mal beim Stolz. "Ich habe nicht gesagt, dass sie keinen haben", foppt der Weltklasse-Offensivmann die Engländer, die trotz guter Leistung im Gegensatz zu Wales eben nicht mit einem Sieg in die Euro gestartet sind. "Ich glaube nur, wir haben mehr Stolz."

Also wird ihm auch egal sein, dass Englands Teammanager Roy Hodgson diese Einschätzung nicht so wirklich mit Humor nehmen konnte oder wollte. "Respektlos" zischte Hodgson sichtlich angefressen zurück. Aber Bale giftet lächelnd weiter. "Ja, klar, England hat schon ein sehr gutes Team", säuselt er, um gleich hinterherzuschicken: "Aber wir kennen ihre Schwächen."

Sechs Top-Angreifer - aber Spott

Dass diese in der englischen Heimat nach dem 1:1 gegen die Russen ausgerechnet in der Offensivabteilung ausgemacht werden, hätte man vor dem Turnier auch nicht vermutet. Über gleich sechs hochkarätige Angreifer verfügt das von Wayne Rooney angeführte Team und leistete sich den Luxus, beim Auftakt den Meister-Stürmer Jamie Vardy ebenso wie Daniel Sturridge vom FC Liverpool oder Manchester Uniteds Juwel Marcus Rashford auf der Bank zu lassen.

Englands ehemaliger Ausnahmeangreifer Alan Shearer macht sich zu Hause bereits große Sorgen, hält beispielsweise den auf der Neun gesetzten Harry Kane für "müde und überspielt". Sogar Spott macht sich bereits breit ob der bizzaren Entscheidung von Hodgson, den kopfballstarken Kane plötzlich zum Freistoß- und Eckenschützen zu ernennen. "Demnächst tritt er noch die Abstöße", ätzte die Presse.

"Nächste Stufe erreicht"

Genau in die Kerbe dieser aufkommenden Selbstzweifel treffen England dann auch noch die Einlassungen von Bale. "Wir haben einen tollen Teamspirit, den besten, den ich kenne. Das ist meine Meinung", schwärmt er von sich und seinen Teamkollegen. "Wales hat die nächste Stufe erreicht. Man fühlt es auf dem Platz oder wenn du es im Fernsehen siehst."

Vermutlich hätten sie bei den Three Lions auch schon erraten können, was Bale auf die Frage antwortete, welcher Engländer denn einen Platz im walisischen Nationalteam hätte. Ohne zu zögern antwortete er: "Keiner."

Stand: 16.06.2016, 08:00

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