Islands Traum geht weiter

UEFA Euro 2016, Gruppe F: Island - Österreich 2:1

Islands Traum geht weiter

Von Jo Herold

Island bleibt die große Überraschung bei der Fußball-EM. Mit einem umkämpften Sieg über Österreich zog Island ins Achtelfinale ein. Österreich vergab einen Elfmeter und muss nach Hause fahren.

Österreich - nach der souveränen Qualifikationsphase noch als Geheimfavorit auf den Titel gehandelt - muss bereits nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Island profitierte dabei von einer grandiosen kämpferischen Einstellung und von Glück: Aleks Dragovic setzte einen Foulelfmeter an den Außenpfosten. Den Schlusspunkt setzte in der Nachspielzeit Arnor Traustason nach einem Konter. "Dafür haben wir gekämpft, für unser Land. Ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft haben", sagte Islands Kapitän Aron Gunnarsson und ergänzte: "Wir haben Charakter gezeigt und es aufgrund unserer Mentalität geschafft. Wir haben unsere Handballer als Vorbild genommen, die haben das oft gezeigt. Wir wussten, dass wir es schaffen können."

Island unverändert, Österreich mit zwei Änderungen

Island begann zum dritten Mal in derselben Startformation, bei Österreich verzichtete Trainer Marcel Koller auf Martin Harnik in der Startelf. Bayernstar David Alaba begann auf der Zehner-Position, gleichzeitig standen mit Aleks Dragović, Sebastian Prödl und Martin Hinteregger drei Innenverteidiger auf dem Feld.

Doch Island erwischte den deutlich stärkeren Beginn. Und Österreich hatte bereits in der zweiten Spielminute Riesendusel, als ein Linksschuss von Johann Gudmundson aus 25 Metern ans linke Lattenkreuz krachte. Die Skandinavier agierten danach weiter offensiv, doch die nächste Großchance erspielte sich Österreichs Marko Arnautovic: In der elften Minute klaute er Keeper Hannes Halldorsson den Ball vom Fuß, das Tor war leer, aber der österreichische Stürmer schien selbst überrascht zu sein, dass ihm dieser Streich gelang. Arnautovic rutschte weg, Halldorsson konnte den Ball mit der Fußspitze aus der Gefahrenzone spitzeln.

Islands verdiente Führung

Nach 19 Minuten bejubelten die Isländer die Führung: Nach einem weiten Einwurf von der rechten Seite verlängerte Kari Arnason mit dem Kopf, Jon Bödvarsson setzte sich wuchtig durch gegen Baumgartlinger und schob den Ball im Fallen vorbei an Almer ins Tor der Österreicher.

Aufregung im isländische Strafraum knapp zehn Minuten später: Arnautovic wurde mit einem Lupfer im Strafraum der Skandinavier gesucht. Torvorbereiter Arnason war dicht dran am Angreifer, beide verhakten sich in den Trikots des Gegners, dann gingen beide zu Boden. Der Elfmeterpfiff des polnischen Schiedsrichters Szymon Marciniak blieb aus.

Österreich kam nun besser in die Partie und wurde belohnt. Ari Skulason zog Alaba in Mittelstürmerposition am Arm, der Schiedsrichter entschied sofort auf Elfmeter. Doch den österreichischen Fans blieb der Jubelschrei im Hals stecken: Aleks Dragovic schoss den Ball an den linken Außenpfosten.

Nach der Pause größerer Druck der Österreicher

Zu Beginn der zweiten Halbzeit brachte Koller Marc Janko und Alessandro Schöpf, die schwachen Ilsanker und Prödl blieben draußen.

Sofort schienen sich die Wechsel auszuzahlen: Arnautovic bediente den ins defensive Mittelfeld zurückgezogenen Alaba, der seinen Schuss aus 13 Metern mit rechts zu zentral ansetzte. Österreichs Druck wurde größer und größer.

Nach einer Stunde dann rot-weißer Jubel im Stade de France. Nach klugem Zuspiel von Alaba umkurvte Schalkes Alessandro Schöpf die isländische Abwehr und schloss sein sehenswertes Solo mit einem Schuss aus elf Metern erfolgreich ab.

Österreich drängte ab sofort auf den zweiten Treffer, doch Marc Janko (68. und 73.) und Alaba (81., Freistoß) scheiterten aussichtsreich.

Island verteidigte das Remis ohne jeglichen Zug nach vorn, nutzte den Rahmen des Reglements in Sachen Zeitspiel nach allen Regeln der Kunst aus und lieferte den Österreichern einen überaus intensiven Kampf. Österreich warf alles nach vorne, das Glück hielt es aber mit den Nordländern. Denn in der Nachspielzeit schloss Traustason einen Konter der kleinen Fußballnation mit dem Siegtreffer ab.

Statistik

Fußball · Europameisterschaft · 3. Spieltag 2016

Mittwoch, 22.06.2016 | 18.00 Uhr

Flagge Island

Island

Halldorsson – Saevarsson, Arnason, R. Sigurdsson, Skulason – Gudmundsson (86. Ingason), Gunnarsson, G. Sigurdsson, B. Bjarnason – Sigthorsson (80. Traustason), Bödvarsson (71. E. Bjarnason)

2
Flagge Österreich

Österreich

Almer – Prödl (46. Schöpf), Dragovic, Hinteregger – Klein, Baumgartlinger, Ilsanker (46. Janko), Fuchs – Alaba – Arnautovic, Sabitzer (78. Jantscher)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Bödvarsson (18.)
  • 1:1 Schöpf (60.)
  • 2:1 Traustason (90.+4)

Strafen:

  • gelbe Karte Skulason (1 )
  • gelbe Karte Sigthorsson (1 )
  • gelbe Karte Janko (1 )
  • gelbe Karte Arnason (1 )
  • gelbe Karte Halldorsson (1 )

Zuschauer:

  • 65.714

Schiedsrichter:

  • Szymon Marciniak (Polen)

Vorkommnisse:

  • Dragovic (Österreich) schießt Foulelfmeter an den Pfosten (37.)

Stand der Statistik: Mittwoch, 22.06.2016, 19:57 Uhr

Stand: 22.06.2016, 20:01

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