Brady köpft Irland ins Glück

UEFA Euro 2016, Gruppe E: Italien - Irland 0:1

Brady köpft Irland ins Glück

Von Robin Tillenburg

Robbie Brady hat mit einem späten Kopfballtor das dritte Gruppenspiel gegen Italien entschieden und seine Iren damit zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft ins Achtelfinale geschossen.

Der Mittelfeldspieler von Norwich City köpfte das goldene Tor in der 85. Minute und löste somit die grenzenlosen grün-weißen Jubelstürme aus. Zuvor war die Partie allerdings kein Leckerbissen.

Viele Umstellungen - wenige Höhepunkte

Beide Trainer hatten die Rotationsmaschine angeworfen. Bei den bereits qualifizierten Italienern ließ Antonio Conte gleich acht neue Akteure auf den Rasen und schonte große Teile seiner Stammelf für das Achtelfinale gegen Spanien. Sein Gegenüber Martin O'Neill probierte es mit vier Veränderungen, darunter auch eine komplett neue Innenverteidigung mit den international relativ unerfahrenen Richard Keogh und Shane Duffy.

Nachdem die Iren in den ersten Aktionen direkt mal körperliche Präsenz bewiesen und zünftig in die Zweikämpfe gingen, schoss Jeff Hendrick nach neun Minuten erstmals aus der Distanz auf das von Salvatore Sirigu gehütete italienische Tor und zielte nur knapp am oberen linken Toreck vorbei. Ansonsten war die Anfangsphase höhepunktarm. Die Italiener hielten das Spiel wie gewohnt in taktisch kontrollierten Bahnen, während die Iren sich bemühten, nach vorn zu spielen, sich aber mit ihren spielerisch einfachen Mitteln - vor allem hohen Bällen aus dem Halbfeld - an der Defensive der Squadra Azzurra oft die Zähne ausbissen.

Irland bemüht - Italien lange ohne Abschluss

So musste eine Standardsituation herhalten für die erste echte Großchance. Nach dem ersten Eckball der Iren stieg Daryl Murphy im Strafraum hoch und zwang Sirigu mit seinem Kopfball zu einem starken Reflex - der Buffon-Ersatz war aber auf dem Posten und lenkte die Kugel über die Latte (21.). Zehn Minuten danach segelte er allerdings unter einer Flanke durch, doch am langen Pfosten bekam Duffy den Ball nicht mehr richtig gedrückt und zielte obendrein vorbei. Die Italiener hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal auf den Kasten von Darren Randolph geschossen, es war ein zähes Unterfangen für die Zuschauer in Lille. Drei Minuten vor der Pause war es dann aber doch noch soweit - die Italiener mit ihrem ersten Torschuss. Ciro Immobile probierte es aus 18 Metern und zielte nur knapp links unten am Pfosten vorbei.

Als Schiedsrichter Ovidiu Alin Hategan aus Rumänien schließlich zur Halbzeit pfiff, hatten die Fans höhepunktarme 45 Minuten gesehen, in der die Iren deutlich mehr fürs Spiel getan hatten und auch durch die beiden Kopfbälle die besten Gelegenheiten verzeichnen konnten - jedoch ohne Ertrag. Es war mit 19 Fouls lediglich die "unfairste" erste Hälfte des bisherigen Turniers - am Ende sollte es mit 40 Foulspielen auch das insgesamt unfairste Spiel sein, das allerdings mit "nur" sechs Gelben Karten.

Insignes Pfostenschuss läutet die Schlussphase ein

Sieben Minuten nach Wiederanpfiff war es dann Simone Zaza, der den zweiten Torabschluss des Gruppensiegers fabrizierte. Sein sehenswerter Volleyschuss nach einer Flanke von links rauschte nur knapp über den Querbalken. Die erste irische Gelegenheit im zweiten Durchgang hatte Kapitän Seamus Coleman (56.), dessen Schuss aber von Angelo Ogbonna so gerade noch abgeblockt wurde. Auch danach fehlte den Angriffsaktionen der Iren gegen eine alles andere als überragende italienische B-Elf die letzte Präzision. Ein Schuss von Hendrick rauschte nach einer guten Stunde am Tor vorbei, der eingewechselte Aiden McGeady zielte hingegen zu hoch (73.).

Auf der anderen Seite passierte lange überhaupt nichts, nicht einmal eine Halbchance. Und als man sich fragte, ob Randolph nicht vor lauter Beschäftigungslosigkeit so langsam das Tor verlassen haben könnte, krachte ein Schlenzer des gerade ins Spiel gekommenen Lorenzo Insigne an den rechten Außenpfosten (77.) - Randolph hätte allerdings wohl ohnehin nichts mehr machen können. Auf der anderen Seite hatte Wes Hoolahan die Riesenchance zur Entscheidung, zögerte aber völlig frei vor Sirigu viel zu lange und scheiterte am italienischen Keeper (85.). Nur 30 Sekunden später machte er es aber besser und flankte aus dem Halbfeld genau auf den Kopf von Brady, der frei vor dem Tor einnicken konnte.

Erste Pflichtspielniederlage für Conte

Danach passierte nichts mehr - der Jubel der Iren über den ersten EM-Sieg seit 28 Jahren kannte keine Grenzen mehr. "Was für ein Tag. Wir haben Geschichte geschrieben und Millionen glücklich gemacht. Jeder einzelne hat seinen Beitrag geleistet", sagte der Torschütze. Die Mannschaft bekommt es nun mit Gastgeber Frankreich zu tun.

Die Italiener bleiben Gruppensieger, haben aber unter Conte ihr erstes Pflichtspiel überhaupt verloren. "Wir hätten mehr tun müssen, aber Glückwunsch an Irland, sie haben mit Herz gespielt", sagte Abwehrspieler Leonardo Bonucci und Conte meinte: "Ich kann meinen Jungs wenig vorwerfen. Es war eine sehr körperliche und sehr harte Partie auf einem Rasen der am Rande des Zumutbaren war."

Statistik

Fußball · Europameisterschaft · 3. Spieltag 2016

Mittwoch, 22.06.2016 | 21.00 Uhr

Flagge Italien

Italien

Sirigu – Barzagli, Bonucci, Ogbonna – Bernardeschi (60. Darmian), Sturaro, Motta, Florenzi, De Sciglio (82. El Shaarawy) – Zaza, Immobile (74. Insigne)

0
Flagge Irland

Irland

Randolph – Coleman, Duffy, Keogh, S. Ward – Hendrick, McCarthy (77. Hoolahan), Brady, McClean – Murphy (70. McGeady) – Long (90. Quinn)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Brady (85.)

Strafen:

  • gelbe Karte Long (1 )
  • gelbe Karte Sirigu (1 )
  • gelbe Karte S. Ward (1 )
  • gelbe Karte Barzagli (1 )
  • gelbe Karte Zaza (1 )
  • gelbe Karte Insigne (1 )

Zuschauer:

  • 44.268

Schiedsrichter:

  • Ovidiu Hategan (Rumänien)

Stand: Mittwoch, 22.06.2016, 22:54 Uhr

Stand: 22.06.2016, 22:50

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