Polen zehrt von der jüngeren Vergangenheit

UEFA Euro 2016 - Polen gegen Deutschland

Polen zehrt von der jüngeren Vergangenheit

Von Marcus Bark (Paris)

Stürmerstar Robert Lewandowski ist für die Polen derzeit kein Thema. Sie ziehen ihre Hoffnung für das Spiel gegen Deutschland viel mehr aus einem Sieg im Oktober 2014.

Wie ist er zu stoppen? Wie muss er verteidigt werden? Was nutzt ihn, schon mit ihm und jetzt gegen ihn gespielt zu haben. Die deutschen Nationalspieler wurden in den vergangenen Tagen mit Fragen nach Robert Lewandowski überflutet. Der Weltklassestürmer erzielte in der Qualifikation zur Europameisterschaft 13 von 33 Treffern für die Polen, in der abgelaufenen Bundesligasaison gelangen ihm 32 Tore für den FC Bayern. Er ist der Fixpunkt in einer Mannschaft, die allerdings und auch viele andere gute Spieler und derzeit vor allem ein ganz anderes Thema hat.

Der Weltmeister ist nicht unschlagbar

Bei der Pressekonferenz im Stade de France am Mittwoch (15.06.16) fiel der Name Robert Lewandowski exakt null Mal. Stattdessen ging es immer wieder um diesen Abend des 11. Oktober 2014. Deutschland war als noch recht frischer Weltmeister ins Nationalstadion nach Warschau gekommen. Es ging um die Qualifikation für eben jenes Turnier gerade in Frankreich, die von den Polen recht souverän gemeistert wurde.

"Das war ein historischer Moment, keine Frage. Der erste Sieg gegen Deutschland war wichtig für unser Teambuilding und unsere Entwicklung", sagte Trainer Adam Nawalka über das 2:0. Die Partie sei "wie ein Schachspiel" gewesen, erinnerte er sich an die Auseinandersetzung mit Bundestrainer Joachim Löw, der "sehr viel Wert auf Taktik gelegt habe". An das Rückspiel, so Nawalka schelmisch, habe "gar keine große Erinnerung mehr". In Frankfurt hatte Deutschland mit 3:1 gewonnen.

Blaszczykowski traut Polen großes zu

Die Nacht von Warschau aber, sie sei als eine der größten in die Geschichte des polnischen Fußballs eingegangen. So sagte es auch Jakub Blaszczykowski, der nach derzeitigem Stand im Juli zu Borussia Dortmund zurückkehren wird, nachdem er an den AC Florenz ausgeliehen worden war: "Der Sieg hat uns Selbstvertrauen und Sicherheit gegeben, dass wir etwas Großes erreichen können."

Etwas sehr Großes wäre ein weiterer Sieg gegen Deutschland, am Donnerstag. "Wir haben einen konkreten Plan. Aber den werde ich nicht verraten, genauso wenig wie die Aufstellung. Ich möchte es dem Gegner nicht zu leicht machen", sagte Nawalka. Der Trainer grätschte Lukas Piszczek von Borussia Dortmund sogar in eine Antwort, weil er wohl fürchtete, dass der Rechtsverteidiger zuviel von dem Plan verraten könne.

Eines gab der Trainer jedoch preis. Wojciech Szczesny fällt für das zweite Gruppenspiel aus. Der Torhüter hatte sich beim 1:0-Auftaktsieg gegen Nordirland am Oberschenkel verletzt. Wer wird ihn ersetzen? Nawalka ließ es offen.

Stand: 16.06.2016, 08:30

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