Wales gegen Nordirland - Sportsgeist als Sieger

Nordirische Fans beim Spiel gegen Wales in Paris

Britisches Achtelfinalduell bei der UEFA Euro 2016

Wales gegen Nordirland - Sportsgeist als Sieger

Von Chaled Nahar (Paris)

Wales und Nordirland haben das sportlich vielleicht schwächste Spiel des Turniers abgeliefert. Ihre Fans aber machten es zum wohl stimmungsvollsten - es könnte die Pointe des Turniers gewesen sein.

Seine Magie entfaltete dieses Spiel erst weit nach Schlusspfiff so richtig. Nordirland war durch ein 0:1 gegen Wales im Achtelfinale der EM ausgeschieden, doch auch 20 Minuten nach Spielende feierten die nordirischen Fans ihre Mannschaft und vor allem sich selbst. Der Stadion-DJ versuchte zwar mit lauter Techno-Musik alles, um die große Atmosphäre abzuwürgen, aber auch mit all seinen Lautsprechern war er machtlos gegen die Gesänge.

Nordirlands Trainer: "Stelle nicht nach Fangesängen auf"

Nordirlands Fans haben den Soundtrack zur EM geliefert und das Turnier auch zu ihrer Party gemacht. "Will Grigg's on fire" - dieses Lied ist allgegenwärtig in den Stadien, in den Straßen, in den Medien, längst auch bei Spielen ohne nordirische Beteiligung. Will Grigg wurde zu einer der prägenden Figuren der EM, ohne sportlich etwas beigetragen zu haben. "Er ist ein guter junger Spieler", sagte Trainer Martin O'Neill sichtlich genervt auf die unvermeidliche Frage, warum der ständig besungene Grigg im gesamten Turnier nicht eine Minute auf dem Platz war. "Aber ich stelle meine Mannschaft nicht danach auf, was die Fans singen."

Abgang im Leibchen - Will Griggs kam zu keinem Einsatz

Abgang im Leibchen - Will Griggs kam zu keinem Einsatz

In der 79. Minute des bis dato vielleicht schwächsten aber stimmungsvollsten Spiels des Turniers war bei den nordirischen Fans noch kurz Hoffnung auf einen Einsatz Griggs aufgekommen. Er lief sich mit zwei Teamkollegen warm, und machte bei einer Anweisung zwei Schritte zur Bank - bis er merkte, dass er gar nicht gemeint war. Niall McGinn wurde stattdessen eingewechselt. Einen Einsatz oder gar ein Tor von Grigg als Pointe des Gesangs erlebte das Turnier nicht mehr. Die nordirischen Fans sangen ihr Lied trotzdem weiter, als Grigg nach einer kurzen Verabschiedung wie die anderen Spieler vom Platz ging. Der Song ist ohnehin längst wichtiger als der Spieler.

Weniger nordirische Fans

Unter den Zuschauern waren im Vergleich zu den Gruppenspielen merklich weniger nordirische Fans als bei den bisherigen Spielen. "Es hat eben niemand mit dem Achtelfinale gerechnet, jetzt waren die Flüge sehr teuer", erzählt Marcus Leroux, der mit seinem Kumpel Darren Hunter nach Paris gereist ist. In der Stadt und im Stadion sind die Waliser in der Überzahl. "Fühlt sich an wie Cardiff", klagt Leroux.

Marcus Leroux (l.) mit seinem Kumpel Darren Hunter

Marcus Leroux (l.) mit seinem Kumpel Darren Hunter

"Und die Hotels sind voll mit Engländern. Weil sie dachten, dass sie Gruppensieger werden." Als er das sagt, lachen einige Waliser laut. Denn sie sind nun an Englands Stelle in diesem Achtelfinale und weisen in Gesängen gerne daraufhin, wer die Gruppe B gewonnen hat. Im Stadion bleiben die Nordiren jedoch auch in Unterzahl akustischer Sieger.

Friedliche Atmosphäre in Paris - die Pointe des Turniers

Trotz einer gepflegten Rivalität zwischen beiden Teams geht es fast freundschaftlich zu. Die Fans aus Wales applaudieren nach dem Schlusspfiff dem nordirischen Team und umgekehrt. "Die Atmosphäre war fantastisch", sagte Gareth Bale. "Die Fans beider Mannschaften haben das Spiel so gestaltet, wie es sein soll."

Beide Fangruppen bewiesen, wie friedfertig und mit wieviel Sportsgeist so ein EM-Spiel doch ablaufen kann - den schlechten Beispielen zu Beginn des Turniers zum Trotz. Und das gibt dem Turnier vielleicht doch noch eine Pointe - auch ohne ein Spiel von Will Grigg.

Stand: 25.06.2016, 22:00

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