Griezmann erlöst Frankreich per Doppelschlag

UEFA Euro 2016, Achtelfinale: Frankreich - Irland 2:1

Griezmann erlöst Frankreich per Doppelschlag

Von Frank Menke

Frankreich hätte im EM-Achtelfinale gegen Irland fast ein neues Waterloo erlebt. Stürmer Antoine Griezmann hielt die Equipe Tricolore per Doppelschlag im Turnier.

Erst Paukenschlag, dann Doppelschlag: Mit 2:1 (0:1) hatten die Franzosen gegen Irland am Ende das bessere Ende für sich. Robbie Brady hatte die Equipe Tricolore am Sonntag (26.06.2016) bei Frankreichs erstem Länderspiel im neu erbauten Stade de Lyon per Foulelfmeter schon früh geschockt (2.). Frankreichs Stürmer Antoine Griezmann drehte das Spiel in drei Minuten (58./61.). Irland spielte ab der 66. Minute in Unterzahl, nachdem Shane Duffy die Rote Karte gesehen hatte.

Deschamps: "Stadion zum Vibrieren gebracht"

Frankreichs Trainer Didier Deschamps atmete nach dem Abpfiff tief durch: "Nach dem Rückstand waren wir doch etwas verspannt. Danach haben wir das Stadion zum Vibrieren gebracht. Das ist nicht leicht, in einem solchen Turnier das Spiel zu drehen. Wir sollten auch weiterhin ein wenig verrückt und leidenschaftlich sein." Griezmann erklärte den Schlüssel zum Erfolg so: "Die Einwechslung von Coman hat etwas bewegt, und ich bin dadurch näher an Giroud herangerückt." Irlands Kapitän Seamus Coleman haderte: "Es fing so gut an für uns. Wir hätten für unsere unglaublichen Fans gerne noch einen weiteren Schritt gemacht."

Frankreichs Antoine Griezmann (vorne) zelebriert mit den Kollegen seinen zweiten Treffen gegen Irland

Frankreichs Trainer ließ jene Elf ran, die das Eröffnungsspiel gegen Rumänien 2:1 gewonnen hatte. Statt Bayerns Kingsley Coman, Yohan Cabaye, Moussa Sissoko und André-Pierre Gignac rückten Publikumsliebling Dimitri Payet, Blaise Matuidi und die beiden gelb-vorbelasteten N'Golo Kanté und Olivier Giroud in die Anfangsformation. Irlands Trainer Martin O'Neill vertraute derselben Elf, die er beim entscheidenden Spiel um den Achtelfinaleinzug, beim historischen 1:0-Sieg gegen Italien, aufs Feld geschickt hatte.

Schnellstes Tor dieser EM

Die Iren hatten nichts zu verlieren, Frankreich hingegen alles. Und das merkte man dem Gastgeber an. 59 Sekunden waren gespielt, als der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli schon auf den Elfmeterpunkt zeigte. Paul Pogba hatte im eigenen Strafraum Shane Long umgerannt. Irlands neuer Volksheld Brady, Siegtorschütze gegen Italien, jagte den Ball exakt nach 1:58 Minuten flach an den rechten Innenpfosten, von wo er ins Tor prallte. Es war das bislang schnellste Tor dieser Euro und das zweitschnellste der EM-Historie.

Wütende Angriffe

Die Franzosen reagierten mit wütenden Angriffen und hatten ihre erste Torannäherung in der 8. Minute, als Payet einen Freistoß vom linken Strafraumeck in die Arme von Irlands Keeper Darren Randolph schoss. Eine Minute später setzte Griezmann nach Flanke von Pogba einen Kopfball aus elf Metern neben das Tor. Kurz darauf lenkte Shane Duffy eine Flanke von Griezmann vor dem einköpfbereiten Giroud zur Ecke.

Doch die "Boys in Green" blieben cool, zeigten, dass sie längst keine Mannschaft mehr sind, die man einfach so wegspielt. Aus ihrer kompakten Defensive heraus ließen sie die Equipe Tricolore kommen und versuchten immer wieder, sie mit Kontern zu piesacken.

Lloris neuer Rekord-Kapitän

So machten die Franzosen weiter das Spiel. Einen Payet-Freistoß aus dem linken Halbfeld verlängerte Griezmann per Kopf aufs Tor, Keeper Randolph war zur Stelle (18.). In der 21. Minute die nächste Schrecksekunde für La France. Nach einem weiten Einwurf von Stephen Ward kam Daryl Murphy im Strafraum zum Schuss. Frankreichs Torhüter Hugo Lloris, der mit 55 Einsätzen seinen Trainer Deschamps als Rekord-Kapitän ablöste, musste sich mächtig strecken, um den Ball aus dem rechten Eck zu fischen.

