Kroatiens Ivan Perisic - nur Davor Suker ist besser

UEFA Euro 2016 - Kroatien gegen Portugal

Kroatiens Ivan Perisic - nur Davor Suker ist besser

Von Marco Schyns

Die starke Leistung von Kroatien bei der EM ist eng mit dem Namen Ivan Perisic verbunden. Der Ex-Wolfsburger hat einen großen Stellenwert im Nationalteam - und jagt sogar eine Bestmarke von Legende Davor Suker.

Ivan Perisic klang wenig euphorisch nach dem Auftaktsieg seiner Kroaten bei der Fußball-Europameisterschaft gegen die Türkei. "Wir haben eine gute Mannschaft mit guten Spielern beisammen. Das bringt uns aber alles nichts, wenn wir es nicht schaffen, das auf den Rasen zu bringen", meinte der Offensivspieler nach dem knappen 1:0-Sieg am ersten Gruppenspieltag.

Inzwischen haben sie ihre Stärke auf den Rasen gebracht. Und Perisic hat großen Anteil daran. Durch seinen späten Treffer zum 2:1 gegen Europameister Spanien sicherte sich das Team von Trainer Ante Cacic den Gruppensieg - und ist nun Teil des vermeintlich leichteren Tableaus dieser Europameisterschaft.

Kroatien als Mitfavorit auf den Titel

Auch deswegen gilt Kroatien inzwischen als Mitfavorit auf den Titel. Perisic aber warnt vor Euphorie. "Wir müssen fokussiert bleiben. Wenn wir jetzt nachlassen, verlieren wir alles", mahnt er vor dem Achtelfinal-Duell mit Portugal am Samstagabend (25.06.16). Der 27-Jährige unterstreicht mit solchen Aussagen seinen Stellenwert für das Team. Schließlich hat die Kombination aus starken Leistungen auf dem Platz und Bescheidenheit und Ehrgeiz neben dem Platz bislang sehr gut funktioniert.

Trotz guter Leistung zum Auftakt gegen die Türkei haperte es an der Chancenverwertung. Perisic sprach das öffentlich an. Und auch wenn es im zweiten Spiel gegen Tschechien nur zu einem 2:2-Unentschieden reichte, zeigten sich die Kroaten treffsicherer und konnten spielerisch noch einmal eine Schippe drauflegen - zumindest für die ersten 75 Minuten.

Interesse des FC Barcelona

Auch Perisic selbst hielt sich an seine Devise und steuerte den Treffer zur 1:0-Führung bei. Ähnlich wie später gegen Spanien konnte der Ex-Wolfsburger im richtigen Moment Tempo aufnehmen und eiskalt abschließen. Eine Fähigkeit, die auf diesem Niveau nur wenige Spieler in Europa so gut beherrschen wie er. Seine Bewegungen, die enge Ballführung und der Drang, von außen in Richtung Strafraum zu ziehen, erinnern an Bayerns Arjen Robben.

Auch dem FC Barcelona soll das nicht entgangen sein. Spanischen Medienberichten zufolge wird Perisic bei den Katalanen als Neuzugang gehandelt. "Das alles interessiert mich jetzt nicht", kommentierte der Spieler die Gerüchte nach dem Triumph gegen Spanien. Noch vor einem Jahr kickte Perisic beim VfL Wolfsburg. Sein Abgang im letzten Sommer in Richtung Italien wird häufig außer Acht gelassen, wenn es darum geht, Gründe für die schlechte Saison der "Wölfe" zu finden. Schließlich gehörte auch Perisic, neben Kevin de Bruyne, zu den Stützen des DFB-Pokalsiegers von 2015.

Nur Suker ist besser

Bei Inter Mailand, die Perisic im letzten Sommer für rund 13 Millionen Euro verpflichteten, gehört er zu den unumstrittenen Stammspielern. Der Angreifer absolvierte alle 34 Saisonspiele in der Serie A und erzielte dabei sieben Treffer und bereitete fünf weitere vor. Eine gute Bilanz. Beeindruckend aber ist seine Statistik bei großen internationalen Turnieren. Mit seinen beiden Treffern in Frankreich steht Perisic nun bei vier Toren und drei Torvorlagen - nur Davor Suker, Torschützenkönig der WM 1998 und heute Verbandspräsident, hat mit neun Toren und einer Vorage eine bessere Ausbeute vorzuweisen.

"Perisics EM hat mich überhaupt nicht überrascht", sagt Suker, "er hat enorme Qualität." Kroatiens Nationaltrainer, Ante Cacic, wählte nach dem Sieg gegen Spanien ähnliche Worte: "Das Spiel, das Perisic heute geliefert hat, war enorm." In der Tat war es vor allem Perisic, der das Fehlen von Spielmacher Luka Modric (Leistenblessur) und Torjäger Mario Mandzukic (muskuläre Probleme) mit seiner bislang stärksten Turnierleistung kompensieren konnte.

Gegen Portugal sollen beide Stars aber wieder fit sein. Perisic jedenfalls mahnt schon mal. "Wir müssen fokussiert bleiben. Wenn wir jetzt nachlassen, verlieren wir alles", sagt er und schickt gleich danach eine Kampfansage an die Konkurrenz: "Wir haben einen richtig guten Job gemacht, aber das ist er der Anfang."

Stand: 25.06.2016, 08:00

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