Joker Quaresma rettet schwache Portugiesen

UEFA Euro 2016, Achtelfinale: Kroatien - Portugal: 0:1 n.V.

Joker Quaresma rettet schwache Portugiesen

Von Christian Hornung

Portugal hat das an spielerischer Armut kaum zu unterbietende EM-Achtelfinale gegen Kroatien nach Verlängerung gewonnen. Das Siegtor gelang einem Einwechselspieler.

Joker Ricardo Quaresma war es in der 117. Minute vorbehalten, die zuvor fast nur auf Absicherung des eigenen Tores bedachten Portugiesen ins Viertelfinale zu retten. Cristiano Ronaldo hatte mit einem abgewehrtem Torschuss - seinem einzigen in der kompletten Spielzeit - das 1:0 vorbereitet.

Santos mischt neu

Bei den Portugiesen war Trainer Fernando Santos offenbar ziemlich angefressen vom 3:3 im letzten Gruppenspiel gegen Ungarn - und änderte seine Elf gleich auf vier Positionen. Die Viererabwehrkette mischte er bis auf Pepe sogar komplett neu: Vierinha, Ricardo Carvalho und Eliseu flogen aus der Startelf, dazu auch noch Joao Moutinho aus dem defensiven Mittelfeld.

Pepe jubelte hinterher: "Wir haben alles für unser Land, für unsere Fans gegeben. Es war unglaublich anstrengend, aber die Fans haben uns die Extrakraft gegeben."

"Sehr bitter"

Kroatiens Torhüter Danijel Subasic war tieftraurig: "So kommt es eben, wenn du die Tore nicht machst. Sehr bitter, aber immerhin standen die Zuschauer hinter uns. Ich denke, wir waren die bessere Mannschaft."

Bei den Kroaten holte Coach Ante Cacic den Ex-Bayern Mario Mandzukic zurück in die Startelf, auch Luka Modric, der zuvor leicht angeschlagen war, konnte wieder spielen. Doch für die offensiv denkenden Spieler verlief dieser Abend in Lens extrem schleppend.

Pepe verfehlt knapp

Beide Teams neutralisierten sich fast über die komplette Spieldauer im Mittelfeld, keiner ging Risiko, die Keeper waren beschäftigungslos. Die erste Torannäherung der Portugiesen gab es in der 25. Minute nach einem Freistoß, den Pepe aus stark abseitsverdächtiger Position knapp über die Latte köpfte - der Treffer hätte aber gezählt.

Eine geschlagene halbe Stunde dauerte es, bis auch die Kroaten mal im gegnerischen Strafraum in Erscheinung traten. Doch Ivan Perisic, der sich zur Feier des Achtelfinales eigens die Nationalflagge in Landesfarben in seine Haarpracht hatte integrieren lassen, traf nur das Außennetz.

Ronaldo nicht zu sehen

Ansonsten war die erste Hälfte schlicht unansehnlich und geprägt von vielen kleinen, aber den Spielfluss störenden Fouls. Zudem verstanden es die Kroaten perfekt, Ronaldo aus der Partie zu nehmen. Der Superstar, der gegen Ungarn noch mit zwei Treffern glänzen konnte, hatte kaum Ballkontakte und blieb 45 Minuten lang auf der Vermisstenliste.

Die Null stand daher beim Halbzeitpfiff nicht nur bei den Toren, sondern auch bei den Schüssen aufs Tor - dafür hatten die Statistiker schon 17 Fouls notiert.

Torrichter korrigiert Schiedsrichter

Auch die zweite Halbzeit brachte zunächst keine Besserung. Ronaldo wirkte immer mehr, als wolle er sich nachträglich für die Hauptrolle im US-Kinoklassiker "Der Unsichtbare" bewerben - ein komplett rätselhafter Auftritt ohne einen einzigen Torschuss in der regulären Spielzeit.

Beinahe hätte "CR7" aber in der 64. Minute zumindest einen Kurzauftritt beschert bekommen, denn Kroatiens Abwehrspieler Ivan Strinic traf bei einem Klärungsversuch im eigenen Strafraum nicht den Ball, sondern Gegenspieler Nani an der Hüfte. Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo aus Spanien deutete zunächst auch gestenreich einen Elfmeter an, den sich sicher wieder Ronaldo geschnappt hätte. Doch offenbar auf Einwirken des Torrichters, der damit einmal mehr schlagende Argumente für seine Abschaffung lieferte, gab es dann doch nur Abstoß.

Vida knapp daneben

Chancen aus dem Spiel heraus blieben weiterhin Mangelware - ein Kopfball von Kroatiens Domagoj Vida (63.) knapp neben das Gehäuse war noch das größte Ausrufezeichen. Die Not vor den Toren wurde auch in der Verlängerung nicht geringer.

Perisic versuchte es in der 95. Minute sogar mal mit einem Kopfball außerhalb der Strafraumgrenze - und nicht mal da konnte sich Portugals Keeper Rui Patricio in der Statistik für abgewehrte Torschüsse verewigen, weil die Kugel über das Gehäuse flog. Vida hatte auch in der 113. Minute nochmal eine Gelegenheit, als Rui Patricio im Fünfer gestolpert war. Aber auch da platzierte er den Ball zu hoch.

Besser machte es wenig später Perisic, doch er scheiterte am Pfosten. Nach dem Treffer von Quaresma hatte dann noch einmal Vida die Ausgleichschance - in der 122. Minute schoss er aber knapp am rechten Winkel der Portugiesen vorbei. Kroatiens Trainer Ante Cacic zog daraufhin das Schlussfazit: "Wir hatten mehr Ballbesitz, wir hatten die besseren Chancen. Aber manchmal reicht das nicht - auch das macht den Fußball ja so populär."

Fußball · Europameisterschaft 2016

Samstag, 25.06.2016 | 21.00 Uhr

Flagge Kroatien

Kroatien

Subasic – Srna, Corluka (120. Kramaric), D. Vida, Strinic – Modric, Badelj – Brozovic, Rakitic (110. Pjaca), Perisic – Mandzukic (88. N. Kalinic)

0
Flagge Portugal

Portugal

Patricio – Soares, Pepe, Fonte, Guerreiro – W. Carvalho – Mário (87. Ricardo Quaresma), A. Silva (108. Pereira), Gomes (50. Sanches) – Nani, Cristiano Ronaldo

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Ricardo Quaresma (117.)

Strafen:

  • gelbe Karte W. Carvalho (1 )

Zuschauer:

  • 33.523

Schiedsrichter:

  • Miguel Carballo (Argentinien)

Stand der Statistik: Sonntag, 26.06.2016, 12:58 Uhr

Wappen Kroatien

Kroatien

Wappen Portugal

Portugal

Tore 0 1
Schüsse aufs Tor 0 2
Ecken 6 2
Abseits 0 1
gewonnene Zweikämpfe 146 116
verlorene Zweikämpfe 116 146
gewonnene Zweikämpfe 55,73 % 44,27 %
Fouls 12 27
Ballkontakte 895 678
Ballbesitz 56,9 % 43,1 %
Fehlpässe 79 73
Passquote 86,54 % 81,42 %
Flanken 25 13
Alter im Durchschnitt 28,2 Jahre 26,9 Jahre

Stand: 26.06.2016, 00:01

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