Ukraine - Zwischen Konflikt und Fußball

Porträts EURO 2016

Ukraine - Zwischen Konflikt und Fußball

Die Ukraine zitterte sich über die Playoffs nach Frankreich und hat sich damit erstmals sportlich für eine EM qualifiziert. Die Fußballer vertreten eine krisengeplagte Nation.

Der Weg nach Frankreich: Der Konflikt im Osten der Ukraine hält an, doch auf dem Fußballplatz demonstrierten Spieler aus Ost und West Einigkeit. Der Teilnahme an der EM in Frankreich ging die erste sportliche Qualifikation voraus. Es war jedoch eng: In Gruppe C reichte es trotz sechs Siegen und zwei disziplinierten Auftritten gegen den klaren Favoriten aus Spanien - man verlor beide Spiele mit 0:1 - nur für Platz drei hinter Spanien und der Slowakei. Mit 19 Punkten und damit als einer der besten Gruppendritten ging es in zwei Entscheidungsspiele gegen Slowenien. Das Hinspiel in Lviv entschieden die Männer in blau-gelb mit 2:0 für sich, im Rückspiel reichte ein 1:1.

Schlüsselspieler: Vor allem zwei Spieler lassen von einer erfolgreichen EM in Frankreich träumen: Da ist zum einen Jewgeni Konopljanka, der vielleicht beste ukrainische Spieler seiner Generation. Im vergangenen Sommer wechselte der 26 Jahre alte Flügelspieler von Dnjpr Dnjpropetrowsk zum FC Sevilla und gewann bei seiner ersten Auslandsstation gleich die Europa League. Für die Tore sorgt Andrej Jarmolenko, ebenfalls 26 Jahre alt und unumstrittener Führungsspieler: Mit zwei Toren in Hin- und Rückspiel der Playoffs war er maßgeblich an der Qualifikation beteiligt.

Der Trainer: Michail Fomenko, 67 Jahre alt, spielte sechs Jahre für Dynamo Kiew und gewann unter anderem den UEFA Super Cup gegen den FC Bayern München. Nachdem er seine aktive Laufbahn aufgrund einer Rückenverletzung im Jahr 1979 beenden musste, war er mehrere Jahre als Assistenztrainer in Kiew tätig und wurde 1993 Cheftrainer. Anschließend trainierte er unter anderem Metalist Charkow. Seit Dezember 2012 ist er Chef-Coach der ukrainischen Nationalmannschaft und sich der Außenseiterrolle seiner Mannschaft in Frankreich bewusst: "Wenn wir die nächste Runde erreichen, wäre das ein großer Erfolg“.

Historie: Nach Auflösung der Sowjetunion nahm die Ukraine erstmals 1996 an der Qualifikation zur EM teil, konnte sich seitdem aber nie qualifizieren - die Ukrainer scheiterten insgesamt vier Mal in der Quali. Im Jahr 2012 waren sie als Co-Gastgeber der Europameisterschaft neben Polen automatisch qualifiziert, schieden nach einem Auftaktsieg gegen Schweden jedoch schon nach der Vorrunde aus.

Aussichten: Für die Ukraine wird es in Gruppe C mit Deutschland, Polen und Nordirland nicht einfach – das Erreichen des Achtelfinals könnte auf einen Zweikampf mit den Nordiren hinauslaufen. Die Testspiele fielen aber sehr positiv aus: Im März gewannen die Ukrainer gegen Zypern und Wales, das letzte Testspiel gegen Rumänien endete mit einem 4:3-Sieg.

ds | Stand: 01.06.2016, 08:00

Darstellung: