Deschamps korrigiert sich erfolgreich

Frankreichs Sieg im Achtelfinale gegen Irland

Deschamps korrigiert sich erfolgreich

Von Chaled Nahar (Lyon)

Frankreich ist dem Aus gegen Irland entgangen, weil Didier Deschamps eine Änderung in der Halbzeit rückgängig machte. Der Sieg war verdient, doch es gibt neue Probleme für den Gastgeber.

Didier Deschamps verteidigte sich vehement. "Ich zocke nicht mit meiner Aufstellung", sagte er nach dem 2:1 gegen Irland im Achtelfinale der EM am Sonntag (26.06.2016): "Ich treffe die Entscheidungen in Diskussionen mit meinen Spielern. Und wenn es nicht klappt, ist es mein Fehler."

Ein Ausrutscher mit Folgen

Es klappte zunächst nicht. Frankreichs Trainer Didier Deschamps hatte dieselbe Elf auf den Platz geschickt, die Rumänien im Eröffnungsspiel mit 2:1 besiegt hatte. Das bedeutete, dass durch die etwas defensivere 4-3-2-1- beziehungsweise 4-3-3-Formation für Kingsley Coman nur auf der Bank Platz war.

Ein Ausrutscher von Adil Rami führte zu Paul Pogbas Foul gegen Shane Long, nach weniger als zwei Minuten lag Frankreich durch Robbie Bradys Elfmeter in Rückstand. Die umgestellte Mannschaft begann das Spiel also praktisch in einer defensiven Formation mit einem 0:1 - und kam damit zunächst gar nicht zurecht.

Irland überraschte die Franzosen mit eigenen guten Angriffen. Der Außenseiter beschränkte sich nicht auf Befreiungsschläge, sondern spielte sich oft organisiert frei. Frankreich kam nur zu wenigen Aktionen nach vorne. "Wir waren etwas verspannt nach dem Rückstand", gab Deschamps nach dem Abpfiff zu.

Deschamps' Umstellung wirkt

Die Blockade löste der Trainer selbst, indem er Coman zurück ins Spiel brachte. Mit ihm anstelle von N'Golo Kanté stellte Deschamps seine Mannschaft offensiv um. Der Wechsel wurde spielentscheidend: Coman stresste die Iren auf der rechten Seite, Pogba konnte in der Mitte stärker zur Geltung kommen und Antoine Griezmann weiter vorne mit Olivier Giroud agieren.

"Wir wussten zur Halbzeit, dass sich was ändern muss", sagte Griezmann: "In der zweiten Hälfte ging es besser durch die Umstellung mit Coman. Ich war näher vorne dran." So nah, dass er das Spiel alleine drehte. Bacary Sagnas Flanke köpfte er zum Ausgleich ein, nur wenig später nutzt er Girouds Ablage zum 2:1.

Das Stadion kochte, fortan rannten die Franzosen scheinbar eifriger einem Tor hinterher als es vor dem Ausgleich der Fall gewesen war. In der zweiten Hälfte zeigte Frankreich, wozu es zumindest offensiv im Stande ist. 17:2 Torschüsse standen alleine in den zweiten 45 Minuten zu Buche.

Sperren bringen neue Probleme

Frankreich hat nun allerdings neue Probleme. Im Viertelfinale wird die ohnehin wackelige und vor Turnierbeginn eher notdürftig zusammengestellte Mannschaft weiter geschwächt, denn Mittelfeld-Abräumer Kanté und Innenverteidiger Adil Rami fehlen dort jeweils nach der zweiten gelben Karte. Deschamps will das nicht als Problem beschreiben. "Ich habe 23 Spieler und damit genug Optionen", sagte er zu den Sperren.

Doch die bisherigen Gegner Rumänien, Albanien, Schweiz und Irland waren nicht unbedingt die stärksten Teams des Kontinents, gegen keinen spielten die Franzosen zudem restlos überzeugend. Die nächsten Gegner könnten im Viertelfinale nach einer langen Pause bis zum kommenden Sonntag (03.07.2016) nun England und im möglichen Halbfinale Deutschland, Spanien oder Italien sein. Dort dürften ähnliche taktische Ausrutscher härter bestraft werden.  

Stand: 26.06.2016, 18:22

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