EM-Aus für Ilkay Gündogan

Kniescheibe ausgerenkt

EM-Aus für Ilkay Gündogan

Da hat einer eine unglaubliche Pechsträhne: Wie Borussia Dortmund am Freitag (06.05.2016) mitteilte, fällt Ilkay Gündogan für den Rest der Saison und für die EM wegen einer schweren Knieverletzung aus.

Die Verletzungsmisere bei Ilkay Gündogan reißt nicht ab: Der Mittelfeldspieler hat sich im Mannschaftstraining die Kniescheibe ausgerenkt. Diese Mitteilung verbreitete Borussia Dortmund am Freitagnachmittag. Gleichzeitig bedeutet das für den 16-fachen Nationalspieler nicht nur das vorzeitige Saisonende, sondern auch das EM-Aus, so sein Arbeitgeber. Der 25-Jährige hatte bereits die WM 2014 verpasst, nachdem er am 14. August 2013 im Länderspiel gegen Paraguay mit einer Rückenverletzung ausgewechselt werden musste.

Es folgten mehrere erfolgslose Behandlungen, eine Operation an der Lendenwirbelsäule - und eine unendliche Leidenszeit. Gündogan absolvierte sein nächstes Länderspiel erst nach 586 Tagen Pause am 25. März 2015 mit einem Freundschaftsspiel gegen Australien. Erst in dieser Saison erreichte er sein altes Niveau und war bei Joachim Löw für die EM-Endrunde in Frankreich fest eingeplant.

Schon Mittwoch und Donnerstag nicht trainiert

"Sich selbst leid zu tun, war noch nie die beste Lösung", schrieb Gündogan am Freitag auf Englisch bei Twitter. "Nach dem ersten Schock über die Diagnose hilft es nur, positiv nach vorn zu schauen, um so schnell wie möglich wieder fit zu werden. Wie bei den meisten Verletzungen kann man nicht genau sagen, wann man wieder zurückkehren wird."

In dieser Saison hatte Dortmunds Nummer acht 40 Pflichtspiele für die Schwarz-Gelben bestritten und teils wieder überragende Leistungen gezeigt. Der technisch versierte, spielintelligente Mittelfeldstratege hatte bereits am Mittwoch das Training verpasst wegen "leichter Kniebeschwerden", wie der BVB am selben Tag verkündete. Auch am Donnerstag fehlte Gündogan im Training. Die nun veröffentlichte schwerwiegende Verletzung macht auch Bundestrainer Löw betroffen.

Löw: "Ganz bitter für Ilkay selbst"

"Das ist natürlich ein Rückschlag für uns alle, vor allem aber ist es ganz bitter für Ilkay selbst", sagte der Bundestrainer. "Nachdem er schon in Brasilien verletzungsbedingt ausgefallen ist, verpasst er nun auch die Europameisterschaft, für die er sich so viel vorgenommen hatte", kommentierte Löw.

"Er war in einer sehr guten Verfassung, mit seiner Dynamik, seiner Übersicht, seinen strategischen Fähigkeiten hat er eine zentrale Rolle in unseren Planungen gespielt. Wir alle von der Nationalmannschaft wünschen ihm nun in erster Linie, dass er bald wieder auf den Platz zurückkehrt", betonte der Badener.

Eigentlich will der Spieler im Sommer wechseln

Gündogan hatte zuletzt noch für Aufsehen gesorgt, weil sich ein Wechsel zu Manchester City andeutete. Trotz eines bis 2017 datierten Vertrags will der in Gelsenkirchen geborene Deutsch-Türke am Saisonende wechseln. Am 7. März hatte sich der Noch-Bayern-Trainer Pep Guardiola in Amsterdam mit City-Sportdirektor Txiki Begiristain getroffen - dabei auch Ilhan Gündogan, Onkel und Berater des BVB-Profis.

Eine Ablöse von 38 Millionen Euro stand im Raum, doch beide Vereine haben dazu bis heute noch keine weitere erhellende Stellungnahmen abgegeben. Nicht abzusehen ist derzeit, welche Auswirkungen die neuerliche Verletzung auf den Wechsel hat.

Die Verletzung ist schmerzhaft

Gündogans Malheur kommt zwar unter Profifußballern nicht sehr häufig vor, ist aber bei Sportmedizinern als "Patellaluxuation" bekannt. Die Kniescheibe dient dazu, das Kniegelenk zu schützen und die Kraftentwicklung des Quadrizeps durch eine Verlängerung des Hebels zu verstärken. Das Internetportal www.netzathleten.de schreibt dazu: "In einigen Fällen kann es aber dazu kommen, dass die Kniescheibe aus dieser Führung springt, was auch als Patellaluxation, also Ausrenkung der Kniescheibe, bezeichnet wird. Teilweise springt sie wieder zurück (Reposition), seltener bleibt sie in der ausgerenkten Position an der Außenseite (lateral) des Kniegelenks."

Weiter heißt es: "Beide Fälle sind schmerzhaft und bei beiden Fällen besteht die Gefahr, dass es sich wiederholt. Zudem besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es auch in der Folge zu Knieschmerzen, Schmerzen unterhalb der Kniescheibe und Folgeschäden an Bändern, Knochen und Knorpeln kommt. Auch eine psychische Belastung ist eine häufige Folge, weil man sich nicht mehr auf sein Knie verlassen kann und immer Angst haben muss, dass es noch einmal passiert."

red, dpa | Stand: 06.05.2016, 14:21

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