Kevin De Bruyne sucht nach seiner Form

UEFA Euro 2016 - Ungarn gegen Belgien

Kevin De Bruyne sucht nach seiner Form

Von Marco Schyns

Belgien hochbegabte Truppe hat es ins EM-Achtelfinale geschafft. Dennoch konnten einige Stars, allen voran Kevin De Bruyne, noch nicht überzeugen. Gegen Ungarn soll sich das ändern.

Von besonders talentierten Spielern wird besonders viel erwartet. Bei dieser Fußball-Europameisterschaft trifft das vor allem auf die Belgier zu. Zweifellos hat Nationaltrainer Marc Wilmots eine hochbegabte Truppe beisammen, doch entscheidende Spieler finden nur mühsam zu ihrer Form. Allen voran Belgiens teuerster und meistumschwärmter Spieler, Kevin De Bruyne.

Der Ex-Wolfsburger ist bei dieser EM noch ohne eigenen Treffer, von seinen elf Torschüssen war nicht einmal eine handvoll wirklich gefährlich. Sein bestes Spiel absolvierte er beim 3:0-Sieg gegen Irland am zweiten Spieltag - da allerdings überzeugte Belgiens Offensive im Kollektiv, zumindest in der zweiten Hälfte.

Nach dem eher glücklichen Sieg über Schweden (1:0) am letzten Gruppenspieltag wartet im Achtelfinale am Sonntagabend (26.06.16) nun Überraschungsteam Ungarn. Will man seiner Favoritenrolle gerecht werden, braucht es in der K.o.-Runde auch einen De Bruyne in Bestform.

Wilmots nimmt de Bruyne in Schutz

In den belgischen Medien waren dD Bruyne und dessen Teamkollege Eden Hazard schon nach dem enttäuschenden Auftaktspiel gegen Italien (0:2) in die Kritik geraten. Wilmots nahm De Bruyne damals in Schutz. "Kevin hat schon so viel für das Nationalteam getan, ich werde ihn jetzt nicht hinrichten", sagte Wilmots und gab gleichzeitig zu, dass De Bruyne womöglich nicht bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit gewesen ist: "Ob er müde ist nach einer langen Saison? Vielleicht."

Zwei Spiele sind seither vergangen. Bei 100 Prozent ist De Bruyne noch lange nicht, aber Wilmots hält an seinem Spielmacher fest. Anders als gegen Italien durfte De Bruyne gegen Irland und Schweden im Zentraum agieren, hinter der einzigen Spitze Romelu Lukaku. Nicht erst die vergangene Saison bei Manchester City hat gezeigt, dass ihm diese Position besser liegt.

Überragende Statistiken

In der abgelaufenen Saison kam der 24-Jährige auf 25 Einsätze in der Premier League. Mit sieben Treffern und neun Torvorlagen gehörte er zu Citys Top-Scorern. An seine Fabelsaison 2014/15 beim VfL Wolfsburg kam der Belgier aber nicht heran. 51 Pflichtspiele, 16 Tore, 28 Torvorlagen. Eine Bilanz, die es Manchester City wert war, rund 75 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler auf den Tisch zu legen.

De Bruyne hat turbulente Monate hinter sich

Auch im Nationalmannschaftstrikot kann sich De Bruynes Statistik durchaus sehen lassen, obwohl die Formkurve klar nach unten zeigt. In den letzten fünf Länderspielen gelang De Bruyne kein Treffer, in den sechs Partien zuvor waren es fünf Tore. Genau dazwischen liegt die Geburt seines Sohnes Mason Milian, möglicherweise hat das die Prioritäten des Profis ein wenig verschoben.

Zumindest Wilmots führt das als mögliche Erklärung für dessen Leistungsschwankungen in den letzten Wochen und Monaten an. "Er ist nur ein Mensch. Er hat jetzt Familie, er wurde transferiert", wirbt Wilmots um Verständnis für seinen Star, der zudem nach einer Knievcerletzung zu Beginn des EM-Jahres monatelang pausieren musste. "Der letzte Pass stimmt noch nicht, aber er hat sein Lachen wiedergefunden."

EM-Titel als Maßstab

Der Spieler selbst lässt die Kritik der Medien nicht an sich ran. "Damit kann ich leben", reagiert De Bruyne gelassen. "Ich habe nicht an mir gezweifelt. Ich weiß, was ich kann." Auch Wilmots weiß das. Der Coach kennt den Stellenwert seiner Ausnahmekönner. Zu denen zählt neben De Bruyne auch Kapitän Eden Hazard.

Sollte der Knoten bei beiden Spielern in der K.o.-Runde platzen, wären die Belgier womöglich nur schwer aufzuhalten, auf ihrem Weg Richtung EM-Finale. Auch wenn es keiner in der Mannschaft so richtig aussprechen will - in der Heimat wird der Titel, oder zumindest das Finale, erwartet. Schließlich waren die Chancen nie besser als mit dieser "Goldenen Generation".

"Star ist die Mannschaft"

Hazard, der nur wegen des des verletzungsbedingten Fehlens von Innenverteidiger Vincent Kompany Kapitän der Mannschaft ist, gilt als Anführer der jungen Truppe. Der Offensivspieler des FC Chelsea sieht sich aber keineswegs als Star des Teams. "Ich denke vielmehr, dass es die Medien sind, die mich dazu machen wollen. Der Star, das bin nicht ich, sondern die Mannschaft", sagte der 25-Jährige.

Das Gleiche gelte auch für de Bruyne. "Natürlich geht es immer besser", so Hazard weiter. "Aber wir haben nicht schlecht gespielt." Gegen die kämpferischen Ungarn, die vor der EM eher belächelt wurden, bedarf es aber einer Leistungssteigerung - vor allem von Kevin De Bruyne. Wilmots jedenfalls ist zuversichtlich: "Er kann ein Schlüsselspieler werden."

Stand: 26.06.2016, 08:30

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