Die Regularien der Fußball-EM

Der Spielball der EURO 2016

Bestimmungen, Regeln, Anforderungen

Die Regularien der Fußball-EM

Von Chaled Nahar

Die Regularien der Fußball-EM sind lang und teilweise kompliziert. sportschau.de erklärt, wann noch ein Spieler nachnominiert werden kann, wie hoch die Grashalme im Stadion sein dürfen und was passiert, wenn bei der Ausführung eines Elfmeters der Ball platzt.

Regeländerungen bei "Dreifachbestrafung", Anstoß und Strafstoß

Das International Football Association Board (IFAB) hat im Frühjahr eine Vielzahl von Regeländerungen im Fußball beschlossen. Diese traten am 1. Juni 2016 in Kraft und werden damit bei der EURO Gültigkeit haben.

Darunter ist ein Dauerthema: Die von Gegnern als "Dreifachbestrafung" kritisierte Kombination aus Elfmeter, Platzverweis und Sperre bei einer Notbremse im Strafraum wird abgeschwächt. Der Schiedsrichter kann ab sofort nur eine Gelbe Karte zu zeigen, wenn der Angriff des Abwehrspielers dem Ball galt. Damit wird der Fall zur Auslegungssache des Schiedsrichters.

Weitere Änderungen, die das gewohnte Verhalten der Spieler direkt betreffen, sind die Regeln beim Anstoß und beim Strafstoß. Bei einem Anstoß muss der Ball nun nicht mehr nach vorne gespielt werden. Beim Strafstoß darf der Spieler den Anlauf künftig nicht mehr abstoppen, nur noch verzögern. Sonst gibt es indirekten Freistoß für den Gegner. Rote Karten sind nun auch vor dem Anpfiff möglich, in der Halbzeit und nach Spielschluss waren sie es bereits.

Die Kader vor dem Turnier

Jeder Kader umfasst 23 Spieler, den die Verbände der UEFA bis zehn Tage vor Turnierbeginn melden mussten. Drei Spieler müssen Torhüter sein. Einer der Torhüter muss die Rückennummer 1 tragen, die restlichen Nummern dürfen frei verteilt werden. Ein Gang zum Einwohnermeldeamt lohnt sich - denn spielberechtigt sind nur Spieler, die einen gültigen Reisepass oder Personalausweis vorweisen können.

Sollte einen Spieler vor dem ersten Spiel eine schwere Verletzung oder Erkrankung ereilen, kann auf Antrag bei der UEFA und nach ärztlicher Untersuchung ein Spieler nachnominiert werden. Die 24 Teams müssen spätestens fünf Tage vor ihrem ersten Spiel in ihrem Mannschaftsquartier sein. Nach dem ersten Spiel sind auch bei Verletzungen laut UEFA keine Nachnominierungen mehr möglich, die Mannschaften müssen mit den 23 Spielern auskommen.

Die Kader im Spielbetrieb

Grundsätzlich ist der gesamte Kader bei jedem Spiel spielberechtigt. Das bedeutet, dass bis zu zwölf Ersatzspieler auf der Bank sitzen (in der Bundesliga sind es nur sieben) und bis zu drei von ihnen eingewechselt werden können. Die Startelf muss spätestens 75 Minuten vor dem Anpfiff benannt werden. Verletzt sich vor Spielbeginn noch einer dieser Spieler - wie beispielsweise Sami Khedira beim WM-Endspiel 2014 - darf er ersetzt werden, ohne dass das Wechselkontingent belastet wird. Während des Spiels dürfen sich drei Ersatzspieler einer Mannschaft gleichzeitig aufwärmen. Ist genügend Platz vorhanden, kann der Schiedsrichter bis zu sieben Spielern erlauben, sich bereit zu machen.

24 Stunden vor Anpfiff müssen die Mannschaften "in ihrem Transferhotel sein oder sich im Umkreis von 60 Kilometern um das Stadion aufhalten", heißt es im Reglement. Im Stadion müssen alle Spieler spätestens 75 Minuten vor dem Anpfiff sein.

Spielfläche

Weniger als 30 Millimeter? Olivier Giroud auf dem Rasen von Saint-Denis

Weniger als 30 Millimeter? Olivier Giroud auf dem Rasen von Saint-Denis

Die Grashalme der EM-Stadien dürfen nicht höher als 30 Millimeter sein, die gesamte Fläche muss gleich hoch geschnitten sein. Der Schiedsrichter kann auf Verlangen den Rasen mähen lassen. Bei der Endrunde ist nur Naturrasen erlaubt, in der Qualifikation waren Spiele auf Kunstrasen möglich.

Beide Mannschaften dürfen am Tag vor dem Spiel bis zu einer Stunde auf dem Spielfeld trainieren, sofern der Zustand des Spielfeldes dies zulässt.

Trikots

Die im offiziellen Spielplan erstgenannte Mannschaft ist die Heimmannschaft. Diese trägt grundsätzlich ihre Heimtrikots, das andere Team muss dann gegebenenfalls ausweichen.

Gruppenphase/Ermittlung der Achtelfinalisten

16 aus 24: Vier Gruppendritte kommen ins Achtelfinale

16 aus 24: Vier Gruppendritte kommen ins Achtelfinale

In den sechs Gruppen spielt jeder gegen jeden, es gilt die Drei-Punkte-Regel. Am letzten Gruppenspieltag werden die Spiele einer Gruppe gleichzeitig angepfiffen.

Bei Punktgleichheit von zwei oder mehr Mannschaften am letzten Spieltag entscheidet nicht wie in der Bundesliga das Torverhältnis, sondern zunächst der direkte Vergleich.

Am letzten Spieltag wird es abgesehen vom direkten Vergleich noch komplizierter: Erstmals nehmen 24 Mannschaften an der EM teil. Da diese Zahl nicht durch 16 teilbar ist, ist ein Achtelfinale schwieriger zusammenzustellen als früher - also ziehen wie bei den Weltmeisterschaften 1986 bis 1994 die vier besten der sechs Gruppendritten in die Runde der letzten 16 ein.

Und die werden wie folgt ermittelt: Unter den sechs Gruppendritten wird eine eigene Tabelle erstellt. Bei Punktgleichheit sind mangels Direktbegegnungen die Tordifferenz und später die mehr erzielten Tore ausschlaggebend (bei Gleichstand erst Fairplay-Wertung, dann UEFA-Koeffizient). Die besten vier Mannschaften dieser Tabelle kommen weiter und treffen im Achtelfinale auf die vier Sieger der Gruppen A, B, C und D. Aus den Gruppen E und F kann keine Mannschaft auf einen der vier besten Gruppendritten spielen. Wer gegen wen spielt, hängt davon ab, aus welchen Gruppen die Dritten weiterkommen.

Beste Dritte aus den GruppenSieger Gruppe A gegenSieger Gruppe B gegenSieger Gruppe C gegenSieger Gruppe D gegen
A, B, C, D3. Gruppe C3. Gruppe D3. Gruppe A3. Gruppe B
A, B, C, E3. Gruppe C3. Gruppe A3. Gruppe B3. Gruppe E
A, B, C, F3. Gruppe C3. Gruppe A3. Gruppe B3. Gruppe F
A, B, D, E3. Gruppe D3. Gruppe A3. Gruppe B3. Gruppe E
A, B, D, F3. Gruppe D3. Gruppe A3. Gruppe B3. Gruppe F
A, B, E, F3. Gruppe E3. Gruppe A3. Gruppe B3. Gruppe F
A, C, D, E3. Gruppe C3. Gruppe D3. Gruppe A3. Gruppe E
A, C, D, F3. Gruppe C3. Gruppe D3. Gruppe A3. Gruppe F
A, C, E, F3. Gruppe C3. Gruppe A3. Gruppe F3. Gruppe E
A, D, E, F3. Gruppe D3. Gruppe A3. Gruppe F3. Gruppe E
B, C, D, E3. Gruppe C3. Gruppe D3. Gruppe B3. Gruppe E
B, C, D, F3. Gruppe C3. Gruppe D3. Gruppe B3. Gruppe F
B, C, E, F3. Gruppe E3. Gruppe C3. Gruppe B3. Gruppe F
B, D, E, F3. Gruppe E3. Gruppe D3. Gruppe B3. Gruppe F
C, D, E, F3. Gruppe C3. Gruppe D3. Gruppe F3. Gruppe E

Verlängerung

In der K.o.-Runde ab dem Achtelfinale kommt es bei einem Gleichstand nach der regulären Spielzeit zu einer Verlängerung. Golden Goal (1996, 2000) und Silver Goal (2004) gibt es schon länger nicht mehr. Bei einem Unentschieden finden klassisch zwei Mal 15 Minuten Verlängerung statt. Ist auch danach keine Entscheidung gefallen, wird der Sieger im Elfmeterschießen ermittelt.

Elfmeterschießen

Der Schiedsrichter bestimmt das Tor durch Münzwurf. Er kann aber auch selbst entscheiden, welches Tor verwendet wird, wenn beispielsweise die Sicherheit oder der Spielfeldzustand dies seiner Meinung nach erfordern.

Teilnahmeberechtigt sind nur die elf Spieler einer Mannschaft, die bis zum Schlusspfiff der Verlängerung gespielt haben. Ist eine Mannschaft beispielsweise durch Platzverweise oder Verletzungen kleiner als die andere, muss die größere Mannschaft entsprechend viele Spieler aussortieren. Das gilt neuerdings auch bei einem Platzverweis während des Elfmeterschießens. Der Grund dafür ist, das eine dezimierte Mannschaft nicht den Vorteil erhalten soll, schneller wieder ihren vermeintlich besten Schützen antreten lassen zu können.

Ein Spieler darf erst ein zweites Mal einen Elfmeter schießen, wenn alle anderen teilnahmeberechtigten Spieler seiner Mannschaft inklusive Torwart geschossen haben. Die Reihenfolge bestimmen die Teams selbst, der Schiedsrichter muss nicht informiert werden.

Wenn sich ein Torwart während oder unmittelbar vor dem Elfmeterschießen verletzt, darf er durch einen der gemeldeten Einwechselspieler ersetzt werden - sofern die Mannschaft noch nicht drei Mal gewechselt hat. Andernfalls muss ein Feldspieler ins Tor gehen, was übrigens auch unterschiedliche Feldspieler tun können. Wer also aus sportlichen Erwägungen einen Torwartwechsel vornehmen will, muss das in der Verlängerung tun - so wie Niederlandes Trainer Louis van Gaal bei der WM in Brasilien.

Tim Krul kommt in der 120. Minute des WM-Viertelfinals 2014 für Jasper Cillessen ins Spiel

Tim Krul kommt in der 120. Minute des WM-Viertelfinals 2014 für Jasper Cillessen ins Spiel

Für den Hinterkopf: Wenn der Ball nach der Ausführung des Elfmeters platzt, bevor er Pfosten, Latte oder Torhüter berührt, wird er wiederholt - das besagen die Spielregeln der FIFA.

Spielabbruch

Kommt es zu einem Spielabbruch - beispielsweise durch das Wetter - wird das Spiel zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt. Dann werden nur die verbleibenden Spielminuten nachgeholt, neu angepfiffen wird die Partie dann nicht. "Das Spiel ist an der Stelle der letzten Aktion vor dem Spielabbruch wieder aufzunehmen", besagen die Regularien. Alle Auswechselungen und Platzverweise aus den Minuten vor dem Abbruch behalten ihre Gültigkeit.

Sperren

Andreas Möller wird im Halbfinale 1996 von Schiedsrichter Sandor Puhl verwarnt

Andreas Möller wird im Halbfinale 1996 von Schiedsrichter Sandor Puhl verwarnt

Gelbe Karten und Sperren aus dem Qualifikationswettbewerb spielen keine Rolle, sie sind verfallen. Nach der zweiten und vierten Gelben Karte erfolgt eine Sperre von einem Spiel. Einzelne Verwarnungen verfallen nach dem Viertelfinale, eine Sperre im Endspiel ist damit nicht möglich. Das war früher anders, Andreas Möller beispielsweise hatte so das EM-Finale 1996 noch verpasst.

Torlinientechnik

Bei der UEFA war man lange gegen die Torlinientechnik und setzte auf zwei sogenannte zusätzliche Schiedsrichterassistenten. Im Januar entschied sich die UEFA, bei der EURO 2016 das technische Hilfsmittel zuzulassen, trotzdem kommen weiterhin die zusätzlichen Asssistenten zum Einsatz. Die UEFA nutzt wie die Bundesliga das System "Hawk Eye". Bei der WM in Brasilien war das Konkurrenzprodukt "Goal Control" zum Einsatz gekommen.

Proteste

Will ein Verband Protest gegen die Wertung eines Spiels einlegen, muss das bis spätestens zwölf Stunden nach Spielende passiert sein.

Doping

Doping ist im Fußball ein oft kleingeredetes Problem. "Doping ist verboten und wird bestraft", heißt es im Reglement. Bei Verstößen droht die UEFA mit Disziplinarverfahren. Die UEFA hat auch für das Vorfeld der EM Kontrollen angekündigt und weist auf eine enge Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hin. In Frankreich werden bei jedem Spiel mindestens zwei Spieler von jedem Team ausgewählt, die Blut- und Urinproben abgeben müssen. Auf die Kader gerechnet sind das allerdings weniger als zehn Prozent der Spieler. Zwischen den Spielen können ebenfalls Tests stattfinden.

TV-Bilder im Stadion

Die Spiele werden direkt auf die Videoleinwände übertragen. Allerdings dürfen dort keine Bilder gezeigt werden, die Einfluss auf das Spiel haben könnten - also beispielsweise Belege für eine Fehlentscheidung. Die Bilder dürfen nicht gezeigt werden, wenn sie Zuschauerausschreitungen provozieren oder "den Ruf, die Stellung oder die Autorität eines Spielers, Schiedsrichters, Offiziellen und/oder eines Dritten im Stadion" beschädigen könnten, so das Reglement. Die Offiziellen und Spieler auf der Ersatzbank dürfen während des Spiel keinen Zugang zu anderen Bildern haben.

Trophäe

Casillas (l.) und Xavi 2012 mit dem aktuellen Pokal, Otto Rehhagel (r.) 2004 mit dem alten.

Casillas (l.) und Xavi 2012 mit dem aktuellen Pokal, Otto Rehhagel (r.) 2004 mit dem alten.

Der Henri-Delaunay-Pokal wurde 2008 modifiziert. Der neue Pokal ähnelt im Wesentlichen dem Vorgänger, ist allerdings größer und hat keinen Marmorsockel mehr, da dieser als zu schwer befunden worden war. Die Rechnung für den neuen Pokal betrug 15.400 Euro. Die Trophäe ist ein ewiger Wanderpokal, der Sieger erhält eine Nachbildung in Originalgröße. Wenn ein Land ihn drei Mal in Folge oder insgesamt fünf Mal gewonnen hat, erhält "ein spezielles Zeichen der Anerkennung", sagt die UEFA. Das könnte in diesem Jahr auf Spanien zutreffen, das 2008 und 2012 Europameister war. Der Sieger erhält 40 Gold-, der Finalist 40 Silbermedaillen.

Stand: 28.03.2016, 16:24

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