Mustafi - schon wieder auf den letzten Drücker

UEFA Euro 2016

Mustafi - schon wieder auf den letzten Drücker

Vor der WM 2014 war Shkodran Mustafi schon aus dem Kader gestrichen worden, vor der EM galt er jetzt lange als zweite Wahl. Doch wieder stand er beim Start auf dem Platz - und spielte eine entscheidende Rolle.

Quiz: Was haben Thomas Hitzlsperger, Robert Huth und Shkodran Mustafi gemeinsam?

Antwort: Sie haben in England ihr Geld mit Fußball verdient. Huth macht es noch heute. Diese Lösung wäre vom Schwierigkeitsgrad her aber für jeden Fußballfan ein Hohn. Deutlich anspruchsvoller dürfte sein: Sie haben ein Länderspieltor in der persönlichen Statistik stehen, ohne je zuvor ein Bundesligaspiel bestritten zu haben. Es gibt nur diese drei Nationalspieler, die dies behaupten können.

Überraschende Nominierung durch Joachim Löw

Shkodran Mustafi, 24 Jahre alt, verdiente sein Geld als Profi zunächst beim FC Everton, dann wechselte er nach Italien zu Sampdoria Genua. Dort wurde Bundestrainer Joachim Löw auf ihn aufmerksam, berief ihn in den vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft 2014, strich ihn aber vor der letzten Nominierungsrunde.

Dann verletzte sich Marco Reus einen Tag vor dem Abflug nach Brasilien. Löw rief Mustafi, den Innenverteidiger, für Reus, den schnellen Offensivspieler zurück. Der Plan, eine Viererkette aus vier Innenverteidigern zu bilden, steckte hinter diesem überraschenden Schritt.

Wanderung durch Europa

Mustafi wurde in der Vorrunde zweimal für den Rechtsverteidiger Jérôme Boateng eingewechselt, im Achtelfinale gegen Algerien begann er auf der Position, musste aber nach 70 Minuten vom Platz. Muskelbündelriss. Aus für das Turnier. Aber er blieb in Brasilien, stemmte in Rio den Pokal in die Höhe.

Es kam ein größerer Verein, Mustafi wechselte für acht Millionen Euro zum FC Valencia. "Meine beiden Jahre in Spanien habe ich viel gespielt, im ersten Jahr nur in der Liga, im zweiten dann auch in der Champions League", sagte der im hessischen Bebra geborene Sohn albanischer Eltern.

Ähnliche Werte wie Jerome Boateng

Dank seiner Erfahrung und auch seinen Leistungen in den Länderspielen war es wenig überraschend, dass Mustafi zur EM fährt. Beinahe auf den letzten Drücker schaffte er es aber zum Auftakt in die Startelf. Mustafi, der in den beiden letzten Testspielen gegen die Slowakei und Ungarn nur zusehen durfte, profitierte dabei von der schweren Verletzung Antonio Rüdigers.

Er rückte an die Seite von Boateng und brachte es auf zehn Ballgewinne gegen die Ukraine, der Münchner auf sieben. Boateng lag bei den angekommenen Pässen nur mit zwei Prozentpunkten vorn (94:92). Allerdings waren Boatengs Pässe effizienter. Er überspielte 75 Gegner, darunter fünf Verteidiger der Ukrainer, was besonders wertvoll ist. Mustafi kam nur auf einen überspielten Verteidiger, insgesamt auf 31 Gegner.

Aber Mustafi hat die besten Argumente, denn er köpfte das 1:0 und leitete das 2:0 mit einer enorm wichtigen Rettungsaktion am eigenen Strafraum ein. „Ich freue mich víel mehr über das Ergebnis als über mein Tor“, sagte der Verteidiger nach dem Spiel in Lille.

Weitere Stimmen von ihm gibt es am Dienstag (14.06.16), wenn Mustafi Gast der Pressekonferenz in Evian sein wird. Sportschau.de streamt ab 12.30 Uhr live.  

Stand: 13.06.2016, 14:04

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