Islands Ausbruch aus der Welt der Fußballzwerge

Qualifikation zur EURO 2016

Islands Ausbruch aus der Welt der Fußballzwerge

Von Chaled Nahar

Island verpasste die Qualifikation zur Endrunde der WM 2014 nur knapp. Jetzt steht die Mannschaft wieder weit oben und zeigt, dass ihre Resultate nie etwas mit Losglück oder Zufall zu tun hatten. Island kann erstmals die Qualifikation zur Endrunde eines großen Turnieres schaffen.

Als Island im November 2013 in den Playoffs zur Weltmeisterschaft in Brasilien stand, waren sich selbst die Isländer einig: "Das ist eine einmalige Chance." Island nutzte sie jedoch nicht und unterlag gegen Kroatien in den Entscheidungsspielen (0:0, 0:2). Im September 2015 ist in Island nun jedoch klar, dass diese Chance weder zufällig kam noch einmalig gewesen ist. Ein Unentschieden gegen die Niederlande am Donnerstag (20:45 Uhr) in Amsterdam würde reichen, um mit fünf Punkten Vorsprung auf die Ränge hinter den direkten Qualifikationsplätzen in die drei letzten Spiele zu gehen. Island ist also wieder nah dran.

In der Weltrangliste von 108 auf 23

Lange war Island in den europäischen Qualifikationsgruppen zu Welt- und Europameisterschaften ein beständiger Punktelieferant. Die Ausbeute in der Qualifiaktion zu den großen Turnieren vor 2014: Vier Punkte 2012, fünf Punkte 2010, acht Punkte 2008, vier Punkte 2006. Heute hat die Mannschaft des schwedischen Trainers Lars Lagerbäck in der EM-Qualifikation 2016 bereits 15 Zähler erspielt. Als Lagerbäck die Mannschaft übernahm, stand sie in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 108, in der aktuellen Ausgabe der Rangliste hat sie sich gerade auf Rang 23 an Frankreich vorbeigespielt. Es ist Islands Ausbruch aus der Welt der Fußballzwerge.

"Ich hatte immer das Gefühl, dass wir uns qualifizieren können", sagte Lagerbäck schon während der WM-Qualifikation. Island gewann fünf seiner bisher sechs Spiele, schlug dabei jeweils ein Mal Tschechien, die Türkei und die Niederlande. Profitierte die Mannschaft bei den Erfolgen in der Qualifikation zur WM 2014 noch von einer verhältnismäßig leichten Gruppe, zeigt sich spätestens jetzt, dass diese Mannschaft völlig zurecht auf eine Teilnahme an der Endrunde hofft.

U21-EM 2011 als Ursprung des heutigen Erfolgs

Mats Hummels 2010 gegen Kolbeinn Sigthórsson

Mats Hummels 2010 gegen Kolbeinn Sigthórsson

Der Ursprung des Erfolgs liegt in der Qualifikation zur U21-EM 2011 in Schweden. In der Gruppe Islands war Deutschland der große Favorit. Doch nach dem 2:2 in Magdeburg gewann Island in Hafnafjördur mit 4:1 gegen eine Mannschaft mit Spielern wie Großkreutz, Holtby, Schmelzer, Hummels und Höwedes. Island und Tschechien flogen zur EM, Deutschland verpasste das Turnier.

Bei der Endrunde der U21-EM in Dänemark schied das Team nur aufgrund des direkten Vergleichs in der Vorrunde aus - die Spieler von damals prägen die Mannschaft von heute.

Eingespielter Stamm

Die Mannschaft ist eingespielt, der Stamm ist klein. Zehn Spieler kamen in allen sechs Spielen zum Einsatz. Gylfi Sigurdsson (früher Hoffenheim, heute Swansea) ist mit vier Toren in sechs Spielen der bisher treffsicherste Isländer. Er spielt den offensiven Part einer Doppelsechs im Mittelfeld mit Kapitän Aron Gunnarsson, der bei Cardiff City unter Vertrag steht.

Der ebenfalls torgefährliche Johann Gudmonsson von Charlton Athletic und Emil Hallfredsson - der gegen die Niederlande allerdings verletzt fehlt - komplettieren das Mittelfeld. Stürmer Eidur Gudjonsson spielt heute in China, in seiner besten Zeit stand er über Jahre bei Chelsea und dem FC Barcelona unter Vertrag. Der eigentliche Mann im Angriff ist aber Kolbeinn Sigthórsson, der für Ajax in den Niederlanden seit 2010 31 Tore in 80 Erstligaspielen erzielt hatte und nun in Nantes spielt.

Das Restprogramm spricht für Island

Diese Mannschaft bekommt nun eine zweite Chance. Von einer einmaligen Gelegenheit spricht zwar niemand mehr, aber diese isländische Generation von Spielern kann sich nun mit der erstmaligen Teilnahme an einer Endrunde krönen. Dafür, dass sie es schafft, spricht auch das Restprogramm nach dem Spiel gegen die Niederlande, wenn Kasachstan (bisher ein Punkt) und Lettland (drei Punkte) Gegner sind. Zwei Fußballzwerge, zu denen Island nicht mehr gehört.

Stand: 03.09.2015, 11:37

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