Ungarn - Erfolg dank deutschem Trainer-Trio

Porträts EURO 2016

Ungarn - Erfolg dank deutschem Trainer-Trio

Nach dreißig Jahren ohne Endrundenteilnahme ist die gemeisterte Qualifikation für die EM in Frankreich ein riesiger Erfolg - auch wenn man als Außenseiter in das Turnier startet.

Der Weg nach Frankreich: In der Gruppe F wurden die Ungarn hinter Nordirland und Rumänien nur Gruppendritter. Dabei traten sie recht minimalistisch auf. Nur vier Siege feierte das Team, alle mit nur einem Tor Unterschied. So mussten die Magyaren den Weg über die Playoffs nehmen. Beim Hinspiel in Norwegen feierte ein gewisser Laszlo Kleinheisler aus der dritten ungarischen Liga sein Debüt und schoss sein Land prompt zum 1:0-Auswärtssieg. Daheim ließen die Ungarn dann nichts mehr anbrennen und siegten mit 2:1. Kleinheisler spielt inzwischen beim Bundesligisten Werder Bremen.

Schlüsselspieler: Altmeister Gabor Kiraly sicherte mit zahlreichen Paraden in Qualifikation und Playoffs den Ungarn die EM-Teilnahme. Die personifizierte "Schlabberhose" ist noch immer eine Konstante. Beim Turnier in Frankreich wird der 40-jährige Lothar Matthäus als ältesten EM-Spieler der Geschichte ablösen. Von seinen jungen, hungrigen Teamkollegen schwärmt der Mann, der lange bei 1860 München und mittlerweile in der Heimat bei Haladás Szombathelyi spielt, in höchsten Tönen: "Das ist eine neue Generation, ein neuer Meilenstein im ungarischen Fußball. Ich bin glücklich, ein Teil dieser Mannschaft zu sein", sagt er über die jungen Wilden um Laszlo Kleinheisler: "Die ganze Mannschaft ist wichtig. Wir funktionieren nur als Team. Jeder hat seinen Teil zu diesem Erfolg beigetragen. Wichtig ist, dass wir als Kollektiv auftreten.“

Trainer: Den aktuellen Erfolg haben die Ungarn einem deutschen Trainer-Gespann zu verdanken. Bernd Storck betreut das Team seit Sommer 2015 und übernahm das Amt vom heutigen Hertha-Coach Pal Dardai. Sein Assistent ist Welt- und Europameister Andreas Möller. "Jetzt noch eine EM als Co-Trainer zu erleben, ist fantastisch", sagt er. Torwarttrainer ist Ex-Profi Holger Gehrke. Storck hat mit den Magyaren noch viel vor. "Wir haben riesiges Potenzial hier im ungarischen Fußball. Ich hoffe, dass das ein Anfang für eine bessere Zukunft ist", sagt er mit Blick auf die zuletzt verbesserte Jugendarbeit des Verbandes. Er will die Ungarn auch zur WM 2018 in Russland führen.

Historie: 30 Jahre mussten die Ungarn warten, ehe sie sich wieder für ein großes Turnier qualifizierten. Letztmals war das Land bei der Weltmeisterschaft 1986 dabei. Damals scheiterte man schon in der Vorrunde. Unvergessen ist die "Goldene Elf" um Ferenc Puskás, die bei der WM 1954 in der Schweiz hinter Deutschland im Endspiel von Bern nur Vizeweltmeister wurde. Bei Europameisterschaften kamen die Ungarn zwei Mal bis in Halbfinale, doch auch das ist lange her. 1964 wurden sie in Spanien Dritter, 1972 in Deutschland immerhin Vierter. Es ist die erste EM-Teilnahme der ehemaligen Fußball-Großmacht seit 44 Jahren.

Aussichten: In Gruppe F ist Portugal der große Favorit auf den Gruppensieg. Dahinter streiten sich mit den Ungarn sowie Österreich und Island drei Teams um den zweiten und dritten Platz. "Unser Ziel ist das Achtelfinale. Das wäre ein Traum. Dafür versuchen wir alles", sagt der Nationaltrainer. "Wir sind klarer Außenseiter. Aber wir wollen die anderen ärgern." Ungarns Plan: Als einer der vier besten Gruppen-Dritten in die nächste Runde einzuziehen.

Stand: 30.05.2016, 14:52

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