Italiens Oldies entzaubern Belgien

UEFA Euro 2016, Gruppe E: Belgien - Italien 0:2

Italiens Oldies entzaubern Belgien

Von Christian Hornung

Mit einem Durchschnitt von 31,5 Jahren schickten die Italiener bei ihrem Turnierdebüt in Frankreich das älteste Team der EM-Historie ins Rennen. Alt sahen am Ende aber nur die geschlagenen Belgier aus.

Mit 2:0 (1:0) bezwangen die von vielen Experten vor allem im Offensivbereich schwach eingeschätzten Italiener den EM-Mitfavoriten Belgien. Das Team von Marc Wilmots schien unter dem Erwartungsdruck, bei der 17. Teilnahme an einem großen Turnier endlich mal etwas holen zu müssen, förmlich zusammenzubrechen. Die Squadra Azzura hingegen zeigte sich hingegen taktisch von Coach Antonio Conte hervorragend eingestellt und dokumentierte einmal mehr ihren Ruf als Turniermannschaft.

"Wir haben richtig gut gespielt und waren extrem kompakt", lobte Conte völlig zurecht. "Die Jungs haben gelitten, aber gezeigt, dass sie eine starke Mannschaft sind, wir sind jedoch erst am Anfang des Weges." Belgiens Torhüter Thibaut Courtois gab zu:. "Wir sind sehr enttäuscht. Jetzt müssen wir die letzten beiden Spiele gewinnen."

Bonuccis Traumpass

Die Partie war zunächst äußerst schleppend in die Gänge gekommen. Beide Mittelfeldreihen neutralisierten sich weitgehend, Belgien konnte das optische Übergewicht in der ersten halben Stunde nur zu zwei Distanzschüssen von Radja Nainggolan nutzen: Den ersten Versuch parierte Gianluigi Buffon (10.), der zweite strich anderthalb Meter am linken Pfosten vorbei.

Angesichts dieser geballten Harmlosigkeit entschloss sich Italien ab der 30. Minute, auch aktiv an dieser Partie teilzunehmen. Dieses Ansinnen wurde sofort belohnt: Nach einem brillanten Lob-Pass von Leonardo Bonucci über alle zehn belgischen Feldspieler hinweg verschätze sich am Ende der Kette Innenverteidiger Toby Alderweireld krass - und Emanuele Giaccherini nutzte das Geschenk eiskalt aus fünf Metern zur 1:0-Führung.

Chaos in Belgiens Abwehr

Danach kippte die Partie komplett. In der belgischen Hintermannschaft brach das blanke Chaos aus, Courtois konnte einen 18-Meter-Schuss von Antonio Candreva so gerade noch über die Latte lenken (32.). Drei Minuten später bekam Marouane Fellaini den Ball nicht aus dem Strafraum heraus, aus dem Nichts kam Graziano Pellè zum Kopfball - platzierte die Kugel aber aus sechs Metern knapp neben den Pfosten.

Von den unter großem Erwartungsdruck agierenden Eden Hazard und Kevin De Bruyne war im ersten Durchgang herzlich wenig zu sehen - ein von Giaccherini abgeblockter Schuss von De Bruyne kurz vor dem Seitenwechsel war noch die gefährlichste Aktion des hochdotierten Premier-League-Duos.

Großchance für Lukaku

Im zweiten Durchgang brauchten die Belgier einige Minuten, um zurück in diese Partie zu finden, hatten dann aber in der 53. Minute die Riesenchance zum Ausgleich. Nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung waren die Italiener in der Defensive mal für einen Moment lang offen, De Bruyne bediente den ansonsten miserabel agierenden Romelu Lukaku - doch der verfehlte frei vor Buffon den rechten Winkel nur um Zentimeter.

Direkt im Gegenzug waren aber schon wieder die Italiener am Zug, Courtois lenkte einen Pellè-Kopfball aus kurzer Distanz noch um den rechten Pfosten.

Verzweiflung bei Mertens

Danach brachte der viermalige Weltmeister mit seinem Defensivbollwerk die Belgier zunehmend zur Verzweiflung. Musterbeispiel für die geballte Ratlosigkeit war ein Versuch von Dries Mertens, der 20 Minuten vor Schluss einen 45-Meter-Schuss gegen Buffon ansetzte - sich damit aber nur den höhnischen Beifall der italienischen Fans sicherte.

Näher dran am Ausgleich war acht Minuten vor dem Ende Divock Origi - sein Kopfball strich aber knapp über die Latte. Als die Belgier am Ende alles riskierten und hinten öffneten, verpasste der Ex-Dortmunder Ciro Immobile bei einem Konter nur knapp das 2:0 - Courtois rettete glänzend. Chancenlos war der beste Mann seiner Mannschaft dann aber bei einem weiteren Konter in der 93. Minute: Pellè vollendete eine starke Kombination über Immobile und Candreva.

Statistik

Fußball · Europameisterschaft · 1. Spieltag 2016

Montag, 13.06.2016 | 21.00 Uhr

Flagge Belgien

Belgien

Courtois – Ciman (76. Carrasco), Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen – Witsel, Nainggolan (62. Mertens) – De Bruyne, Fellaini, Hazard – R. Lukaku (73. Origi)

0
Flagge Italien

Italien

Buffon – Barzagli, Bonucci, Chiellini – Candreva, Parolo, De Rossi (78. Motta), Giaccherini, Darmian (58. De Sciglio) – Pellè, Martins (75. Immobile)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Giaccherini (32.)
  • 0:2 Pellè (90.+3)

Strafen:

  • gelbe Karte Chiellini (1 )
  • gelbe Karte Martins (1 )
  • gelbe Karte Bonucci (1 )
  • gelbe Karte Motta (1 )
  • gelbe Karte Vertonghen (1 )

Zuschauer:

  • 55.408

Schiedsrichter:

  • Mark Clattenburg (England)

Stand der Statistik: Montag, 13.06.2016, 23:01 Uhr

Stand: 13.06.2016, 22:51

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