Zu wenig aus Ballbesitz gemacht

Die Franzosen waren weiter überlegen, doch vor dem irischen Tor fehlte es an Zielstrebigkeit und Entschlossenheit. Die beinharten Iren gewannen viele zweite Bälle, Frankreich wusste mit seinem Ballbesitz viel zu häufig viel zu wenig anzufangen. Nach einer halben Stunde verflachte die Partie zusehends. Bis zur 41. Minute, als Duffy eine irische Freistoßflanke von Brady knapp neben das Tor köpfte.

Keeper hält Equipe im Spiel

Ab der zweiten Halbzeit kam Coman für Kanté, der nach seiner zweiten Gelben Karte eh fürs Viertelfinale gesperrt gewesen wäre. Die Franzosen präsentiertierten sich jetzt aggressiver, die erste echte Chance hatten aber erneut die Iren. James McClean passte von links in den Strafraum, Frankreichs Torhüter Lloris wischte den Ball gerade noch weg vor dem einschussbereiten Long (52.). Vier Minuten später prüfte Matuidi Keeper Randolph mit einem 25-Meter-Schuss Doch Frankreich versuchte es zu oft mit langen Bällen, statt eine spielerische Lösung zu suchen.

Partie in drei Minuten gedreht

Die Erlösung kam in Person von Griezmann: Erst köpfte er nach herrlicher Flanke von Bacary Sagna vom Elfmeterpunkt zum Ausgleich ein (58.). Drei Minuten später legte ihm Giroud per Kopf den Ball ab, so dass der 25-Jährige aus 13 Metern nur noch einzuschieben brauchte. Dann schwächten sich die Iren auch noch selbst und wieder war Griezmann beteiligt. Nach einer Notbremse an ihm kurz vor der Strafraumgrenze sah Irlands Duffy zurecht die Rote Karte (66.).

Gegen England oder Island

Irlands Spieler verabschieden sich von ihren Fans

Raus mit Applaus: Irlands Spieler feiern mit den Fans

Danach spielte nur noch Frankreich, Irland war stehend k.o. - auch psychisch. Das Spielgeschehen fand fast nur noch in der Hälfte der "Boys in Green" statt, was auch 17:2 Torschüsse, 6:0 Ecken, 15:1 Flanken und 66 Prozent Spielanteile pro Frankreich im zweiten Durchgang dokumentierten. Die Iren wirkten im Grunde nur noch als Statisten mit, offensiv ging in Unterzahl erst recht so gut wie nichts mehr. Und so verlor Irland bei einem großen Turnier erstmals eine Partie nach einer Führung. Das O'Neill-Team wird sich trösten können: Schon der Einzug ins Achtelfinale war ein historischer Erfolg. Frankreich hingegen hat einen echten Charaktertest bestanden und trifft nun im Viertelfinale auf England oder Island - allerdings ohne Kanté und Adil Rami, die beide gelb-gesperrt sind.

Fußball · Europameisterschaft 2016

Sonntag, 26.06.2016 | 15.00 Uhr

Flagge Frankreich

Frankreich

Lloris – Sagna, Rami, Koscielny, Evra – Matuidi, Kanté (46. Coman / 90. Sissoko), Pogba – Griezmann, Payet – Giroud (73. Gignac)

2
Flagge Irland

Irland

Randolph – Coleman, Duffy, Keogh, S. Ward – Hendrick, McCarthy (72. Hoolahan) – Brady, McClean (68. O'Shea) – Long, Murphy (65. Walters)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Brady (2./Foulelfmeter)
  • 1:1 Griezmann (58.)
  • 2:1 Griezmann (61.)

Strafen:

  • gelbe Karte Coleman (1 )
  • rote Karte Duffy (66./Taktisches Foulspiel)
  • gelbe Karte Kanté (2 )
  • gelbe Karte Hendrick (2 )
  • gelbe Karte Rami (2 )
  • gelbe Karte Long (2 )

Zuschauer:

  • 56.279

Schiedsrichter:

  • Nicola Rizzoli (Italien)

Stand der Statistik: Sonntag, 26.06.2016, 18:13 Uhr

Wappen Frankreich

Frankreich

Wappen Irland

Irland

Tore 2 1
Schüsse aufs Tor 10 2
Ecken 9 1
Abseits 0 0
gewonnene Zweikämpfe 104 74
verlorene Zweikämpfe 74 104
gewonnene Zweikämpfe 58,43 % 41,57 %
Fouls 8 10
Ballkontakte 688 403
Ballbesitz 63,06 % 36,94 %
Fehlpässe 38 44
Passquote 91,44 % 76,72 %
Flanken 21 5
Alter im Durchschnitt 28,5 Jahre 29,2 Jahre

Stand: 26.06.2016, 17:50

Darstellung: