Schweiz nullt sich ins Achtelfinale

Jubelnde Schweizer nach dem Einzug ins EM-Achtelfinale

UEFA Euro 2016, Gruppe A: Schweiz - Frankreich 0:0

Schweiz nullt sich ins Achtelfinale

Von Frank Menke

Die Schweiz ist in der Gruppe A gegen und mit Frankreich sicher ins EM-Achtelfinale eingezogen. Für den historischen Erfolg brauchten die Eidgenossen nicht einmal einen eigenen Treffer.

0:0 trennte sich die Schweiz am Sonntagabend (19.06.2016) in Lille von Frankreich. Damit haben sich die Eidgenossen als Zweiter der Gruppe A hinter dem EM-Gastgeber für das Achtelfinale qualifiziert. Ein historischer Erfolg: Niemals zuvor hatte die Schweiz eine EM-K.o.-Runde erreicht. Um dort zu bestehen, muss sich die "Nati" aber deutlich steigern.

"Das war wichtig heute. Wir müssen schauen, gegen wen wir spielen und dann werden wir bereit sein", sagte der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic. Frankreichs Coach Didier Deschamps meinte: "Die ganze Welt erhofft mehr, die Spieler auch, ich auch. Es gibt aber wenige Mannschaften, die dominieren. Das erste Ziel ist erreicht."

Fünf Neue bei Frankreich

Deschamps hatte die Rotationsmaschine angeworfen und gleich fünf Neue in seine Startelf befördert. Der umstrittene Paul Pogba und Linksaußen Antoine Griezmann kehrten in die Anfangsformation zurück. Moussa Sissoko und Yohan Cabaye gaben im Mittelfeld ihr EM-Debüt, im Sturm spielte erstmals von Beginn an seit der WM 2010 André-Pierre Gignac. Publikumsliebling Dimitri Payet wurde erst in der 63. Minute eingewechselt. Bei der Schweiz gab Super-Talent Breel Embolo sein EM-Startelfdebüt, der glücklose Haris Seferovic kam erst im zweiten Durchgang.

Der Schweizer Nationaltrainer Petkovic bot seine beste Mannschaft auf, darunter gleich vier mit einer Gelben Karte belastete Spieler, die in der nächsten Runde bei einer erneuten Verwarnung gefehlt hätten. Auch der bislang enttäuschende Spielmacher Xherdan Shaqiri durfte von Beginn an ran.

Djourou vergibt Großchance

Frankreich machte im Stade Pierre-Mauroy vom Anpfiff weg Druck, die Eidgenossen versteckten sich aber auch nicht. Und sie hatten in der 8. Minute die erste Großchance des Spiels. Eine Shaqiri-Ecke verlängerte Fabian Schär per Kopf an den zweiten Pfosten, Pogba bekam den Ball nicht weg, Johan Djourou selbigen aus kurzer Distanz mit dem Rücken zum Tor liegend nicht über die Linie.

Pogba wie entfesselt

"Hey Frankreich, nicht Pogba ist euer Problem, wir sind euer Problem", hatte der Schweizer Fußballverband im Vorfeld der Partie vollmundig getwittert. Da hatte man, vor allem was die erste Halbzeit betraf, den Mund zu voll genommen. Die Franzosen antworteten prompt - und im Mittelpunkt stand der wie entfesselt aufspielende Pogba. Gignac bediente ihn im Schweizer Strafraum. Pogbas anschließender Schlenzer aus 17 Metern konnte Nati-Keeper Yann Sommer nicht festhalten - der Ball landete auf der Latte (12.). Eine Minute später musste Sommer erneut gegen Pogba retten. Der viel Gescholtene wollte unbedingt "seinen" Treffer: In der 17. Minute jagte er den Ball aus 22 Metern ans linke Lattenkreuz.

Schweiz offensiv zu harmlos

Die Schweizer standen dem französischen Angriffswirbel zunächst hilflos gegenüber. Sie kamen kaum noch zu Entlastungsangriffen, geschweige denn zu echten Chancen. Von Sorgenkind Shaqiri war wenig zu sehen. Doch nach den ersten 20 Minuten ließ der Schwung der Franzosen ein wenig nach. Ab etwa Mitte der ersten Halbzeit spielten die Eidgenossen besser mit, versuchten mit schnellem Passspiel dem Pressing der Franzosen zu entgehen. Im Offensivspiel fehlten jedoch Tempo, Überraschungsmomente und der Killer-Instinkt beim Abschluss. Selbst die Trikots der Schweizer schwächelten: Gleich vier zerrissen bei Halteversuchen der Franzosen.

Sommer der stärkste Eidgenosse

Deutlich mutiger gingen die Schweizer den zweiten Durchgang an, auch, weil Frankreich mehr und mehr im Schongang agierte. Die Eidgenossen näherten sich gleich zu Beginn einige Male dem französischen Tor - doch ihren Angriffsaktionen fehlten weiterhin Entschlossenheit und Zielstrebigkeit. Ab der 53. Minute meldeten sich die Franzosen zurück, Gignac prüfte mit einem Distanzschuss Nati-Torhüter Sommer. Vier Minuten später legte Griezmann von der Strafraumgrenze nach - erneut zeigte Sommer eine Glanzparade. Pech hatte der eingewechselte Payet nach Traumflanke von Sissoko, als er seine Volleyabnahme im Schweizer Strafraum unter die Latte setzte (75.). Das Geschoss hätte auch Sommer nicht pariert.

Die Schweizer blieben bei allem Bemühen zu harmlos, um den Franzosen wirklich einmal einen Schrecken einjagen zu können. Trotz optischer Überlegenheit in der zweiten Hälfte kamen sie nicht einmal zum Abschluss. So stand unterm Strich ein aus Schweizer Sicht etwas schmeichelhaftes 0:0. Am Ende war es allen Beteiligten egal - schließlich geht die EM für sie nun in die K.o.-Runde.

Fußball · Europameisterschaft · 3. Spieltag 2016

Sonntag, 19.06.2016 | 21.00 Uhr

Flagge Schweiz

Schweiz

Sommer – Lichtsteiner, Schär, Djourou, Ricardo Rodriguez – Behrami, G. Xhaka – Shaqiri (79. Fernandes), Dzemaili, Mehmedi (86. M. Lang) – Embolo (74. Seferovic)

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Flagge Frankreich

Frankreich

Lloris – Sagna, Rami, Koscielny, Evra – Sissoko, Cabaye, Pogba – Coman (63. Payet), Gignac, Griezmann (77. Matuidi)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Strafen:

  • gelbe Karte Rami (1 )
  • gelbe Karte Koscielny (1 )

Zuschauer:

  • 45.616

Schiedsrichter:

  • Damir Skomina (Slowenien)

Stand: Sonntag, 19.06.2016, 22:58 Uhr

Wappen Schweiz

Schweiz

Wappen Frankreich

Frankreich

Tore 0 0
Schüsse aufs Tor 0 4
Ecken 5 10
Abseits 4 0
gewonnene Zweikämpfe 77 104
verlorene Zweikämpfe 104 77
gewonnene Zweikämpfe 42,54 % 57,46 %
Fouls 8 10
Ballkontakte 659 498
Ballbesitz 56,96 % 43,04 %
Fehlpässe 45 48
Passquote 89,89 % 82,55 %
Flanken 14 15
Alter im Durchschnitt 26,5 Jahre 28,8 Jahre

Stand: 20.06.2016, 00:09

Darstellung: