Kroatien entreißt Spanien den Gruppensieg

UEFA Euro 2016, Gruppe D: Spanien - Kroatien 1:2

Kroatien entreißt Spanien den Gruppensieg

Von Christian Hornung

Kroatien hat dank Ivan Perisic Spanien kurz vor Schluss den Gruppensieg entrissen. Der Titelverteidiger muss nun im Achtelfinale gegen Italien ran.

Der 2:1-Sieg für einen der Geheimfavoriten ging am Ende sogar in Ordnung. Spanien hatte zwar die erste Hälfte weitgehend dominiert, sich danach aber zu früh auf Ergebnisverwaltung verlegt. Das bestrafte der ehemalige Dortmunder und Wolfsburger Perisic drei Minuten vor Schluss nach einem Blitzkonter. Die beste Nachricht an diesem Abend war aber, dass es diesmal auf den Rängen ruhig blieb.

Kroatiens Mittelfelstar Ivan Rakitic sagte hinterher zur ARD: "Wir haben uns das verdient, weil wir eine sehr starke Leistung gezeigt haben."

"Packing" diesmal seitenverkehrt

Stark - und vor allem effektiv. Denn erstmals bei dieser Europameisterschaft gewann eine Mannschaft ein Spiel, obwohl sie mit ihren Pässen deutlich weniger Gegner überspielte.

Diese "Packing-Rate" sprach mit 350 zu 185 eindeutig für Spanien, auch bei den überspielten Verteidigern war das Verhältnis mit 40:29 klar auf Seiten der Iberer. Doch die gefielen sich eben zu sehr in ihren Passfolgen - und ließen die Zielstrebigkeit vermissen.

Spanien mit der besten Elf

Die Spanier hatten die Partie, obwohl sie bereits vorzeitig das Achtelfinale erreicht hatten, mit ihrer nominell stärksten Elf begonnen - schonten also keinen ihrer Top-Stars. Kroatien hingegen wechselte auf gleich fünf Positionen, verzichtete auf den leicht angeschlagenen Luka Modric ebenso wie auf den ehemaligen Bayern-Stürmer Mario Mandzukic. In der Abwehr gab Leverkusens Tin Jedvai sein EM-Debüt.

Der Leverkusener Innenverteidiger konnt in der 7. Minute aber auch nur zuschauen, wie die Spanier ihre gesamte Deckungsreihe ausmanövrierten. David Silva passte genau in die Schnittstelle der Abwehrkette, Cesc Fabregas überlupfte den herausstürzenden Torhüter Danijel Subasic - und in der Mitte brauchte Alvaro Morata den Ball nur noch über die Linie zu drücken. Morata erzielte damit bereits sein drittes Turniertor und schloss damit in der Schützenliste zum Waliser Gareth Bale auf.

De Gea im Glück

Die Kroaten zeigten Wirkung, und hätten wenig später beinahe das 0:2 kassiert. Doch Nolito drückte eine Silva-Flanke knapp neben den rechten Pfosten. Erst danach kam auch von Kroatien ein Lebenszeichen in der Offensive: Nikola Kalinic scheiterte mit seinem Distanzschuss an David de Gea.

In der 14. Minute war de Gea dann allerdings auch geschlagen - doch er hatte gleich drei Verbündete: die Latte, den Pfosten und das Glück. Der Keeper selbst hatte die Chance mit einem viel zu kurz abgewehrten Ball eingeleitet - doch der wunderbare Schlenzer von Ivan Rakitic traf erst beide Torstangen, um dann Zentimeter vor der Torlinie aufzuspringen.

Kabinettstückchen von Kalinic

In der Folge wurden die Kroaten mutiger, zunächst jedoch ohne de Gea erneut ins Wackeln zu bringen. Ein zu hoch angesetzter Kopfball von Ivan Perisic (39.) war die beste Gelegenheit - ehe die nur noch um Spielkontrolle bemühten Spanier kurz vor dem Seitenwechsel dann doch bestraft wurden. Der sehr agile Ivan Perisic setzte sich auf der linken Außenbahn durch, schlug eine präzise Flanke an den Fünfmeterraum - wo Kalinic Sergio Ramos enteilte und den Ball aus kurzer Distanz artistisch mit der Hacke über die Linie drückte.

Auch in der zweiten Halbzeit spielten die Kroaten zielstrebiger. Nachdem de Gea erneut orientierungslos durch seinen Strafraum irrte, kam Jedvai am Elfmeterpunkt zum Abschluss - schoss aber den spanischen Torhüter an. Beim Abpraller hätte Marko Pjaca seinen Kollegen Kalinic im Fach Artistik beinahe noch übertroffen, doch sein Fallrückzieher ging knapp neben den rechten Pfosten.

Sergio Ramos scheitert doppelt

Spielerisch ging bei den Spaniern nur noch erstaunlich wenig - doch nach Standards blieben sie gefährlich. In der 68. Minute stieg Ramos nach einer Ecke unbedrängt zum Kopfball hoch, verfehlte das Ziel aber um Zentimeter. Noch größer war die Chance des spanischen Abwehrchefs in der 72. Minute, als Schiedsrichter Björn Kuipers den Spaniern nach einem minimalen Schubser an David Silva einen Elfmeter schenkte. Doch Ramos handelte im Sinne der Gerechtigkeit - und vergab gegen Torhüter Subasic. Perisic bestrafte diesen Patzer am Ende mit dem Siegtreffer - und Spanien trifft nun im Achtelfinale auf die starken Italiener.

Der kroatische Sieg an diesem Abend in Bordeaux war möglicherweise im Sinne des lieben Friedens auf den Rängen eine gute Lösung. Kroatische Hooligans hatten im Vorfeld der Partie laut Polizeicberichten düstere Geschehnisse angekündigt, die vom Abbrennen von Pyrotechnik über einen Platzsturm bis hin zu einem provozierten Spielabbruch reichen sollten. Zum Glück wurde davon während der 90 Minuten nichts in die Tat umgesetzt.

Statistik

Fußball · Europameisterschaft · 3. Spieltag 2016

Dienstag, 21.06.2016 | 21.00 Uhr

Flagge Kroatien

Kroatien

Subasic – Srna, Corluka, Jedvaj, Vrsaljko – Rog (82. Kovacic), Badelj – Perisic (90. Kramaric), Rakitic, Pjaca (90. Cop) – N. Kalinic

2
Flagge Spanien

Spanien

de Gea – Juanfran, Piqué, Sergio Ramos, Alba Ramos – Fàbregas (84. Thiago), Busquets, Iniesta – David Silva, Morata (67. Aduriz), Nolito (60. Soriano Llido)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Morata (7.)
  • 1:1 L. Kalinic (45.)
  • 2:1 Perisic (87.)

Strafen:

  • gelbe Karte Rog (1 )
  • gelbe Karte Vrsaljko (1 )
  • gelbe Karte Srna (1 )
  • gelbe Karte Perisic (1 )

Zuschauer:

  • 37.245

Schiedsrichter:

  • Björn Kuipers (Niederlande)

Vorkommnisse:

  • Subasic (Kroatien) hält Foulelfmeter (72.) von Sergio Ramos (Spanien).

Stand der Statistik: Dienstag, 21.06.2016, 22:55 Uhr

Stand: 21.06.2016, 23:18

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