Spanien spaziert vorzeitig ins Achtelfinale

UEFA Euro 2016, Gruppe D: Spanien - Türkei 3:0

Spanien spaziert vorzeitig ins Achtelfinale

Von Christian Hornung

Die überragenden Nolito und Morata haben Spanien den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale beschert. Der Türkei steht erneut eine Personaldebatte bevor - der Abwehrchef half bei zwei Treffern kräftig mit.

3:0 (2:0) gewannen die Spanier hochverdient in Nizza gegen die Türkei, die nach zwei Partien bei null Punkten bleibt - und nur noch mit einem klaren Sieg im letzten Spiel der Gruppe D gegen Tschechien eine Mini-Chance auf das Weiterkommen hat.

Klägliche Rückgabe

Dabei spielte das Team vom Bosporus anfangs noch ganz ordentlich mit, erlaubte sich in der Abwehr aber hanebüchene Fehler. So tauchte Mehmet Topal beim Führungstreffer durch den Kopfball von Alvaro Morata in der 34. Minute unter der Flanke von Nolito durch.

Auch beim zweiten Treffer gut zwei Minuten später gehörte der Assist eigentlich dem türkischen Innenverteidiger. Topal wollte offenbar den Ball per Kopf zu seinem Torhüter Volkan Babacan zurückspielen, doch es blieb beim kläglichen Versuch. Nolito ahnte die Panne und drückte die Kugel aus kurzer Distanz über die Linie.

"Großartiger Moment"

"Das ist ein großartiger Moment, ich bin sehr glücklich. Wir sind im Achtelfinale, aber wir wollen jetzt Gruppensieger werden", sagte Doppel-Torschütze Morata. Der zur Pause eingewechselte Dortmunder Nuri Sahin erklärte enttäuscht: "Wir haben zu viele Fehler gemacht, das wird gegen Spanien bestraft. Dann war es schwer, noch einmal zurückzukommen. Es ist aber noch nicht vorbei."

Die klare Führung zur Pause ging durchaus in Ordnung, denn der hervorragende Nolito hatte schon zuvor zwei Chancen vergeben: Nach einer knappen halben Stunde verfehlte er von der Strafraumgrenze ebenso knapp das Tor wie in der 32. Minute, als ihn Juanfran ausnahmsweise mal über die rechte Seite bediente. Coach Vicente del Bosque lobte: "Wir haben sehr gut gespielt, aber wir müssen genauso weitermachen. Wenn möglich, möchten wir als Gruppensieger weiterkommen."

Zu viele falsche Entscheidungen

Die Türken hatten zuvor im Gegensatz zur 0:1-Auftaktniederlage gegen Kroatien zumindest im Spiel nach vorne entschlossener gewirkt. Doch bei guten Ansätzen, meist über den so hart gescholtenen Ozan Tufan, blieb es, weil in der Endphase der Angriffe oft die falsche Entscheidung getroffen wurde.

Mal beraubten sich die Schützlinge von Fatih Terim gegenseitig ihrer Schusschance, weil sie sich im Weg standen. Mal verpassten sie den Pass in den völlig freien Raum und schimpften dann gestenreich aufeinander ein. Der Trainer kritisierte dann auch sein Team scharf: "Wir sind auseinandergefallen, haben einfach aufgehört. Das hat mir nicht gefallen. Ich werde das nicht akzeptieren und das Notwendige tun. Ich bitte unsere Nation, uns gegen Tschechien noch einmal zu unterstützen."

De Gea hilft Ramos

Dabei wäre vor allem zu Beginn durchaus mehr möglich gewesen, denn der spanische Abwehrchef Sergio Ramos wirkte nach einer frühen Gelben Karte erstaunlich unsicher. In der 31. Minute konnte er sich nach einem krassen Stellungsfehler bei seinem Torhüter David De Gea bedanken, der außerhalb des Strafraums für ihn klärte. Die beste Gelegenheit hatte noch Hakan Calhanoglou mit einem Freistoß aus 25 Metern, der aber knapp den linken Winkel verfehlte.

In der zweiten Hälfte kam dann auch noch Pech mit Schiedsrichter Milorad Mazic hinzu, dessen Assistenten vor dem 3:0 durch Morata eine Abseitsposition von Passgeber Jordi Alba entgangen war. Morata hätte Sekunden später aber auch noch ein reguläres Tor erzielen können, köpfte aber knapp vorbei.

La Ola in beiden Fankurven

Die Türken zeigten zwar Moral, blieben aber im Abschluss erschreckend harmlos. Beispielhaft war in der 52. Minute der Versuch von Burak Yilmaz, der freistehend vor de Gea den Ball in Richtung Mittelmeerstrand beförderte.

Die türkischen Fans erkannten im weiteren Verlauf der Partie die Überlegenheit des Gegners wohltuend fair an. Eine Viertelstunde vor Schluss machten sie mit einer Prise Galgenhumor tatsächlich La Ola auf den Rängen in Nizza mit - und ernteten dafür großen Applaus der spanischen Anhänger. Kurz vor dem Ende hätte die Türkei dann beinahe noch einmal echten Grund zur Freude gehabt - doch Olcay Sahan verpasste nach einem Sololauf den Ehrentreffer.

Statistik

Fußball · Europameisterschaft · 2. Spieltag 2016

Freitag, 17.06.2016 | 21.00 Uhr

Flagge Spanien

Spanien

de Gea – Juanfran, Piqué, Sergio Ramos, Alba Ramos (81. Azpilicueta) – Fàbregas (71. Koke), Busquets, Iniesta – David Silva (64. Soriano Llido), Morata, Nolito

3
Flagge Türkei

Türkei

Babacan – Gönül, Topal, Balta, Erkin – Tufan, Inan (70. Malli), Özyakup (62. Sahan) – Calhanoglu (46. Sahin), Yilmaz, Turan

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Morata (34.)
  • 2:0 Nolito (37.)
  • 3:0 Morata (48.)

Strafen:

  • gelbe Karte Sergio Ramos (1 )
  • gelbe Karte Yilmaz (1 )
  • gelbe Karte Tufan (1 )

Zuschauer:

  • 33.409

Schiedsrichter:

  • Milorad Mazic (Serbien)

Stand der Statistik: Freitag, 17.06.2016, 22:53 Uhr

Stand: 17.06.2016, 23:36

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