Modric schießt Kroatien volley zum Sieg

UEFA Euro 2016, Gruppe D: Türkei - Kroatien 0:1

Modric schießt Kroatien volley zum Sieg

Von Jörg Strohschein

Kroatien ist mit einem Sieg gegen die Türkei in das EM-Turnier gestartet und seiner Favoritenrolle überzeugend gerecht geworden.

Am Ende war es ein verdienter 1:0-Sieg der Kroaten gegen die Türkei, mit dem die Mannschaft zum Auftakt in Gruppe D im Pariser Prinzenparkstadion einen ersten großen Schritt in Richtung K.o.-Runde gemacht hat. Luka Modric erzielte mit einem sehenswerten Distanzschuss den entscheidenden Treffer.

Kroatien dauerhaft überlegen

Das Team von Trainer Ante Cacic war seinem Gegner nahezu über die gesamte Spielzeit überlegen, verpasste es aber, aus seinen zahlreichen Gelegenheiten einen deutlicheren Vorsprung herauszuspielen. Die Türken werden sich in den zwei weiteren EM-Partien deutlich steigern müssen, wollen sie die Vorrunde überstehen.

"Es war ein gutes Spiel, am Ende hat die bessere Mannschaft den Sieg eingefahren. Vielleicht hätten wir noch das zweite Tor machen müssen, dann hätten wir früher Ruhe gehabt", sagte Kroatiens Mittelfeldspieler Ivan Rakitic. "Wir haben die schwerste Gruppe erwischt. Natürlich genießen wir den Erfolg, müssen uns aber sofort auf die nächsten Spiele vorbereiten. Wenn wir ausscheiden, ist er nichts wert"

Sofort mit dem Anpfiff legten die Kroaten ein hohes Tempo an den Tag. Und dieser Überraschungseffekt hätte beinahe für die frühe Führung sorgt. Allerdings zielte Rakitic nach einer Minute mit seiner Direktabnahme nach Pass von Darijo Srna nicht genau genug. Die intensive Druckphase der Kroaten dauerte aber lediglich fünf Minuten an, im Anschluss agierten beide Mannschaften zunächst auf Augenhöhe.

Beide Teams riskieren zunächst wenig

Aber sowohl die Kroaten als auch die Türken setzten vor allem auf ihre kämpferischen Qualitäten und versuchten, das Kombinationsspiel des Gegners frühestmöglich zu unterbinden. Daraus resultierte lange Zeit hektische Partie mit unzähligen Ballverlusten und vielen Unterbrechungen nach Mittelfeld-Zweikämpfen. Die großen technischen Möglichkeiten beider Mannschaften blieben weitestgehend im Verborgenen.

Torgelegenheiten gab es in der ersten Hälfte zudem kaum, weil beide Teams in erster Linie Wert auf ihre Defensivstrategie legten und kein Risiko eingehen wollten, um nicht ausgekontert zu werden. Insgesamt strahlten die Kroaten aber ein wenig mehr Torgefahr aus, jedoch fehlte ihnen lange Zeit die nötige Durchsetzungsfähigkeit und die Präzision, etwa bei aussichtsreichen Distanzschüssen von Milan Badelj oder auch Mario Mandzukic.

Modric trifft mit Mut und Präzision

Modric machte es dann aber nach 41 Minuten deutlich besser als seine Kollegen. Der 30-Jährige drosch einen abgewehrten Ball mit viel Mut volley aus rund 20 Metern Entfernung in die Maschen des türkischen Tores. Torhüter Volkan Babacan reagierte zu spät.

Die Türkei entwickelte in der ersten Hälfte lediglich eine große Chance, als sie eine der wenigen Kontergelegenheiten ausnutzte und Mittelfeldspieler Ozan Tufan aus kurzer Distanz nahezu unbedrängt zum Kopfball kam. Torhüter Danijel Subasic parierte die Kugel mit einem sehenswerten Rettungsaktion.

Überlegenheit Kroatiens setzt sich fort

Die Überlegenheit der Kroaten setzte sich auch in der zweiten Hälfte fort. Sie blieben das gefährlichere, das ambitioniertere Team. Nach 52 Minuten hatte Srna den zweiten Treffer auf dem Fuß, aber der rechte Verteidiger traf mit einem Freistoß aus 20 Metern lediglich die Querlatte des türkischen Tores. Nur vier Minuten später war es erneut Srna, der nach einer von Torhüter Babacan in die Strafraummitte abgewehrten Hereingabe von Ivan Perisic das Tor aus zehn Metern Entfernung nicht traf.

Auch in der Folge stellte Perisic die türkische Abwehr immer wieder vor unlösbare Probleme, seine Kollegen brachten die Hereingaben aber nicht im Tor der Türken unter. Und auch der 27-Jährige vergab seinerseits eine äußerst aussichtsreiche Kopfballmöglichkeit nach 72 Minuten und traf freistehend nur die Querlatte. Auch Marcelo Brozovic zielte sechs Minuten später per Kopf nicht besser.

Türkei schon unter Druck

Und die Mannschaft von Trainer Fatih Terim? Der gelang nahezu keine nennenswerte Angriffsszene mehr. Der insgesamt schwache Hakan Calhanoglu versuchte es mit mehreren Distanzschüssen, die allesamt ihr Ziel deutlich verfehlten. Auch sonst enttäuschten die Türken mit ihrem Offensivspiel.

Am Freitag gegen die Spanier steht Terims Truppe damit schon jetzt unter enormem Druck. Die Kroaten können sich relativ entspannt auf das Aufeinandertreffen mit Tschechien vorbereiten.

Fußball · Europameisterschaft · 1. Spieltag 2016

Sonntag, 12.06.2016 | 15.00 Uhr

Flagge Türkei

Türkei

Babacan – Gönül, Balta, Topal, Erkin – Inan, Tufan – Calhanoglu, Özyakup (46. Sen), Turan (65. Yilmaz) – Tosun (69. Mor)

0
Flagge Kroatien

Kroatien

Subasic – Srna, Corluka, D. Vida, Strinic – Modric, Badelj – Brozovic, Rakitic (90. Schildenfeld), Perisic (87. Kramaric) – Mandzukic (90. Pjaca)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Modric (41.)

Strafen:

  • gelbe Karte Tosun (1 )
  • gelbe Karte Balta (1 )
  • gelbe Karte Strinic (1 )
  • gelbe Karte Sen (1 )

Zuschauer:

  • 43.842

Schiedsrichter:

  • Jonas Eriksson (Schweden)

Stand der Statistik: Sonntag, 12.06.2016, 17:23 Uhr

Wappen Türkei

Türkei

Wappen Kroatien

Kroatien

Tore 0 1
Schüsse aufs Tor 2 6
Ecken 3 5
Abseits 1 1
gewonnene Zweikämpfe 81 92
verlorene Zweikämpfe 92 81
gewonnene Zweikämpfe 46,82 % 53,18 %
Fouls 13 14
Ballkontakte 539 507
Ballbesitz 51,53 % 48,47 %
Fehlpässe 59 49
Passquote 82,28 % 82,44 %
Flanken 5 29
Alter im Durchschnitt 27,3 Jahre 28,3 Jahre

Stand: 12.06.2016, 16:53

Darstellung: