Island - der Abschied fällt schwer

Nach dem 2:5 gegen Frankreich

Island - der Abschied fällt schwer

Von Chaled Nahar (Saint-Denis)

Island hat mit einer nervösen Vorstellung und amateurhaften Fehlern gegen Frankreich die Chance auf das Halbfinale vertan. Die Mannschaft war trotzdem der Farbtupfer des Turniers, der Abschied fällt selbst dem Gegner schwer.

Es lief die zweite Minute im Stade de France, als die Nervosität der Isländer zum Greifen war. Torwart Hannes Halldórsson trat einen Abstoß etwas lax Richtung Linksverteidiger Ari Skúlason. Der musste dem Ball entgegenlaufen und ihn zwangsläufig noch vor der Strafraumgrenze annehmen - der Schiedsrichter pfiff die beiden zurück. Ein falscher Abstoß, in einem EM-Viertelfinale.

"Wir hatten ein mentales Problem. Einige hatten Angst, Fehler zu machen", gestand Trainer Lars Lagerbäck nach dem Viertelfinale gegen Frankreich ein. Die Isländer, die Sympathieträger dieses Turniers, sahen ihren Traum innerhalb von wenigen Minuten nach dem falsch ausgeführten Abstoß in Saint-Denis platzen, zur Halbzeit stand es 0:4, am Ende 2:5.

Lagerbäck hadert mit der verpassten Chance

 Islands Fans störte das nicht. Unentwegt feierten sie ihre Mannschaft, nach dem Schlusspfiff gab es einen rührenden Moment, der weit über das Markante "Huh!"-Geklatsche hinweg ging. Fans und Spieler reihten sich zu einem gemeinsamen Foto auf, es wirkte wie ein Familienbild.

Der Architekt des Erfolgs, der Mann, der Island erst hierher geführt hat, verlässt die Mannschaft nun. Lagerbäck haderte nach dem 2:5 sichtlich mit der verpassten Chance. Denn Island war nach seinen bisherigen Leistungen in diesem Turnier vielleicht überraschend, aber nicht zufällig im Viertelfinale gelandet.

 "Es war wie damals in Kroatien", sagte Lagerbäck. 2013 verlor Island nach einem 0:0 zu Hause in Kroatien das Playoff-Spiel in der Qualifikation zur WM 2014 in Kroatien mit 0:2. "Wie damals haben wir dumme Fehler gemacht und schlecht verteidigt. Wir haben unser Gehirn nicht benutzt." Es war kein taktisches Versagen, es waren amateurhafte Abwehrfehler, die das Turnier für Island beendeten. "Sie haben uns schlecht aussehen lassen, und wir haben es ihnen leicht gemacht."

Eine Bereicherung für das Turnier

 Island hat einem Turnier, das in der Vorrunde lange nur mit Fünferketten und randalierenden Fans Schlagzeilen machte, ein freundliches Gesicht gegeben. In der Bahn von Saint-Denis in die Stadt tauschten die Fans Trikots mit denen Frankreichs, beide Fangruppen sangen gemeinsam ihre Lieder.

 Der Abschied von der isländischen Mannschaft fällt selbst denen schwer, die sie geschlagen haben. "Respekt - Island hat ein tolles Turnier gespielt", sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps.

"Das Team hat eine große Zukunft"

 "Das Viertelfinale zu erreichen, war fantastisch", sagt Lagerbäck. Er übergibt die Verantwortung nun an Heimir Hallgrímsson, der bislang sein gleichberechtigter Mittrainer war. "Wir haben hier vieles gelernt", sagte Lagerbäck.

 Und Geld eingenommen. Acht Millionen Euro Antrittsgeld gab es, zwei Millionen in der Gruppenphase und insgesamt vier für das Erreichen von Achtel- und Viertelfinale. "Ich hoffe, sie nutzen die Einnahmen, um den Fußball weiterzuentwickeln. Schauen Sie auf das Alter der Spieler. Da sind viele junge Spieler im Kader, die noch gar nicht gespielt haben, sie sind noch viele Jahre dabei. Das team hat eine große Zukunft", sagt Lagerbäck mit Blick auf die WM-Qualifikation, die am 5. September beginnt.

 In der Gruppe Islands befinden sich die Ukraine, der Kosovo, die Türkei, Finnland - und Kroatien. Es gibt für die Mannschaft also kaum eine bessere Auslosung, um die eigene Entwicklung zu beweisen.

Stand: 04.07.2016, 10:17

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